Liebe Wein-Freund:in,
Du liest den WeinLetter #119. Heute gibt’s: Teil 1 des großen Luxemburg-Specials. Warum jetzt auf einmal Luxemburg? Anders gefragt: Könnt ihr Euch noch an den WeinLetter vom Bieler See (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erinnern? Piwi-Pionier Bruno Martin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder Burgunder-Könner Martin Hubacher? WeinLetter-Schweiz-Korrespondent Walter Steinmann, ehemaliger Chef des Bundesamts für Energie und eine energiepoltische Größe bei den Eidgenossen, war vor zwei Jahren Gastgeber der ersten Redaktionskonferenz der WeinLetter-Brigade Süd. Da diese Treffen immer unter dem Motto WeinLetter & Friends stattfinden, war hier auch Tom Eischen unter den Friends. Er wiederum ist seit langen Jahren im Energiebereich des Großherzogtums tätig und war in seinen jungen Jahren auch mal hobbymäßig im Weinhandel tätig - damals mit biologischen Weinen. Und da war die Verbindung zur zweiten Redaktionskonferenz der WeinLetter-Brigade Süd-und-Luxemburg geschaffen. Sie fand in Luxemburg statt. Also führte uns Tom Eischen durch das Pumpspeicher-Kraftwerk Vianden und zeigte uns Agri-Photovoltaik- und Windkraft-Anlagen – aber er führte uns eben auch zu famosen Weingütern Luxemburgs. Und davon erzählt dieses Luxemburg-Special in zwei Teilen.
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Trinkt friedlich!
Euer Thilo

“Das ist unser Luxemburger Wein”: Blick auf Schengen, die Mosel und den Markusberg FOTO: THILO KNOTT
Alles über das Weinland Luxemburg
Von Thilo Knott
Georges Krack sitzt auf der Terrasse des Weinguts Henri Ruppert und blickt hinunter auf Schengen und die Mosel, die durch Schengen fließt. Das Weingut ist umgeben vom Markusberg, dem Hausberg des Weinguts. Die „Vins de Terroirs“ werden hier gemacht, wie sie es bei Henri Ruppert nennen, die Lagenweine von Riesling und Grauburgunder. „Schengen, das ist unser Luxemburger Wein!“, sagt er. Stolz schwingt da mit. Stolz auf dieses kleine Anbaugebiet, das unwesentlich größer ist als Saale-Unstrut. Es ist ehrlich gemeint, auch wenn sein Geschäft das Anpreisen des Luxemburger Weins ist.
Georges Krack begleitet uns an diesem Tag durch das Weinland Luxemburg. Winetours heißt sein Unternehmen, in seinem Bus hat jeder Teilnehmer einen Wein-Glashalter neben sich, damit niemand durstig fahren muss. Die erste Station ist das Weingut Henri Ruppert.

Pause auf der Terrasse des Weinguts Henri Ruppert: Georges Krack fährt mit dem Wein-Bus durch Luxemburg FOTO: THILO KNOTT
Henri Ruppert ist eines der renommiertesten Weingüter Luxemburgs. Allein das moderne Kellereigebäude des Architekten François Valentiny ist schon einen Besuch wert. Auch wenn hier die Besucherinnen und Besucher meist mit Kisten Wein im Gepäck wieder gehen. Georges Krack kennt hier jeden, jeder hier kennt Georges Krack. Er ist seit Jahrzehnten der Guide des Luxemburger Weins. Bei ihm bekommt man Antworten auf jede Frage. Also los.
1. Wein in Luxemburg: Wie groß ist der Markt?
Luxemburg produziert Wein auf rund 1.250 Hektar Rebfläche. Damit würde sich Luxemburg in Deutschland zwischen dem Rheingau und Saale-Unstrut einsortieren. Das Rheingau betreibt Weinanbau auf 3.100 Hektar, Luxemburg ist immerhin noch größer als Saale-Unstrut mit etwas mehr als 800 Hektar.
„Wir sind ein Weißweinland“, sagt Georges Krack über die Verteilung der 1.250 Hektar. 90 Prozent seien weiße Rebsorten, 10 Prozent rote Rebsorten. „Die prägendste rote Rebsorte ist im Prinzip Pinot Noir“ sagt er.
Die Rebfläche Luxemburgs wird von knapp 250 Winzerbetrieben bewirtschaftet. Interessant ist die Verteilung des Anbaugebiets auf die Betriebsstruktur. Es gibt in Luxemburg circa 60 Privatwinzer respektive unabhängige Weingüter, die ca. ein Drittel der nationalen Rebfläche bewirtschaften. Mehr als die Hälfte der Rebfläche verteilt sich dann auf Genossenschaften. „Jeder Privatwinzer hat hier seinen festen Kundenstamm“, sagt Georges Krack.
2. Welche Rebsorten dominieren im Großherzogtum?
Elbling dominierte gemeinsam mit Rivaner, also Müller-Thurgau, lange Zeit die Weinlandschaft in Luxemburg. Es hat gedauert, bis sich das hin zu Edeltrauben gewandelt hat. Man kennt das auch in Deutschland: Elbling und Rivaner war für die Luxemburger, was Dornfelder für die Pfälzer, Trollinger für die Württemberger und Müller-Thurgau für die Franken war.
Dornfelder, Trollinger und Müller-Thurgau gibt es ebenso noch auf den deutschen Weinverkaufslisten wie den Elbling vor allem bei den Luxemburger Genossenschaften. Bei Henri Ruppert oder den Weingütern, die wir später besucht haben, etwa die fabelhafte Domaine Viticole Sunnen-Hoffmann, gibt es keinen Elbling mehr. Nur Sunnen-Hoffmann hält immer noch einen Rivaner im Basissegment (8,50 Euro). Schon eher findet man in diesem Weingut die Piwi-Rebsorten Cabernet Blanc oder Pinotin, was am deutlichsten für den Wandel im Rebsortenspiegel steht. Dominante Rebsorten sind heute die Burgunder-Drei, also Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay – und nicht zu vergessen: Auxerrois. Plus: Riesling.
Und: Diese Veränderung bei den Rebsorten ist ohne den Qualitätsgedanken nicht zu verstehen. Früher, als Elbling und Rivaner noch dominant waren, „120 Hektoliter pro Hektar hat man da geerntet“, sagt Georges Krack. „Heute werden noch im Schnitt 60 Hektoliter pro Hektar gelesen.“
3. Welche Weingüter in Luxemburg kann der WeinLetter empfehlen?
Die Weingüter waren sehr gut ausgesucht auf dieser energetischen Wein-Tour. Henri Ruppert in Schengen und Sunnen-Hoffmann sind schon zwei hervorragende Weingüter, die für die Spitze in Luxemburg stehen.
Die Domaine Henri Ruppert.
Geschichte: Die Geschichte der Familie Ruppert im Weinbau reicht nachweislich bis in das Jahr 1680 zurück. Seit 1904 befindet sich der Betrieb am heutigen Standort oberhalb von Schengen im Dreiländereck Luxemburg, Deutschland, Frankreich. Das Weingut wird von Henri Ruppert in achter Generation geführt.
Geologie: Die Rebflächen des Guts liegen ausschließlich in Steillagen mit Neigungen von bis zu 60 Prozent. Zu den wichtigsten Lagen zählen Markusberg, Felsberg und weitere Parzellen rund um Schengen und Remerschen. Muschelkalk‑, Kalk‑ und Quarzitböden prägen den Charakter der Weine und sorgen für ausgeprägte Mineralität, Struktur und Lagerfähigkeit.
Besonderheit: Eine Vielzahl hochwertiger Lagen-Rieslinge.
Fläche: rund 20 Hektar.

“Der erste Bio-Betrieb in Luxemburg”: Corinne Hoffmann vor den Stahltanks im Keller des Weinguts Sunnen-Hoffmann FOTO: THILO KNOTT
Die Domaine viticole Sunnen-Hoffmann.
Geschichte: Domaine viticole Sunnen‑Hoffmann gilt als Pionier des biologischen Weinbaus an der Luxemburger Mosel. Der Familienbetrieb wurde 1872 gegründet. Bereits 2001 stellte das Weingut vollständig auf ökologischen Anbau um. „Wir waren der erste Bio-Betrieb in Luxemburg“, sagt Winzerin Corinne Hoffmann bei der Kellerführung in Remerschen, einem Ortsteil von Schengen. Diese frühe Entscheidung prägt bis heute Philosophie, Arbeitsweise und Stilistik des Hauses.
Geologie: Die Weinberge des Gutes liegen in Remerschen, Wintrange, Schwebsange und Schengen. Südliche bis südöstliche Expositionen sowie ton‑ und kalkhaltige Böden bieten ideale Voraussetzungen für präzise, terroirbetonte Weine. Besonders renommierte Lagen wie Wintrange Felsbierg liefern alte Rebbestände mit hoher Komplexität.
Besonderheit: Ein großes Repertoire hochwertiger Crémants.
Fläche: rund 10 Hektar.
4. Für welche Weine steht Luxemburg?
Nach der dreitägigen Weinreise durch Luxemburg würde ich sagen: Folgende fünf Punkte charakterisieren Luxemburger Mosel-Weine – und sind nur zu empfehlen:
Punkt 1: Crémant de Luxemburg. Jedes Weingut hat eine extraordinäre Auswahl an Crémants. Crémant ist ja eine geschützte Herkunftsbezeichnung für Schaumweine aus Frankreich – und eben Luxemburg als das einzige Nicht-Frankreich-Land mit der traditionellen Bezeichnung Crémant de Luxembourg. Das Sortiment Crémant Brut, Crémant Rosé und Brut Nature, wie es eines unserer besuchten Weingüter, das Bio-Weingut Schmit-Fohl in Ahn, anbietet, ist quasi der Minimalstandard. Das Weingut Sunnen-Hoffmann produziert allein sechs allesamt hervorragende Crémants.
Punkt 2: Burgundersorten. Sind in Luxemburg qualitativ sehr wichtig, nur Riesling kann da noch mithalten bei den Top-Qualitätsweinen. Ähnlich wie auf der deutschen Seite der Mosel, dem Saarland (WeinLetter #118) (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), sind es hier die Keuper- und Muschelkalkböden, die geradezu gemacht sind für Burgunder-Rebsorten. Auch hier finden sich die klassischen Drei wie im Saarland: Grauburgunder, Chardonnay und Weißburgunder. Aber auch hier gibt es ein Faible für Auxerrois.

Die Weinprobe im Garten des Weinguts Sunnen-Hoffmann: 2 Crémants, Riesling, 2 Grauburgunder, Pinot Noir und Pinotin FOTO: THILO KNOTT
Punkt 3: Grauburgunder. Und doch ragt aus den Burgundern einer heraus hier in Luxemburg: der Grauburgunder. Uns Deutschen ja am liebsten in der italienischen Variante bekannt – als Pinot Grigio. Sorry, vor allem Baden hat sehr, sehr gute Grauburgunder. Wer also auf Grauburgunder steht, muss die aus Luxemburg probieren. Am besten zu Beelitzer, Schwetzinger, Nienburger, Bruchsaler oder Schrobenhausener Spargel ist das famos. (Konkrete Tipps gibt’s in Teil 2 des Luxemburg-Specials)
Punkt 4: P-G-Verhältnis. Das Preis-Genuss-Verhältnis ist ja die Abwandlung des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Da „Leistung“ im Weinbereich aber eher schwer zu objektivieren ist, ist der „Genuss“ wenigstens individualisierbar. Die Weine des Luxemburger Weinguts Henri Ruppert bewegen sich bei bis zu 32 Euro für die weißen Top-Lagenweine. Die Weine des Bio-Weinguts Sunnen-Hoffmann bei höchstens 26,55 Euro. Der Top-Cremant Etoile Filante Millésimé liegt bei gerade mal 21,95 Euro. Also: Die Weine hier haben ein Top-Preis-Genuss-Verhältnis.
Punkt 5: Trockene, mineralische Weine mit ein bisserl Restzucker. Wer nicht zur Fraktion der Death-Valley-Weintrinker gehört, also zu jener Fraktion, die bei Restzucker von mehr als 1 Gramm schon einen Zuckerschock bekommt, der ist in Luxemburg genau richtig. Der Top-Lagen-Grauburgunder von Henri Ruppert „Felsberg“: 10 Gramm Restzucker. Der Top-Grauburgunder „Insolite“ von Sunnen-Hoffmann: 10 Gramm Restzucker. Die moderate Restsüße macht die Luxemburger Weißweine aber nicht schwer bis opulent; das ist alles gut ausbalanciert durch Säure und Mineralität.

Gruppenfoto von der WeinLetter-Redaktionssitzung in der Probierstube des Weinguts Schmit-Fohl in Ahn. Von links: Tom Eischen, der Herausgeber, Walter Steinmann und Franz Untersteller FOTO: THILO KNOTT
Die Infos zur WeinLetter-Luxemburg-Tour:
Domaine Henri Ruppert | 1, Um Markusbierg L-5445 Schengen | www.domaine-ruppert.lu (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) | Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag: 14:00 – 21:00 Uhr; Samstag – Sonntag: 11:00 – 21:00 Uhr; Montag & Dienstag: geschlossen.
Domaine viticole Sunnen-Hoffmann | 6, Rue des Prés
L‑5441 Remerschen (Schengen) | www.sunnen-hoffmann.lu (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) | Öffnungszeiten: Montag – Freitag: 8:00 – 12:00 & 13:00/13:30 – 17:00 (Verkostungen nach Vereinbarung – auch samstags möglich).Maison viticole Schmit-Fohl | 8, Rue de Niederdonven L-5401 Ahn Wormeldange | www.schmit-fohl.lu (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) | Öffnungszeiten: “Rund um die Uhr”
WineTours: www.winetours.lu (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
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