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Brandner Kasper, Boandlkramer & ein Abend voller Genuss

Eine typische Frau-Krümelkuchen-Rezension – mit Wiesel, Inhalt und ganz viel Theaterliebe

Es gibt Theaterabende, die muss man nicht vollständig verstehen, um sie vollkommen zu erleben. Dieser war so einer.

Das Wiesel saß geschniegelt neben mir, hochkonzentriert, mit gespitzten Ohren für jene Stimmfrequenzen, die mir glasklar ins Hirn purzelten – und mit nachsichtiger Gelassenheit für all jene Pointen, die mir entwischten wie freche Forellen. War bestimmt gut, murmelte es dann. Und hatte recht.

Inhaltlich beginnt alles dort, wo man es nicht erwartet: im Himmel.

Brandner Kasper und Teres sind dort seit vielen Jahrzehnten ein Ehepaar. Ewigkeit hin oder her – der Alltag hat sie eingeholt. Der Brandner vergisst prompt den 96. Hochzeitstag, was Teres mit nachvollziehbarer Entrüstung quittiert. Sie wünscht sich, diesen Tag noch einmal zu feiern. In ihrem originalen Hochzeitskleid von damals.

Kleines Problem: Das Kleid liegt auf der Erde, im Keller der Enkel.

Großes Problem: Man kommt da nicht hin.

Außer: der Boandlkramer.

Der Brandner bittet seinen alten Freund um Hilfe – und greift, als das nicht reicht, tief in die Trickkiste: Er schlägt die Gründung einer Gewerkschaft der Boandlkramer vor. Bessere Arbeitsbedingungen im Jenseits, mehr Mitspracherecht, mehr Struktur. Eine Hand wäscht die andere. Der Boandlkramer, einfältig-pragmatisch, ist begeistert.

Es kommt zum Kongress.

Briefe werden geschrieben, zwei junge Engel mit dem Verteilen beauftragt – verlieren allerdings einen Großteil davon. Am Ende reist eine kleine, herrlich disparate Runde an: ein Tod aus Baden-Württemberg, ein Sachse, die Schweiz, der Friese viel zu spät (macht aber nix), und schließlich aus Mexiko La Catrina.

Und spätestens hier war das Wiesel im Glück.

Der erste Versuch, das Kleid zu holen, scheitert natürlich – der Boandlkramer verliert es wieder. Zudem verstehen sich die Todesvertreter untereinander nur mäßig. Chaos im Himmel.

Doch dann passiert das Unerwartete: Der bayerische Boandlkramer verliebt sich ausgerechnet in La Catrina. Eine Long-Distance-Beziehung über Jenseitsgrenzen hinweg entsteht. Es ist zum Brüllen komisch. Wirklich.

Am Ende fügt sich alles:

Das Kleid taucht auf. Teres bekommt ihren Hochzeitstag. Alle sind da, hören einander zu, lachen miteinander – und im Himmel zieht etwas ein, das man dort offenbar dringend gebraucht hat: Leichtigkeit.

Akustisch?

Nicht alles kam bei mir messerscharf an. Manche Stimmen waren perfekt, andere rutschten durch mein Wahrnehmungsnetz. Aber das Entscheidende war da: Spiel, Körpersprache, Timing, Atmosphäre. Dabei sein ist alles – und das meiste kam an.

Und dann dieser Schluss.

Das ganze Theater jubelte. Das Opernhaus erhob sich wie eine Welle. Standing Ovations bis in die letzten Ränge, Applaus, Rufe, Begeisterung, ein Publikum außer Rand und Band. Mein Wiesel klatschte innerlich mit, ich äußerlich umso mehr.

Fazit:

Ein großartiger Abend.

Voller schauspielerischer Kunst, Humor, Wärme – und Genuss pur.

Theater, das nicht nur verstanden, sondern gespürt werden will. Und genau darin war es fulminant.

Bleibt's xund. Eure Frau Kruemelkuchen

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