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Haptische Erinnerungsstücke herstellen

Mit haptischen Erinnerungsstücken sind greifbare Objekte gemeint, die durch ihre Form, Oberfläche und Materialien Erinnerungen wecken können. Gerade in der Seniorenbetreuung – etwa bei Demenz oder fortgeschrittener Vergesslichkeit – bieten solche Gegenstände oft stärkere Zugänge als zweidimensionale Medien. Konfuzius’ Motto „Erzähl mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere mich. Lasse mich tun und ich verstehe“ unterstreicht: Aktives Erleben durch Berührung vertieft das Erinnern. Gegenstände, die man „begreifen“ kann, fungieren als starke Schlüssel zu vertrauten Erinnerungen. So können persönliche Andenken, Stoffstücke, Fühl-Memory-Spiele oder dekorierte Kisten helfen, Biografieinhalte sinnlich erfahrbar zu machen. In dieser Einführung klären wir, warum haptische Erinnerungsstücke wichtig sind, welche Ziele man mit ihnen verfolgt, welche Vor- und Nachteile es gibt und wie man sie praktisch herstellt und einsetzt.

Zielsetzung

Haptische Erinnerungsstücke verfolgen mehrere Ziele in der Seniorenbetreuung. Sie bieten taktil-sensorische Stimulation: Unterschiedliche Materialien (Baumwolle, Samt, Cord, Jeans, Leder, Frottee u. a.) und zusätzliche Elemente (Knöpfe, Reißverschlüsse, Bänder, Fransen, Taschen, Perlen etc.) liefern vielfältige Sinneseindrücke. Diese Reize stimulieren Wahrnehmung und Konzentration und aktivieren das Nervensystem. Viele ältere Menschen mit Demenz haben ein gesteigertes Bedürfnis nach Berührung und Fummeln („Nesteln“), da Sehen und Verstehen abnehmen – eine gut gestaltete Fühldecke oder ein Fühlkissen befriedigt dieses Bedürfnis auf positive Weise.

Zudem gibt eine Nesteldecke oder ein ähnliches Objekt den Händen sinnvolle Beschäftigung. Das Herumfummeln, Knöpfen, Reißverschlüsse öffnen oder verschiedene Oberflächen erfühlen wirkt wie motorische Beschäftigungstherapie. Diese Beschäftigung fördert feinmotorische Fähigkeiten und kann alltägliche Handgriffe (z. B. An- und Ausziehen von Knöpfen, Öffnen von Verschlüssen) spielerisch üben. Gleichzeitig lenkt sie unruhige Finger ab: Viele Menschen mit Demenz neigen zu wiederholten, nervösen Bewegungen oder zum Zupfen an Kleidung. Die Decke kanalisiert diesen natürlichen Nesteltrieb, gibt haptisches Feedback und wirkt dadurch beruhigend. Pflegekräfte berichten, dass Aggressionen, Angstgefühle und Nervosität nachlassen, wenn sich die Betroffenen mit der Decke beschäftigen.

Die bunten Farben und ansprechenden Muster einer Fühldecke oder eines Gegenstands wecken außerdem Neugier und Aktivität. Sie können die Aufmerksamkeit anregen, Stimmungen aufhellen und als Gesprächsanlass dienen. Über Fotos, Symbole oder persönliche Stoffmotive lässt sich zusätzlich Biografiearbeit einbauen: Vertraute Bilder in Taschen einer Decke etwa wecken Erinnerungen an frühere Zeiten. So wird die Decke zur emotionalen Brücke in die Vergangenheit. Schließlich verschafft eine solche Beschäftigungspause auch den Betreuungs­kräften kurze Entlastung – sofern die Person selbstständig mit dem Objekt umgeht – und stärkt das Selbstwertgefühl, weil der Betroffene merkt „Ich kann noch etwas tun“.

Zusammengefasst fördern haptische Erinnerungsobjekte Sensorik, Motorik und Kommunikation. Sie verbinden aktivierende Elemente mit beruhigender Wirkung. Wichtig ist dabei, das Angebot an die Fähigkeiten und Vorlieben der betreuten Personen anzupassen: So kann ein einfaches Stoffstück für stark einschränkte Personen genauso Sinn machen wie ein komplex gestaltetes Fühlkissen für mobilere Seniorinnen und Senioren.

Vor- und Nachteile

Vorteile: Haptische Erinnerungsstücke beruhigen oft Unruhe und Stress: Durch die ablenkende Beschäftigung verlagern sich ängstliche Gedanken auf das Objekt, sodass Aggressionen und Angst abklingen können. Sie fördern Feinmotorik und Selbstbeschäftigung: Durch Knoten, Knöpfen und Greifen bleiben die Hände beschäftigt, was gerade in späten Demenzstadien als sinnvolle Tätigkeit erlebt wird. Auch die Sinnesstimulation ist ein klarer Vorteil: Unterschiedliche Oberflächen stimulieren den Tastsinn und visuelle Kontraste halten das Interesse aufrecht. Personalisierbare Elemente mit biografischem Bezug steigern den emotionalen Wert: Vertraute Motive in der Tasche liefern Gesprächsthemen und verankern die Decke als bedeutsames Erinnerungsstück. Praktisch ist, dass viele Objekte dieser Art selbst gefertigt oder kostengünstig angeschafft werden können. Pflegeheime, Angehörige und Ehrenamtliche sammeln oft bunte Stoffreste und Utensilien für solche Projekte, und Rückmeldungen von Einrichtungen sind durchweg positiv. Insgesamt lassen sich mit vergleichsweise geringem Aufwand große Effekte auf Stimmung und Wohlbefinden erzielen.

Nachteile und Risiken: Trotz ihrer vielen Vorteile bringen haptische Erinnerungsstücke einige Herausforderungen mit sich. Hygiene ist ein wichtiger Faktor: Da die Decken oder Kissen regelmäßig mit Händen berührt werden, müssen alle Materialien waschbar sein. Starke Verschmutzungen oder Speichelspuren müssen entfernt werden, ohne die Textilien zu beschädigen. Auch Sicherheitsaspekte dürfen nicht vernachlässigt werden: Scharfe Kanten, lockere Perlen oder verschluckbare Kleinteile sind tabu. Reißverschlüsse, Schnallen und Knöpfe müssen stabil vernäht sein oder ganz weggelassen werden, damit niemand sich verletzt oder etwas verschluckt. Das bedeutet einen erhöhten Herstellungsaufwand und ständige Kontrolle.

Manchmal kann auch eine Reizüberflutung auftreten: Ein zu bunter, blinkender oder laut klappernder Gegenstand kann überfordern statt beruhigen. Erfahrene Gestalter empfehlen daher, die Gestaltung bewusst dosiert zu halten und auf übermäßige Reize zu verzichten. Außerdem ist nicht jeder Senior gleich empfindlich oder interessiert: Einige zeigen von sich aus wenig Interesse am Hantieren mit der Decke. Hier gilt es sensibel zu beobachten und nichts aufzuzwingen – manchen Personen ist es lieber, die Decke nur als Wärme- oder Kuscheldecke zu nutzen.

Zuletzt ist zu bedenken, dass Erinnerungsarbeit auch unangenehme Gefühle auslösen kann. Studien legen nahe, dass intensive Emotionen auch ohne klare Erinnerungsspur lange nachwirken – etwa bleibt Traurigkeit manchmal bestehen, selbst wenn die zugehörige Erinnerung verblasst. Das heißt: Das Wecken von Erinnerungen kann positive Stimmung fördern, aber bei manchen Personen auch Traurigkeit oder Bedauern hervorrufen. Betreuungspersonal sollte deshalb einfühlsam reagieren und die emotionale Reaktion begleiten.

Insgesamt überwiegen jedoch meist die Chancen, wenn Materialien sorgfältig gewählt und das Angebot individuell angepasst wird. Die Risiken lassen sich durch passende Auswahl der Bestandteile und eine behutsame Einführung minimieren.

Materialien

Für haptische Erinnerungsstücke kommen zwei Hauptmaterialienklassen in Frage:

  • Textilien und Weichmaterialien: Bunte Stoffreste, Samt, Frottee, Filz oder Cord eignen sich hervorragend für Decken, Kissen oder Textilbücher. Auch Wolle (etwa in Form von Bommeln oder Zöpfen) und weiche Stoffbänder bieten unterschiedliche Oberflächen. Durch das Einnähen von Federn, Plüschstücken, Spitzen oder kleinen Taschen aus Stoff wird die Decke besonders interessant. Solche Textilien sind gut formbar und waschbar. Wie ein Fachartikel berichtet, sind Bastelarbeiten mit Material wie Wolle und Schwämmen (aber auch Ton und Pfeifenreinigern) häufige Beispiele in der Seniorenarbeit.

  • Ton und natürliche Werkstoffe: Für kleinere Erinnerungsobjekte eignen sich Modelliermasse (z.B. lufttrocknender Ton) oder Naturmaterialien wie Holz und Stein. Man kann etwa Erinnerungsschilder aus Ton formen und gravieren oder Holzscheiben einritzen. Auch Schätze wie gepresste Blätter, Muscheln oder glatte Kiesel können in einem Abdruck verewigt werden. Ton erlaubt, plastische Symbole (z.B. das Hobbyauto oder ein Haustier) zu gestalten. Diese harten Materialien bieten eine andere Haptik: Ihr Gewicht und ihre feste Oberfläche sprechen das Berührungsempfinden aktiv an.

Je nach Projekt können auch Alltagsgegenstände verwendet werden, die bereits Erinnerungswert haben (z.B. alte Schlüssel, Schmuckstücke, Parfümfläschchen). Wichtig ist stets, dass alle Bestandteile für die betreute Person ungefährlich sind (nicht splittern, nicht giftig) und sich gut reinigen lassen. In Einrichtungskontexten empfiehlt es sich, Textilien bei 30–40 °C zu waschen und auf pflegeleichte Stoffe zu setzen.

Beispielprojekte mit Schritt-für-Schritt-Anleitung

Im Folgenden stellen wir verschiedene Beispielprojekte vor, die sich in der Praxis bewährt haben. Wichtig: Die folgenden Anleitungen sind als Vorschläge zu verstehen. Materialien und Gestaltung können Sie flexibel an die Interessen und Fähigkeiten der Seniorinnen und Senioren anpassen. Achten Sie stets auf Sicherheit (keine losen Kleinteile, keine spitzen Gegenstände) und auf Biografiebezug (Lieblingsfarben, Hobbythemen etc.). So entsteht eine individuelle Version, die für alle Zielgruppen – von aktiven Senioren bis zu hochgradig eingeschränkten Menschen – genutzt werden kann.

Nesteldecke (Patchwork-Fühldecke)

  1. Stoffauswahl: Wählen Sie verschiedene Stoffreste in Lieblingsfarben der Person aus (z.B. maritimes Motiv für einen Ostsee-Fan). Ideal sind Mix aus glatten und rauen Texturen (Baumwolle, Samt, Cord, Jeans, Frottee, Leder usw.). Schneiden Sie sie in Quadrate (z.B. etwa 20×20 cm, aber verschieden groß geht auch). Sie benötigen insgesamt mindestens 12 solche Quadrate, je nach Decken-Größe.

  2. Patchwork-Oberseite zusammennähen: Legen Sie die Quadrate in Reihen (z.B. 4×3) aneinander. Nähen Sie die Quadrate entlang der Kanten zusammen, sodass ein Rechteck entsteht. Achten Sie darauf, Lagen mit weichem Vlies (Füllmaterial) zu verstärken, damit die Decke etwas Volumen und Griff bekommt. Alternativ können Sie auch ein durchgehendes Futter (z.B. Fleece oder Teddyplüsch) in Decken-Größe zuschneiden.

  3. Fühlelemente anbringen: Nähen Sie nun auf der Vorderseite der einzelnen Stoffstücke verschiedene greifbare Elemente fest. Das können Knöpfe, Reißverschlüsse oder kleine Taschen sein. Festsitzende Bänder, Spitzenborten, Schnallen und kleine Topflappen erweitern die Haptik. Hübsche Stoff-Blümchen oder kleine Plüschfiguren erhöhen die Abwechslung. Achten Sie dabei darauf, dass alles gut vernäht und waschbar ist. Lassen Sie keine Fäden lose.

  4. Rückseite annähen: Legen Sie die fertig bearbeitete Vorderseite rechts auf rechts auf ein großes Stück Stoff für die Rückseite (z.B. weicher Baumwollstoff oder Fleece). Nähen Sie alle drei offenen Seiten zusammen, lassen Sie eine Wendeöffnung (ca. 10–15 cm) frei. Kehren Sie die Decke durch die Öffnung auf die rechte Seite. Danach schließen Sie die Wendeöffnung, z. B. per Matratzenstich oder einer dekorativen Naht.

  5. Ränder fixieren (optional): Zum besseren Halt können Sie rundherum mit einem Zickzack-Stich oder Zierstich absteppen. Auch in die vorderen Ecken lassen sich zusätzliche Fäden durchziehen und verknoten, damit herunterhängende Stücke entstehen, an denen herumgezogen werden kann.

  6. Übergabe und Einsatz: Legen Sie die Nesteldecke auf den Schoß der betreuten Person oder auf das Bett. Zeigen Sie beim ersten Mal, welche Elemente Sie angebracht haben. Oft legt sich die Person von allein hin und beginnt zu fummeln. Die Decke lässt sich stundenlang erkunden – das Beschäftigen wirkt beruhigend und weckt Interesse.

Nestelmuff (Beschäftigungs-Schlauch)

Der Nestelmuff ist ein warmes, schmales Fühlkissen, das sich wie ein Handschuh oder ein breiter Ärmelsaum um die Hände legen lässt. Er eignet sich besonders für Personen, deren Hände frieren oder die in einem Rollstuhl zusätzlichen Halt haben. Vorteil: Im Gegensatz zur großen Decke ist der Muff handlicher und wärmt die Hände direkt.

  1. Zuschneiden: Schneiden Sie aus Baumwollstoff 12 Quadrate zu je 12×12 cm. Das ergibt nach Zusammennähen ein Rechteck von etwa 34×45 cm (4×3 Quadrate). Alternativ können Sie direkt ein Rechteck von 34×45 cm und für das Innenfutter 46×45 cm wählen.

  2. Patchwork-Oberteil erstellen: Nähen Sie die 12 Quadrate wie bei der Decke zu einem Rechteck. Unterlegen Sie den Stoff wieder mit einer Lage Vlies oder Volumenvlies (z. B. H 630), damit die Oberfläche griffiger wird. Sie können schon jetzt kleine Elemente (Knöpfe, Bänder, Perlen) auf einige Quadrate heften und festnähen.

  3. Futterstoff vorbereiten: Legen Sie das gefütterte Rechteck auf das warme Futter (z.B. Teddyplüsch oder dickes Fleece) von ca. 46×45 cm. Dabei bleiben an den langen Kanten jeweils ca. 6 cm Futter überstehen, die später außen sichtbar sein werden.

  4. Zusammennähen und Wenden: Legen Sie Ober- und Unterteil rechts auf rechts und nähen die langen Kanten zusammen (Doppelnähte verriegeln!). Anschließend nähen Sie die kurzen Kanten zusammen, sodass ein Ring entsteht. Lassen Sie eine Wendeöffnung von ca. 15 cm. Wenden Sie das Ganze auf rechts – nun liegt der Teddystoff außen. Schließen Sie die Öffnung mit einem Matratzenstich oder Absteppen.

  5. Dekoration und Bänder: Steppen Sie entlang der Nähte ab, um dem Muff Stabilität zu geben. An den Enden oder seitlich können Sie (wie ein Ärmel) Schnüre oder Bänder anbringen, damit man den Muff um die Taille oder über die Unterarme binden kann (Vermeidung von Schlaufen am Hals aus Sicherheitsgründen). Binden Sie ausreichend lang, damit er auch an den Rollstuhl-Armlehnen befestigt werden kann, falls nötig.

  6. Fühlen und Wärmen: Die betreute Person kann nun die Hände in den Muff stecken. Die Hände werden gewärmt, während sie an Bändern zupfen oder Applikationen ertasten. Dieser „multifunktionale“ Muff kann auch unterwegs beim Spaziergang den Händen Halt geben.

Erinnerungskiste (Memory-Box)

Eine Kiste oder ein Koffer als persönliche Erinnerungssammlung ist ein einfaches und effektives Projekt. Folgen Sie diesen Schritten:

  1. Auswahl der Box: Wählen Sie eine stabile Kiste, Schachtel oder einen kleinen Koffer. Ideal ist ein luftiger Karton oder eine Holzkiste. Überlegen Sie gemeinsam mit der betreuten Person: Welche Form oder Farbe gefällt ihr? Oft können Bewohnerinnen und Bewohner ihre eigene Erinnerungsbox selbst dekorieren (mit Bildern, Stickern oder indem sie sie anmalen).

  2. Befüllen – persönliche Schätze: Füllen Sie die Kiste mit Gegenständen, die liebgewonnene Erinnerungen auslösen. Zum Beispiel eignen sich (je nach Biografie) Fotos (aus Kindheit, Hochzeit, letzten 5 Jahren), alte Schallplatten oder CDs der Lieblingsmusik, Zeitungsausschnitte zu wichtigen Ereignissen, ein wichtiger Schlüssel, Lieblingskleidung, Parfüm oder andere vertraute Geruchsträger. Auch Briefe, Postkarten, ein Stück vom Hochzeitskleid oder der erste Kaffeelöffel können eine Rolle spielen. Je mehr Sinne angesprochen werden, desto effektiver ist die Box.

  3. Multisensorik nutzen: Neben Sichtbarem können auch Gerüche und Gegenstände hinein: ein Fächer mit Lieblingsparfüm, eine geruchsintensive Gewürzdose oder ein Schmuckstück (Kette, Taschenuhr) machen die Erinnerung greifbar. Wichtig ist, das Öffnen der Box täglich einzuplanen – schon wenige Minuten Beschäftigung damit können den Tag bereichern. Die Kiste kann als Teil des Erinnerungs- oder Tagesprogramms dienen.

  4. Regelmäßige Nutzung: Schaffen Sie feste Rituale: Lassen Sie die Seniorin/den Senioren einmal am Tag oder in der Erinnerungstherapie gemeinsam mit einer Betreuungskraft die Box öffnen und die Inhalte betrachten. Das fördert Sprache und Erinnern. Neue Gegenstände (Geschenke von Angehörigen) können nach und nach hinzugefügt werden. Achten Sie darauf, dass die Kiste nicht überfüllt wird – oft reichen schon 3 Dinge auf einmal, um ein Gespräch anzustoßen.

  5. Gespräche anregen: Nutzen Sie die Box als Gesprächsanlass. Fragen Sie nach Geschichten zu den einzelnen Gegenständen. Dabei können Sie aktiv zuhören und mit Ergänzungen helfen („Erzählen Sie doch mal, woher dieser Filmzettel stammt“). Oft tauchen dadurch auch unerwartet positive Gefühle auf: Schon das Gefühl, die Kiste zu besitzen, kann Freude bereiten.

Fühlbox (Tastbox)

Eine Fühlbox ist eine einfache Aktivität, bei der verschiedene Materialien in eine Kiste gefüllt werden, die nur durch ein Loch ertastet werden können. Sie funktioniert wie ein Memory-Spiel für den Tastsinn:

  1. Bau der Box: Nehmen Sie einen stabilen Karton (z.B. Schuhkarton) mit Deckel. Schneiden Sie in eine lange Seite ein rundes oder ovales Loch, groß genug, dass die Hand hineingreifen kann. Wählen Sie keine scharfen Kanten (Karton ist ideal).

  2. Loch abdecken: Überkleben Sie das Loch innen mit einem Stoff oder Moltontuch, damit niemand hineinsehen kann. Befestigen Sie das Tuch mit Tacker oder stabilem Klebeband. So bleibt der Inhalt verborgen.

  3. Verschönerung (optional): Dekorieren Sie die Außenseite nach Belieben – bekleben oder bemalen Sie die Box mit Mustern, damit sie ansprechend aussieht. Sie können etwa bunte Punkte oder Symbole malen, die auf den Inhalt hinweisen („Sand, Stein, Wasser“ etc.).

  4. Befüllen: Füllen Sie die Kiste mit einer Vielfalt an Gegenständen und Materialien, die taktil interessant sind. Beispiele sind: Korken, Linsen, kleine Steine, Federn, Schaumstoffstücke, Watte, Seidenpapier, Knöpfe, Holzperlen, Spannfolien oder Mini-Kuscheltiere. Wichtig ist, dass nichts scharfkantig ist. Je unterschiedlicher die Texturen, umso spannender ist das Fühlen.

  5. Tasten lassen: Die betreute Person steckt die Hand durch das Loch in die Box und versucht zu erfühlen, was drin ist. Nach etwa einer Minute oder einem Versuch lässt die Betreuungskraft die Person das Objekt aus der Box holen oder enträtseln. Man kann das Ganze als „Fühlmemory“ gestalten, indem man Paaren aus identischen Fühlenpäckchen erstellt (z. B. Schraube + passende Mutter, Muschel + zweite Muschel, Stoffkrausel + zweite Stoffkrausel) und jeweils zwei davon in getrennte Boxen steckt. Der Spieler muss dann jeweils das passende Gegenstück ertasten. Solche Spiele üben die taktile Wahrnehmung und das Gedächtnis.

Fühlmemory-Spiel

Ein Fühlmemory-Spiel lässt sich leicht selbermachen: Nähen Sie zum Beispiel 12 kleine Stoffbeutel (jeweils Paare in identischer Gestaltung). Füllen Sie die Beutel paarweise mit festen Gegenständen (z. B. eine Schraube und Mutter, eine kleine Muschel, Knöpfe, Kastanien). Schließen Sie die Beutel luftdicht. Verstecken Sie sie unter einem Tuch oder in einem Sack. Die Spieler fühlen nacheinander in die Beutel und suchen das jeweils zweite passende Päckchen zum ertasteten Inhalt. Dieses Spiel fördert taktile Unterscheidungsfähigkeit und Erinnerung. Eine andere Variante: Befüllen Sie 12 Deckel (Glas- oder Plastik) mit unterschiedlichen Stoffstücken – das Paar besteht aus zwei gleichen Stoffen. Auch hier müssen Paare ertastet werden.

Umsetzung in der Praxis

Haptische Erinnerungsstücke lassen sich gut in den Alltag von Altenheim und Pflegestation integrieren. Vorbereitung: Oft können Angehörige und Betreuer die Materialien zusammen mit den Senioren sammeln (Fotoalben, Stoffreste, Bastelmaterial). Kreativgruppen oder Nähkreise in der Gemeinde stellen gerne Nesteldecken oder Fühlkissen her. Viele Seniorenheime bieten Bastelstunden an, in denen Bewohner mithelfen können.

Regelmäßige Angebote: Planen Sie feste Zeiten ein – etwa während der Tagesbetreuung oder in Einzelstunden. Eine Nesteldecke kann jederzeit griffbereit auf dem Sessel liegen oder für den Nachmittag geplant werden. Eine Erinnerungskiste lässt sich täglich beim Geburtstagskaffee öffnen und durchforsten. Diese Routine schafft Struktur und Vorfreude. Beobachten Sie die Reaktion der Person genau und passen Sie das Tempo an. Beginnen Sie lieber mit wenigen Gegenständen, wenn die Person überfordert erscheint.

Anpassung an Fähigkeiten: Bei hochbetagten oder bewegungseingeschränkten Menschen kann man haptische Elemente auch mobil einsetzen – z. B. ein Nestelkissen mit Trageschlaufen, eine Rückseite mit Schlaufen, die an den Rollstuhl befestigt wird, oder ein Nestelmuff für unterwegs. Achten Sie darauf, dass die Person dem Gegenstand ausreichend Bewegung geben kann (z. B. Hände durch Strümpfe gleiten lassen). Gruppennutzung ist möglich, wenn mehrere Kisten oder Decken vorhanden sind – so können mehrere Personen gleichzeitig aktivieren.

Dokumentation und Reflexion: Halten Sie fest, welche Materialien besonders gut ankamen. Notieren Sie, zu welchen Themen die Person öfter gesprochen hat (z.B. „Der Autoknopf rief immer die Erinnerung an den VW-Käfer wach“). Solches Feedback hilft, zukünftige Projekte persönlicher zu gestalten. Teilen Sie Erfolgserlebnisse im Team, um weitere Ideen zu entwickeln.

Pflege und Austausch: Reinigen und reparieren Sie die Objekte regelmäßig (kontrollieren Sie lockere Nähte oder Flecken). Tauschen Sie Elemente aus, wenn das Interesse nachlässt. Neue Stoffe oder Fotos von aktuelleren Ereignissen (letzte Reisen, Erlebnisse) können eingearbeitet werden, um die Sammlung lebendig zu halten.

In der Praxis stellt sich heraus: Haptische Erinnerungsstücke bereichern den Betreuungsalltag durch eine kreative, anschauliche Form der Erinnerungsarbeit. Sie geben älteren Menschen das Gefühl, aktiv etwas zu tun und weiterhin Teil einer Geschichte zu sein. Betreuungskräfte gewinnen durch gut geplante Einsätze dieser Objekte oft kurze Pausen und das wertvolle Gefühl, den Betreuten etwas Gutes zu tun. Letztlich gilt: „Je individueller ein Erinnerungsstück ist, desto mehr schöpfen Betroffene daraus Nutzen“.

Tópico Kreative Beschäftigungen

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