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Tanzen auf Teneriffa

Ein kleiner Einblick in Urlaub mit Teenagern und wie Human Design helfen kann, unterschiedliche Bedürfnisse zu akzeptieren.

Mein erster Tipp beim Urlaub mit Teenagern ist der, sie in die Urlaubsplanung einzubeziehen. Wenn die Kinder klein sind, kommen sie ja einfach mit, doch wenn das Alter in den zweistelligen Bereich wandert, beginnt die Phase, in der die Lust, Zeit mit den Eltern oder Bonuseltern zu verbringen sich eher nach unten bewegt, die eigenen Ideen aber zunehmen und der Wunsch nach Mitbestimmung steigt.

Da ich unglaublich gern Unterkünfte heraussuche und Reisen plane, ist es meist an mir, für den Sommerurlaub zu recherchieren und bevor ich das tue, hole ich mir in der Regel ein Stimmungsbild ein: Wer hat worauf Lust, wem wäre was im Urlaub wichtig. Dafür kann man auch super das Inselspiel (Si apre in una nuova finestra) machen, meist reichen bei uns aber ein paar kleine Fragen.

So richtig Sommer erleben

In den vergangenen Jahren waren wir häufig an der Ostsee, wo das Wetter ja auch gern mal durchwachsen ist und zuletzt habe ich häufiger den Wunsch gehört, so richtig Sommer zu erleben. Da es mir und David ähnlich ging, passte das gut zusammen. Emma (16) interessiert sich sehr für Spanien, seit sie mit einem gebürtigen Spanier zusammen ist und Hannah (13) liebt wie ich das Baden im Pool.

Emmas Freund ist häufig auf Teneriffa und hat dort Familie und ich wollte dort schon seit Jahren hin. Teneriffa kam als Idee gut an, ich suchte also nach einer Unterkunft mit einem Pool, damit wir unabhängig von der Strandsituation immer die Möglichkeit hätten zu baden. Fotos von der Unterkunft und auch die Flugdaten haben wir mit den Mädels abgesprochen, so dass Erwartungshaltungen gesetzt waren und beide rechtzeitig planen konnten, wann sie sich noch Berlin mit Freunden treffen.

Eine bremsen, eine motivieren

Viele Eltern erzählen mir, dass sie die Kinder überraschen wollen und wenn die Unterkunft dann nicht so aussieht wie auf den Bildern und die Kids enttäuscht sind, haben die Eltern das Gefühl, gute Stimmung machen oder sich rechtfertigen zu müssen. Ich nehme die Mädels gern mit auf die Recherche-Reise. Wenn wir etwas alle schön finden, sage ich: Na hoffen wir mal, dass es auch in echt so schön aussieht und wenn dem nicht so ist, haben wir uns gemeinsam dafür entschieden und stehen sozusagen auf derselben Seite. Das nimmt viel Druck.

 Wir hatten aber Glück oder ich bin einfach gut im Recherchieren ; ) Die Unterkunft war top und nun hatten wir nur noch das Problem, dass Emma am liebsten jeden Zipfel der Insel erforschen und Hannah am liebsten jeden Tag zu Hause bleiben wollte. David und ich rangierten in der Mitte und mussten abwechselnd eine Teenagerin bremsen und die andere motivieren, mitzukommen.

Ist ja auch gar nicht so leicht, aus dem Badereifen auszusteigen, wenn es so schön ist. Foto: David Schulz

Was ist eine Phase und was ist Design?

In solchen Momenten kann es schnell Streit geben, weil zum Beispiel eine als desinteressierte Stubenhockerin bezeichnet wird und die andere als nervige Antreiberin – das gibt es übrigens genauso beim Urlaub unter Erwachsenen, haben sicher alle schonmal erlebt. Mir hilft es in solchen Momenten, auf das Human Design Chart zu schauen, um andere nicht zu verurteilen und herauszufinden, was hinter einem Wunsch oder eine Motivation stecken könnte. Ich erzähle euch das mal beispielhaft:

 Hannah hat eine Anlage, die sich „indirektes Licht“ nennt. Für sie ist es schneller unangenehm, direktem Sonnenlicht ausgesetzt zu sein als für andere Menschen. Daher ist es immer gut zu wissen, wo wir Schatten finden, wenn wir im Sommer gemeinsam unterwegs sind. In der Unterkunft war das leicht, daher fühlte sie sich dort sehr wohl. Ein Tag an einem Strand, an dem Schatten nicht so leicht zu generieren ist, wäre für sie weniger angenehm. Außerdem hat Hannah noch eine Anlage, die damit zu tun hat, ganz spezielle Interessen zu haben, in denen sie aufgeht. Es tut ihr gut, wenn sie diesen Dingen regelmäßig nachgehen kann, unabhängig davon, ob wir gerade alle im Familienurlaub sind oder nicht. In ihrem Fall ist es das Tanzen. Außerdem ist Hannah sehr stabil in dem, was sie möchte und dem, was nicht. Das heißt, wenn sie ein deutliches Gefühl dafür hat, dass sie irgendwo nicht mit hinkommen möchte, ändert sich das in der Regel nicht in fünf Minuten und auch nicht zwei Stunden später.

Wer kommt mit zum Strand?

 Emma ist eine andere Person mit einem anderen Design. Sie liebt neue Erfahrungen. Neue Erfahrungen tun ihr gut, egal ob sie positiv oder negativ sind. Sie hat einen Hunger danach etwas zu erleben und sie probiert gern Neues aus. Ihre Motivation ist etwas variabler angelegt als die von Hannah, das heißt, wenn sie am Frühstückstisch erzählt, dass sie etwas unbedingt machen möchte, kann das eine Stunde später ein bisschen anders aussehen, auch kann es sein, dass sie sich auch noch für eine andere Idee begeistern kann. Außerdem darf man nicht vergessen, dass Emma durch ihren Freund einen viel größeren Bezug zur Insel Teneriffa hatte als Hannah.

Nun hatten wir an unserem vorletzten Urlaubstag die Situation, dass Emma gern nochmal an den einen Strand fahren wollte, an dem wir am dritten Tag waren und Hannah am liebsten im Appartement bleiben wollte. Ich konnte mir auch einen Ausflug vorstellen, ich habe allerdings so eine Anlage, dass Dinge immer besonders ästhetisch sein müssen und der Strand von Tag drei hatte mir nicht so gut gefallen. Ich hatte einen anderen Strand im Blick, der eine Stunde Autofahrt entfernt, im Süden der Insel gelegen war. David konnte sich das auch vorstellen, allerdings machte ihm der Gedanke, Hannah länger allein zu Hause zu lassen Bauchschmerzen, weil er nicht sicher war, warum sie nicht mitwollte, ihm besonders wichtig ist, dass alle zusammen sind, und weil er sich sorgte, dass Hannah sich allein gruseln würde.

Vier strahlende Gesichter

 Alle Bedürfnisse können wir nicht zusammenbringen, dachten wir. Dann klappte es aber doch, denn wir fragten Hannah einfach nochmal, wie es für sie wäre, wenn wir tatsächlich fünf Stunden allein wäre und sie gab uns deutlich zu verstehen, dass das kein Problem wäre. Sie wurde sogar richtig aufgeregt, suchte ihre Playlisten heraus und wir dachten uns schon, dass sie es vielleicht genießen könnte, frei tanzen zu können. Emma war auch für den anderen Strand offen, David war beruhigter, weil Hannah nicht so wirkte, als würde sie die ganze Zeit am Smartphone oder vor dem TV hängen und auch nicht so, als würde sie ihre Entscheidung später bereuen und ich freute mich, dass wir den schönen Strand ausprobierten, der am Ende übrigens wirklich magisch war und den ich nur empfehlen kann (Playa del Duque).

Playa del Duque im Süden Teneriffas. Foto: David Schulz

 Emma verwandelte sich in den türkisenen Wellen in ein glücklich quietschendes kleines Mädchen, wir spielten sogar ein bisschen Beachvolleyball und genossen unser Abenteuer. Als wir zurückkehrten, trafen wir auf eine strahlende Hannah, die über Stunden in ihrer Leidenschaft aufgegangen war, alle Tänze ihrer Lieblingsband BlackPink vor dem Spiegel durchgetanzt hatte und so entspannt war, dass auch Papa David erleichtert lächelte.

Back to Reality

Ich denke, allen, die das hier lesen ist klar: Das klappt nicht immer so, haha, aber ich erzähle es euch, weil mir der Blick auf das Design immer wieder dabei hilft, eine Person nicht vorschnell zu verurteilen für das, was sie will oder was sie nicht will. Es hilft, herauszufinden, warum jemandem etwas wichtig ist und warum etwas, das für mich eventuell nicht so schlimm ist für eine andere Person eventuell unangenehmer ist. Um in diese Thematik tiefer einzutauchen, schaut gern mal in meinen Text: „Den Schmerz der anderen begreifen (Si apre in una nuova finestra)“ und wenn ihr mehr über Human Design lesen wollt, das habe ich in diesem Text zusammengefasst (Si apre in una nuova finestra).

Argomento everyday stories.

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