Saltar para o conteúdo principal

Kopie von Zwischen Piepsen, Palimpsest und Pflegekunst

Ein satirischer Besuch im Universitätsklinikum Regensburg – mit Wiesel und Wasserbüffelin im akustischen Ausnahmezustand

Manchmal führt das Leben uns an Orte, die ähnlich funktionieren wie geschäftige Anthologien menschlicher Existenz. Orte, an denen Freude, Angst, Expertise und Hoffnung in einem fortwährenden Reigen umeinander tanzen. Das Universitätsklinikum Regensburg ist zweifelsohne ein solcher Ort – ein großformatiges Organismuswesen, das zugleich heilt, tröstet, repariert und mit einer erstaunlichen Großzügigkeit Menschen in Empfang nimmt, die gerade nicht ihre stärksten Stunden erleben.

Heute war ich dort zu Besuch.

Als Gast.

Als stille Beobachterin im akustischen Orchestergraben eines hochkomplexen Krankenhauses.

Und wie es sich für mein persönliches Innenleben gehört, standen natürlich wieder zwei Gestalten bereit, um diesen Tag in dramaturgisch fragwürdigem, aber höchst unterhaltsamem Licht zu kommentieren:

das Wiesel – hypervigilant, übermotiviert, tonal überfordert –,

und die Wasserbüffelin – Gleichmut in Reinform, ein Zen-Kloster auf vier imaginären Hufen.

Bereits beim Betreten des Klinikums war mein Wiesel voll in seinem Element. Es stieß mit metaphorischer Schnuppernase die Türen auf, rannte in die Empfangshalle und rief:

„Guck! Menschen! Maschinen! Möglichkeiten! Wo ist die nächste Reizquelle? Gib mir Reizquelle! Jetzt! Sofort!“

Die Wasserbüffelin hingegen rollte, souverän wie immer, die Augen und murmelte etwas über akustische Selbstfürsorge und differenzielle Reizverwertung, während sie mental ihr Yoga-Matten-Inventar durchzählte.

Die Pflegekräfte als Heldinnen eines auditiven Balletts

Schon im Zimmer, in dem wir unseren Besuch abstatteten, stieß ich auf die beeindruckende Mischung aus Professionalität und Herzlichkeit, die man diesem Klinikum wirklich zugestehen muss. Krankenschwestern, Ärztinnen, Pfleger – alle warm, respektvoll, kompetent, und in einer Freundlichkeit verankert, die man eigentlich streng rationieren müsste, um ein emotionales Overdose-Risiko bei empfindlicheren Gemütern zu vermeiden.

Doch dann geschah etwas, das jedes Wiesel in meinem Kopf in Panik versetzte:

Drei bis vier Menschen begannen gleichzeitig zu sprechen.

Ja. Gleichzeitig.

Synchron, parallel, kreuz und quer.

Eine Art Live-Performance des „polyphonen Informationsstroms“, vorgetragen in einem Zimmer, dessen Akustik die Betonung in Beton gegossen hatte.

Mein Wiesel schrie entsetzt:

„Das ist ein Palimpsest! Ein akustischer Overkill! Ich höre alles! Ich verstehe nichts! Ich steeerbe!“ (kleiner theatralischer Kerl)

Die Wasserbüffelin sah sich den Aufruhr an, lutschte innerlich an einem imaginären Salbeibonbon und kommentierte mit jener unerschütterlichen Ruhe, die ich manchmal bewundere und manchmal verdächtige, pure passiv-aggressive Überlegenheit zu sein:

„Ich sagte doch gestern schon: Lüftungen zusammen mit Menschen sind unser Endgegner. Was regt ihr euch auf? Fragt nach, wenn ihr was wissen wollt“

Die große Kakophonie: Hören, Nicht-Hören und das Dazwischen

Was folgte, war ein klassisches Beispiel für sensorische Überlagerung:

Ein Raum voller Stimmen, ein Echo aus Wand und Boden, ein Dröhnen von Geräten, ein Rauschen der Lüftung – ein Crescendo der Reize.

Ich hörte alles.

Ich verstand nichts.

Ich verstand sogar weniger als nichts, falls das semantisch möglich ist.

(Wiesel: „Ist es definitiv! Ich beweise es gleich mathematisch!“)

Für einen kurzen Moment stellte ich mir vor, dort zu liegen – nicht als Besucherin, sondern als Patientin.

Wie ich die Hand heben müsste, zaghaft oder vielleicht assertorisch:

„Bitte langsam. Bitte einzeln. Bitte frontal und nicht ins Nichts hinein.“

Und mein Wiesel ergänzte in Gedanken rebellisch:

„Und bitte nicht alle gleichzeitig, ihr seid ja keine Jazz-Improband im akustischen Ausnahmezustand!“

Die Wasserbüffelin nickte weise. Zen-Level: außerirdisch.

Cafeteria: Ein soziophonisches Experimentierlabor

Später zog es uns in die Cafeteria – ein Ort, der klanglich anmutet wie die Außenstelle eines Flughafenterminals, in dem sämtliche Ventilatoren an einem „Heute bitte auf maximale Dezibelzahl“-Tag teilnehmen.

Überall Lüftung.

Überall Stimmen.

Überall akustische Schauplätze, die sich gleichzeitig bemühen, in der Kategorie „Wer dröhnt am schönsten?“ zu dominieren.

Mein Wiesel war begeistert. (Meine Freude hielt sich in Grenzen)

Die Wasserbüffelin war kurz davor, eine Petition für Rückzugsräume für akustisch Vulnerable zu verfassen.

Ich überlegte kurz, ob die Toilette ein geeigneter Ort für fünf Minuten Stille wäre, verwarf den Gedanken aber mit derselben Eleganz, mit der man eine schlechte Idee in der Pubertät verwirft: nicht ohne Wehmut, aber mit klarem Verstand.

Fazit: Ein Tag voller Erkenntnisse, Reize – und Respekt, der Leberkas in der Cafeteria war ausgezeichnet, der Kaffee auch

Eines wurde mir heute in aller Deutlichkeit bewusst:

Krankenhäuser sind Wunderwerke der Menschlichkeit, aber akustisch gesehen oft feindselige Biotope.

Die Menschen, die dort arbeiten, sind großartig – engagiert, freundlich, respektvoll.

Aber die Kommunikation für Menschen mit Hörbehinderung ist eine Herausforderung,

für uns –

und für sie.

Es braucht Mut, sich bemerkbar zu machen.

Und es braucht Offenheit, uns im kommunikativen Dschungel wahrzunehmen.

Doch:

Es lohnt sich.

Immer.

Und die Moral?

0 comentários

Gostaria de ser o primeiro a escrever um comentário?
Torne-se membro de Frau_Kruemelkuchen, Diana - hört! Oder doch nicht? - e comece a conversa.
Torne-se membro