Bericht einer Recherchereise
Frankfurt am Main ist dieses Jahr neu bei uns im Programm. Unsere Reisegäste wünschen sich zwar ein schönes Hotel, aber vor allem muss es barrierefrei und an ihre Bedürfnisse angepasst sein. Deshalb ist eine Recherche vor Ort unerlässlich.
Ende Februar. 3 Tage Frankfurt. Über 60.000 Schritte später stehen die Ergebnisse fest: Das Hotel ist erkundet, die Ausflugsziele geprüft und zahlreiche Restaurants besucht, um abwechslungsreiche Vorschläge für Mittag- und Abendessen machen zu können. Die Grundlage meiner Recherche: Internetrecherchen und der Ratgeber „frankfurt-inklusiv".
Das IntercityHotel Frankfurt Hauptbahnhof Süd
Das IntercityHotel (Si apre in una nuova finestra) verfügt über 5 rollstuhlgerechte und weitere rollstuhlfreundliche Zimmer. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin des Hotels besichtige ich Zimmer und Aufenthaltsbereiche wie Speiseraum und Lounge.

Die rollstuhlgerechten Zimmer überzeugen:
Sehr geräumig
Ebenerdiges Bad mit unterfahrbarem Waschbecken
Gemauerte Sitzbank in der Dusche
Haltegriffe an der Toilette
Die Mankos:
Pflegebetten können bei Bedarf nicht aufgestellt werden
Die Zimmertür lässt sich schwer öffnen, Unterstützung kann nötig sein
Wenig Haken für Handtücher im Bad
Mein Eindruck: Das Hotel überzeugt insgesamt. Es liegt sehr zentral und ist für eine Minigruppenreise mit Gästen mit geringen Einschränkungen gut geeignet. Die Mitarbeiterin geht auf alle meine Fragen ein und betont, wie wichtig es ist, dass sie vorab über Besonderheiten informiert werden.
Geplante Ausflugsziele
Eine Reise ohne Ausflüge ist nur halb so schön. Deshalb stellen wir für unsere Gruppenreisen ein vielfältiges Programm zusammen. Einige Ausflüge werden fest gebucht, andere flexibel mit den Reisegästen besprochen.

Worauf ich achte:
Sind Wege und Zugänge für Rollstuhlfahrende geeignet?
Gibt es behindertengerechte Toiletten?
Wie lang sind Lauf- oder Fahrwege?
Flughafen Frankfurt – eine Herausforderung
Geplant ist die Anfahrt mit der S-Bahn. Die Gruppe muss vom S-Bahn-Gleis zum Besucherzentrum finden, wo eine barrierefreie Startertour und der Besuch des interaktiven Besucherzentrums auf dem Programm stehen. Treffpunkt: 30 Minuten vor Beginn.
Die Realität: Die Beschilderung im Flughafengelände richtet sich ausschließlich an Fußgänger. Mehr als einmal stehe ich vor einer Rolltreppe. Fahrstühle sind rar. Nach 1,5 Stunden habe ich den besten Weg gefunden und mit Fotos dokumentiert.
Main-Schifffahrt mit der Primus Linie
Ich schaue mir den Zugang am Eisernen Steg an. Die Mitarbeiterin ist hilfsbereit und zeigt mir Bilder. Die Rampe ist zwar recht steil, aber machbar, wenn die Begleitperson vorsichtig ist. 4 von 5 Schiffen sind barrierefrei und haben rollstuhlgerechte Toiletten.
Weitere Ausflugsziele – durchweg barrierefrei:
Museum für Kommunikation: Komplett barrierefrei und empfehlenswert
Palmengarten: Ebenfalls vollständig zugänglich
Main Tower: Mit dem Aufzug in die 55. Etage. Menschen mit Schwerbehinderung und „B" im Ausweis haben freien Eintritt (inkl. Begleitperson)
Stadtführung durch die neue Altstadt
Ich schlendere durch die Innenstadt, denn eine barrierefreie Stadtführung steht auch im Programm. Das Kopfsteinpflaster wird unsere Gäste durchrütteln, aber ein Besuch der neuen Altstadt ist ein Muss. Der Dom ist komplett barrierefrei. In der Frankfurter Innenstadt gibt es auch diverse behindertengerechte Toiletten.
Behindertengerechte Gastronomie – die große Enttäuschung
Da das Hotel nur Frühstück anbietet, ist die Suche nach geeigneten Lokalen essenziell. Ich benötige Restaurants mit:
Ebenerdigem Zugang
Ausreichend Platz für mehrere Rollstuhlfahrende
Rollstuhlgerechter Toilette
Im Vorfeld habe ich mir den Ratgeber „frankfurt-inklusiv" bestellt und war hocherfreut, wie gut die Stadt vorbereitet zu sein scheint. Der Abschnitt „Essen & Trinken" enthält eine Liste mit Restaurants und Cafés, versehen mit entsprechenden Symbolen.
Das Symbol mit Rollstuhlfahrer und Begleitperson ist beschrieben als: „WC eingeschränkt rollstuhlgerecht: Als Behinderten-WC ausgewiesen, entspricht aber nicht der DIN 18040".
In meiner Vorstellung: geeignete Toiletten, die eventuell etwas kleiner sind als vorgeschrieben oder bei denen 1-2 Stufen überwunden werden müssen.
Die ernüchternde Realität:
Viele Lokale verfügen ausschließlich über schmale Standard-Toilettenkabinen ohne Haltegriffe. Zum Teil waren die Toiletten sogar im Untergeschoss ohne Fahrstuhl!


Meine Empfehlungen – Barrierefreiheit getestet:
L'Osteria (Si apre in una nuova finestra) am Westhafen
Restaurant Margarete (Si apre in una nuova finestra)
Joy of Madhu (Si apre in una nuova finestra) im Eurotheum
Café Siesmayer (Si apre in una nuova finestra) am Palmengarten
Restaurant The View im Galeria Kaufhof
Mein Fazit – Ohne Vorabrecherche geht es nicht!
Ich bin einerseits froh, wie gut das IntercityHotel und die Ausflugsziele auf Touristen mit Einschränkungen vorbereitet sind. Andererseits war es schwierig, passende Lokale für unsere Reisegruppe zu finden.
Besonders enttäuschend: Der Ratgeber „frankfurt-inklusiv" enthält viele Fehlinformationen und benötigt dringend eine Überarbeitung.
Frankfurt hat viel Potenzial und ist gerade für Kulturinteressierte ein tolles Reiseziel. Aber zwischen „inklusiv auf dem Papier" und „inklusiv in echt" liegt noch ein weiter Weg – oder eben 60.000 Schritte.
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