Misa ist eine ehemalige Wrestlerin, heute eine Sängerin und ein Idol der japanischen Underground-Popkultur. Für eine Dokumentation wird ihr Leben genau gefilmt. Aufgrund ihrer energischen Ausstrahlung bekommt sie eines Tages das Angebot, als Domina im exklusiven BDSM-Club "H" zu arbeiten. Misa ist zunächst eher abgeneigt, doch als die Chef-Domina Kanon ihr in den Mund pinkelt, entdeckt sie ihre masochistische Ader. Sie geht bei Kanon in die Lehre und wird zur Domina; auch an sadistischen Praktiken findet sie Gefallen. Trotz der sexuellen Freuden, die sie erfährt, hat sie immer noch nicht genug Mut, auch in ihrem alltäglichen leben zu ihrer Sexualität zu stehen. Noch.
Kji Shiraishi, der eigentlich hauptschlich Horrorfilme dreht, präsentierte uns 2022 den Film Safe Word. Um es gleich vorweg zu sagen: die provokante Erotik-Satire ist kein Porno. Sie enthält natürlich pornografische Elemente, aber Hetero-Geschlechtsverkehr wird gar nicht gezeigt. Zunächst musste ich mich an den japanischen Trash-Stil mit den naiv wirkenden Dialogen und die grauenvolle Musik gewöhnen. Ich dachte am Anfang "oh Gott, was ist das denn?", doch als ich mich an das bunte, überdrehte Setting gewöhnt hatte, merkte ich, dass Safe Word ein lesbisches Plädoyer für die sexuelle Befreiung von Frauen darstellt. Hier steht die weibliche Sexualität im Fokus, die niemals als reiner Schauwert für Männer inszeniert wird. Hier wird die sexuelle Freiheit gefeiert, und das scheint in der auf Scham und einem archaischen Ehrbegriff fußenden japanischen Kultur bitter notwendig zu sein. In Safe Word geht es oberflächlich betrachtet um sexy BDSM-Szenen, doch eigentlich erzählt der Film uns von Entblößung, Verlegenheit, Perversion, gesellschaftlichem Druck und Selbstbefreiung. Ein ungewöhnlicher Film mit naivem Charme und wichtiger sexualpolitischer Message.
https://www.imdb.com/de/title/tt22046188/ (Abre numa nova janela)