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Pflege neu denken - mein Blick über den Tellerrand

Pflege ist nicht gleich Pflege. Der Pflegeberuf ist vielseitig – mit vielen Disziplinen und noch mehr Möglichkeiten, sich fortzubilden und weiterzuentwickeln.

Oft habe ich mich gefragt, ob es die richtige Wahl war. Meine Berufswahl fiel in eine Zeit, in der ich jung und leicht zu beeinflussen war. Ich rutschte da so rein. Ein Freiwilliges Soziales Jahr, eine Ausbildung zur Altenpflegerin, ein Bachelor-Studium in Pflegemanagement. Ein roter Faden, der sich durch mein Berufsleben zieht: Pflegefachkraft, Wohnbereichsleitung, Qualitätsbeauftragte, Pflegedienstleitung, Pflegeberaterin.

Vor drei Jahren hat sich etwas verändert. Der Faden ist geblieben, aber er ist jetzt bunt.

Denn vor drei Jahren haben mein Mann und ich entschieden, unsere Wohnung aufzulösen und im Wohnmobil zu leben und zu arbeiten. Damit war klar: die klassische Arbeit in einem Pflegeheim oder Pflegedienst ist keine Option mehr.

Eine Teilzeitstelle bei Urlaub & Pflege e. V. erleichterte den Einstieg ins flexible Arbeiten. Als Ergänzung wurde ich auf die Tätigkeit als Persönliche Assistenz für Menschen mit Behinderung aufmerksam. Doch das ließ sich damals nicht vereinbaren. Assistenzteams arbeiten mit festen monatlichen Diensten an einem Ort. Zu unflexibel für unser Leben auf Rädern.

Drei Jahre später - Januar 2026

Ich scrolle durch Facebook und bleibe an einem Beitrag von Laura hängen. Laura (Si apre in una nuova finestra)hat Zerebralparese. Sie kann die Muskeln in ihrem Körper größtenteils nicht bewusst steuern. Spastische Lähmungen und unkontrollierte Bewegungen führen dazu, dass sie in allen Lebensbereichen Unterstützung benötigt. Sprechen kann sie nicht, aber sie kommuniziert über einen Sprachcomputer (Talker), den sie mit den Augen steuert.

Laura sucht eine Persönliche Assistenz, die sie bei sechs Weiterbildungsblöcken von je drei bis vier Tagen begleitet. Die perfekte Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln und zu sehen, ob mir das gefällt. Ich zögere nicht und schreibe ihr. Wir vereinbaren ein Kennenlernen Anfang Februar.

Laura ist eine fröhliche junge Frau mit klaren Zielen. Mit dem Abschluss ihrer Weiterbildung zur Fachberaterin für Unterstützte Kommunikation ist ihr eine Teilzeitstelle in diesem Bereich sicher. Das Jobcenter macht es ihr nicht leicht. Die Kostenübernahme wurde abgelehnt. Aber das schreckt uns nicht ab. Pflege und Betreuung können über die Pflegekasse abgerechnet werden. Die Seminarkosten für den ersten Block übernimmt die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation. (Si apre in una nuova finestra)

Eine junge Frau mit Behinderung lacht in die Kamera. Sie sitzt in einem Elektrorollstuhl mit Sprachcomputer. Auf ihrem Schoss ist der Ordner einer Weiterbildung zur Fachberaterin für Unterstützte Kommunikation.
Mitte März geht es los.

Ich fahre mit dem Zug nach Karlsruhe, wo Laura mit ihrer Familie wohnt. Gemeinsam fahren wir mit dem rollstuhlgerechten PKW ihrer Eltern nach Gescher (NRW), wo die Weiterbildung stattfindet.

Am ersten Abend muss ich meine Routine noch finden. Die Handgriffe – besonders beim Transfer in den Rollstuhl – sitzen noch nicht. Aber Laura ist geduldig. Sie erklärt mir, was zu tun ist. Dank des Talkers ist das alles kein Problem.

Nicht nur in der Begleitung von Laura erweitere ich meinen Horizont, sondern auch durch die Weiterbildung selbst, die ich gemeinsam mit ihr besuche. Die anderen Teilnehmenden kommen alle aus Einrichtungen der Behindertenhilfe. Ich lerne: Unterstützte Kommunikation ist unglaublich vielfältig und beginnt sehr niedrigschwellig. Ihr Ziel ist es, Menschen, die nicht sprechen können, dabei zu helfen, sich mitzuteilen und selbstbestimmt zu leben.

Bei Menschen mit schwersten kognitiven Einschränkungen wird beispielsweise basale Stimulation genutzt – etwa durch bestimmte Düfte, die immer die gleiche Handlung ankündigen und so den Tag strukturieren. Je mehr kognitive Fähigkeiten jemand mitbringt, desto mehr Möglichkeiten eröffnen sich: Symbole, Objekte, Gebärden, Ich-Bücher oder technische Hilfsmittel wie Sprechtasten und Talker.

In diesem ersten Seminarblock habe ich wirklich über den Tellerrand geblickt. In meinem Teller stecken über 15 Jahre Berufserfahrung in der Altenpflege und Pflegeberatung. 15 Jahre, in denen ich eine Routine entwickelt habe, die gedanklich wenig Spielraum für Neues lässt.

Die Persönliche Assistenz bei Laura zeigt mir, wie gut es tut, das gewohnte Umfeld zu verlassen und neue Erfahrungen zu machen.

Ich freue mich auf die kommenden fünf Weiterbildungsblöcke und auf alles, was ich daraus mitnehmen werde.

Meine Empfehlung: Traut euch über den eigenen Tellerrand zu schauen. Es lohnt sich!
Ein Selfie von 2 Personen, die in die Kamera lachen. Eine Frau mit roter Jacke hält die Kamera. Die zweite jüngere Frau hat eine Behinderung und sitzt in einem Elektrorollstuhl.

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