
Howdy, y’all!
In meiner Familie gab es einen Tradition. Am letzten Urlaubstag gab es die “Henkersmahlzeit”. Wir suchten uns ein schönes Restaurant, nichts mit Sternen oder so, wir hatten nicht viel Geld. Und dann wurde das Ende der schönen Zeit zelebriert.
So machte es gestern unsere Airbnb-WG. Wir aßen die besten Tacos von Austin in der Nixta Taqueria. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die hat sogar eine Michelin-Erwähnung und mit was? Mit recht? Man sitzt im Garten an langen Tischen und es gibt Next-Level-Tacos aus Mehl, das Nixta selbst aus Mexiko importiert – grandios.
Dieser Newsletter ist somit auch der vorletzte, den ich Dir schicke. Es wird noch eine Zusammenfassung meiner persönlichen Folgerungen aus der SXSW 2026 geben. Doch ich möchte darüber noch ein wenig nachdenken, es könnte sein, dass es Anfang kommender Woche wird. Ich brauche halt immer ein wenig, um all die Informationen und Eindrücke zu einem schlüssigen Bild zu formen.
Warum Du diesen Newsletter bis zum Ende lesen solltest:
Weil es ein Exklusiv-Interview mit Star-Trendforscher Rohit Bhargava gibt
Weil Du liest, dass die SXSW die politischste war, die ich je erlebt habe
Weil Du gute Nachrichten für die deutsche Autoindustrie liest
Mehr Robotaxi-Realismus
Ganz viele SX-Besucher aus Deutschland bejubeln gerade auf LinkedIn die fahrerlosen Taxis von Waymo. Unsere WG kann nicht in diese Begeisterung einstimmen. Ich selbst schrieb schon, (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)dass mein Waymo bei der Anfahrt eine Schleife drehte und mich dann ein paar Minuten von meinem Ziel entfernt absetzte.
Richard erging es noch schlimmer. Kurz vor seinem eigentlich Ziel bog der Wagen plötzlich ab und fuhr in die andere Richtung. Theoretisch soll man einen Support per Knopfdruck kontaktieren können.
Praktisch meldete der sich viel zu spät und lieferte als Lösung des Problems eine Karte, wie Richard die 6 Minuten Fußweg bis zum Ziel bewältigen könnte. Ähnliches berichtete zumindest eine weitere Person aus Deutschland.
Daraufhin recherchierte Richard kurz. Stellt sich heraus: Dieser Service sitzt vollständig auf den Philippinen, wie ein Waymo-Manager bei einer Kongressanhörung gestehen musste.
Sprich: Robotiaxis sind noch weit davon entfernt, mehr als Mittelmäßigkeit zu liefern. Und der Grund ist weniger die Sicherheit der Fahrt als vielmehr die Navigation im Alltagsverkehr.
Gute Nachrichten für Volkswagen
Heute morgen pushupte eine Meldung auf mein Handy, die auch bedeutend ist für die deutsche Autoindustrie, womit wir nochmal über den E-Autohersteller Rivian reden müssen.
In dieser Woche schrieb ich schon über seinen spannenden Chef (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)und machte eine Probefahrt über den Parcour in der Innenstadt. Wer nochmal mitfahren möchte:
https://youtu.be/pNidjOA_PJI?si=ITEVT0M8Wujkw_-g (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Heute gab Uber bekannt, dass sie für 1,25 Milliarden Dollars bis 2031 50.000 autonome Taxis bei Rivian bestellen. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Somit wird wohl auch die Uber-Kooperation mit Waymo enden. Waymo selbst bastelt an einem eigenen Modell mit der chinesischen Marke Zeekr.
Ich sehe den Deal auch als Signal, wie stark die Software von Rivian ist. Und das ist ein gutes Zeichen für Volkswagen, das 2024 5,8 Milliarden Dollar in ein Joint-Venture mit Rivian gesteckt hat – um Software zu entwickeln.
Rivian-Taxis könnten großartig sein. Der Innenraum des neuen, kleineren Modells R2 ist so luftig, dass ich mit meinen 1,95 problemlos vorne wie hinten Platz hatte – also her mit den Dingern!
Der etwas andere Country-Star
Mein musikalischer South-by-Abschluss fand gestern wieder im Stubb’s statt. Charley Crockett (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)lebt in Austin, hatte schon ein Nr.1-Album und spielt eine eigenständige Mischung aus Country, Rock, Folk, Blues, Funk und Soul – es war ein sehr freudvoller Abend. Wenn Du auf ehrliche, handgemachte Musik stehst, hör ihn Dir mal an.
Weniger Vapor, mehr Billo
Ich muss bei Tesla um Entschuldigung bitten. Vor ein paar Tagen lästerte ich, das neue Robotaxi des Konzerns, das hier auf der Straße zu besichtigen war, sei Vaporware, weil der Kofferraum nicht zu öffnen war.
Irgendwann haben sie doch den Schlüssel gefunden. Wer hineinblickte, sah billiges Plastik, das noch nicht mal vor dem Vorzeigen gesäubert worden war. Wertige Anmutung geht anders.
Die politischste SXSW ever
Am ersten Tag hier in Texas ärgerte ich mich über eine der bekanntesten deutschen Medienmarken, deren Name ich hier nicht nennen möchte, um nicht in wütende Beschimpfungen auszubrechen.
Der Autor dieser Marke schrieb, die SXSW sei nicht mehr so politisch wie früher, Trump, Meinungsunterdrückung und so. Das gleiche hatte er schon vergangenes Jahr geschrieben, Copy und Paste sind anscheinend gute Kumpels von ihm.
Mit diesem Vorwissen möchte ich Sie bitten, dieses Video vom gestrigen Tag zu betrachten, entstanden bei einer Session der South-by:
https://youtu.be/iJ9P_Dkvsn0?si=WjXnJGfpx5IBK9zK (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die SXSW ist eine Projektionsfläche für deutsche Journalisten. Man kann rumbehaupten, was man will, die Leser daheim sind ja nicht in Texas, merken die gar nicht. Es gab in der Berichterstattung schon einige Peinlichkeiten, vor vier Jahren veröffentlichte eines der wichtigsten deutschen Medien eine Zusammenfassung des “dominierenden Themas” des ersten Tags in Austin – bevor der erste Tag begonnen hatte.
Die Wahrheit ist, dass die SXSW NOCH NIE politisch war außerhalb dessen, was Musiker und Filmemacher in ihren Werken politisieren – aber das ist Kunst.
Im Digitalpart waren immer wieder Politiker zu Gast, aber es wäre ja Unfug, einer Fachkonferenz einen übermäßig politischen Anstrich zu geben – dafür kommen keine europäischen Marketers, keine brasilianischen Startup-Gründer oder Londoner Venture Capitalists.
Manche Berichterstatter aber wünschen sich das. Sie wünschen sich, dass eine so wichtige Plattform wie die SX sich mit donnernden Worten gegen die Regierung Trump richtet, weil ihnen selbst die Worte für das fehlen, was da gerade passiert.
Nein, die SXSW war nie politisch.
Bis zu diesem Jahr.
Und das ist das eigentlich Traurige bei jenem Autor: seine begrenzte Vorstellungskraft hinderte ihn daran, mal ins Programm der Konferenz zu blicken. Dann hätte er Sessiontitel gefunden wie “Definding Democracy: How Cities Rise Up When Feds Push Down” – daraus stammt das Video oben, das Panel war besetzt mit Lokalpolitikern aus dem ganzen Land. Das Programm listete etliche Punkte mit solchen Überschriften.
Klar, Politiker waren auch da, aber nur Demokraten wie Gavin Newsom, Nancy Pelosi oder James Talarico. Ich war zu Gast bei einem Frühstück von Austin Bürgermeister Kirk Watson. Auch er hielt sich nicht zurück: “Ich bin verstört über die Richtung, die unser Land nimmt.”
Der K0ngressabgeordnete Lloyd Doggett wurde fast zynisch:
Wir in Austin wissen, dass die Welt nicht am Golf von Mexiko aufhört und wir sagen, dass er immer noch so heißt.
Und:
Die Bürger der USA haben dieses Jahr die Wahl zwischen Demokratie und Autokratie.
Er endete mit einem Appell für Migration und zitierte Sänger Lyle Lovett:
You’re not from Texas, but Texas wants you anyway.
Viel wichtiger: Überall gab es in diesem Jahr politische Ausbrüche. Es ging von höflich vorgetragener Kritiken an der Handelspolitik wie bei Rivian bis hin zu wütenden Worten wie bei Trendforscherin Amy Webb.
Sie sagte auf dem Podium des Fast Company Hauses über die US-Regierung: “Ich habe keine Zweifel, dass diese fucking Leute Wetten abschließen und dann Länder bombardieren, um Geld daraus zu ziehen.” Im Hinblick auf das kommende Jahr wurde sie kämpferisch: “Ich hoffe, wir haben dann nicht auf den Händen gesessen. Wir sehen den Sturm kommen. Wir Menschen haben die Möglichkeit, Dinge zu verändern, wir vergessen es nur manchmal.”
Das klang schon sehr nach Francisca Menez, die im Video oben den Schlachtruf anführte. Die Geschäftsführerin der NGO Progress Impact Lab lieferte für mich eines der stärksten Zitate der SXSW:
Wir alle haben die Filme über Staatsübernehmen gesehen. Die Zukunft wurde uns vorhergesagt, aber wir hielten sie für Entertainment.
Noch so ein Satz, diesmal von Kendra Brooks, der Oppositionsführerin im Stadtrat:
Wenn Du glaubst, Deine Stimme sei nichts wert, warum wollen sie sie Dir eigentlich wegnehmen?
Auch die SXSW selbst hatte sich zu einem politischen Finale entschieden. Die Programmchefs fanden deutliche Worte in Sachen Meinungsfreiheit und Migration. Dann ließen sie das Festival mit einem emotionalen Panel enden.
Unter dem Titel “Say it louder: Artists, Activism & The First Amendment” lieferten der Comedian W. Kamau Bell und Jane Fonda – 88 Jahre alt und energiegeladener als die meisten 40-Jährigen – wütende Aufrufe zum Kampf.
“Resist” stand in strassbesteinten Lettern auf Fondas T-Shirt.
Buchtip für Apple-Ultras
David Pogue, einst bei der New York Times der erste Tech-Journalist, der Gadget-Tests mit Entertainment paarte, hat ein Buch zu Apples 50. Geburtstag geschrieben. Auf der Bühne in Austin plauderte er darüber mit dem ehemaligen Apple-Topmanager Phil Schiller.
Sein Werk ist zu schwer für den Koffer, aber in seiner Aufmachung eine absolute Kaufempfehlung – sehr hochwertig gemacht. Es heißt “Apple – The First 50 Years”. Mehr dazu auf der Homepage. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
“Die einzige Zukunft, die wir erschaffen, ist die, die wir uns vorstellen können”
Vor langen Jahren war eine SX-Session, in die ich wollte, überfüllt. Nebenan lag der Raum, in dem Buchlesungen stattfanden. Da war Platz, es war ein mir unbekannter Autor, der ein Buch mit dem Titel “Non-obvious Trends” geschrieben hatte: Rohit Bhargava. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Hinterher sprachen wir, seitdem sehen wir uns manchmal in Austin, ich interviewte ihn mehrfach für journalistische Projekte.
Auf der SXSW ist er inzwischen ein Top-Star, der die größte Bühne bekommt. Wir trafen uns auch in diesem Jahr und ich bat ihn um ein Interview für Holy Smokes.
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