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Sightseers (2012)

Tina und Chris sind neurotische Auswürfe aus der Kleinbürgerhölle. Vom Leben enttäuschte Menschen Mitte Dreißig, die bunte Funktionsjacken tragen und wie Fünfzig aussehen. Sie sind seit drei Monaten zusammen und sehr verliebt, also fahren sie eine Woche lang mit dem Wohnwagen durch England, um ihrem tristen Alltag zu entkommen. Ihr Urlaub beginnt mit einem Unfall, bei dem ein Mann zu Tode kommt. In ihnen schlummert eine archaische Wut, die sich nun Bahn bricht. Immer wieder begegnen ihnen Menschen, die ihnen vor den Kopf stoßen oder die nicht in ihre zwanghafte Vorstellungswelt passen. Und so ziehen sie eine blutige Spur durch England.

Ben Wheatley, bekannt für Kill List (2011), A Field in England (2013) und leider auch für Meg 2: Die Tiefe (2023), wagt in guter britischer Tradition den Spagat zwischen Horror und schwarzem Humor. Dem Ausnahmeregisseur gelingt dies mit seinem dritten Film aus dem Jahre 2012 mit Bravour. Die kuriose Liebesgeschichte ist geprägt vom transgressiven Wunsch des (post-)modernen Menschen nach Ausbruch und Rausch. Zum ersten Mal in einem nichtssagenden Leben etwas von Bedeutung tun, nicht mehr zurück können, das geht am besten mit Sex oder Tod bzw. Mord. Sigmund Freud würde sich die Hände reiben, seine beiden Haupttriebe sind hier eindrucksvoll dargestellt. Hinzu kommt das Gefühl, dass diese Triebe in Tina und Chris durch Natur, Landschaft, Opfer und Ritual irgendwie herausgefordert werden. So gesehen könnte man Sightseers ebenfalls als Folk-Horror bezeichnen, den Ben Wheatley ja nur zu gerne in seinen Filmen bedient. Diese Gesellschaftssatire mit den Synchronstimmen von Anke Engelke (Tina) und Bjarne Mädel (Chris) hat mich von der ersten Minute an bestens unterhalten. Wenn Komödien, dann bitte so.

https://www.imdb.com/de/title/tt2023690/ (Abre numa nova janela)
Tópico Film