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Zwischen Welten: Eine leise Selbstverortung

Willkommen zu einer kleinen Reise zwischen zwei Wirklichkeiten.

Oder, präziser gesagt: zu einer Identität, die sich nicht linear entfaltet, sondern in Wellen, Umwegen, Rückfragen – und gelegentlich mit einer Prise selbstironischer Verzweiflung, die erstaunlich alltagstauglich ist.

Ich bin ertaubt.

Taub. Gehörlos.

Doch nicht Taub im kulturellen Sinne, nicht Deaf im identitären Selbstverständnis jener Menschen, die von Geburt an in der visuellen Welt beheimatet sind. Meine Geschichte beginnt anders:

Ich wuchs naturhörend auf, vollständig eingebettet in die akustische Normalität, in der Klang nicht erklärt werden muss, weil er schlicht da ist.

Viele Jahre lang war das mein Zuhause.

Mein Selbstverständnis.

Meine Sprache. Mein Sein

Und doch stehe ich heute an einem Punkt, an dem sich diese Welt verändert hat – nicht radikal, aber tief.

Ich bin noch immer Teil der hörenden Gesellschaft, aber ich fühle mich dort nicht mehr uneingeschränkt zugehörig. Es ist ein bisschen, als würde man nach langer Zeit, in ein vertrautes Zimmer zurückkehren und feststellen: Die Möbel stehen noch, aber irgendjemand hat klammheimlich eine Unwucht in den Boden geschliffen. Man läuft wie früher, aber irgendetwas im Gang stimmt nicht mehr ganz.

Inmitten dieser Verschiebungen, dieser stillen inneren Brüche, geschah etwas Kostbares:

Die Gehörlosen-Community hat mich aufgenommen.

Mit einer Wärme, die ich kaum in Worte fassen kann, und mit einer Offenheit, die beinahe schon beschämt – im besten Sinne.

Ich, die Quereinsteigerin, die ihre Gebärden mit akademischem Eifer, aber motorisch Kleinkindlicher Koordination erlernt, darf nun dazu gehören

Ich bin dafür unendlich dankbar.

Dankbar für Menschen, die mir ein zweites Zuhause geschenkt haben.

Dankbar für Perspektiven, die ich nie erahnt hätte.

Dankbar für jene stille Sororisation, die entsteht, wenn Herzen sich öffnen, lange bevor die Hände flüssig gebärden.

Und so lebe ich heute in einem Zwischenraum – einer Brücke zwischen zwei Welten.

Ein Ort, der sich im Moment noch nicht zum Verweilen eignet.

Mal wacklig, mal windig, mal mit einer Aussicht, bei der man sich fragt, ob philosophische Höhenangst eigentlich ein eigenes Krankheitsbild ist.

Aber genau dort, wo Welten sich berühren, entsteht etwas Besonderes:

Ein Raum, in dem Identität sich nicht spalten muss, sondern weiterwachsen darf.

Ein Ort, an dem Zugehörigkeit nicht verloren geht, sondern andere Formen annimmt.

Ein Platz, der nicht entschieden werden muss, um wahr zu sein.

Vielleicht ist dieser Zwischenraum nicht mein Provisorium, sondern meine Heimat in Entwicklung.

Vielleicht ist er genau jener Ort, an dem ich mich neu finde.

Und vielleicht – ganz still, fast flüsternd – ist er auch mein Ja zu mir selbst.

Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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