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Khesrau, wie landet man einen Podcast-Hit?

Als ich 2021 an meinem ersten Podcast Narcoland (Öffnet in neuem Fenster) für die Aachener Zeitung gearbeitet habe, gab es genau einen Podcast, über den damals alle gesprochen haben. Und das war blöderweise nicht meiner, sondern Cui Bono – WTF happened to Ken Jebsen? (Öffnet in neuem Fenster). Der erste deutsche Doku-Podcast-Hit, gehostet von Khesrau Behroz.  

Auch danach hat Khesrau mit seiner neu gegründeten Produktionsfirma Undone einen Hit nach dem anderen gelandet: Cui Bono - Wer hat Angst vorm Drachenlord? (Öffnet in neuem Fenster), SchwarzRotGold: Mesut Özil zu Gast bei Freunden (Öffnet in neuem Fenster), Legion (Öffnet in neuem Fenster). Wenn jemand in Deutschland die Erfolgsformel für Podcasts kennt, dann er. 

Diese Formel hat er mir für diesen Newsletter verraten.

Ali Gutsfeld ist freier Journalist und Podcaster (Nicht mehr mein Land, Das Lederhosen Kartell, Narcoland). Zusammen mit Benedikt Dietsch berät er Podcasts und gibt Workshops. (Öffnet in neuem Fenster)

Kurz & knapp

🎯 Wofür? Damit die ganze Arbeit nicht umsonst ist – und am Ende nur Freund:innen und Familie deinen Podcast hören. 

⚙️ Wie? Denke in Geschichten, nicht nur in Themen und investiere genug Zeit in die Qualität deines Podcasts. Parallel dazu solltest du früh mit dem Aufbau deiner Reichweite beginnen; durch Netzwerke, Empfehlungen und kluge Distribution.

Merken Ein Hit ist nicht planbar, Reichweite dagegen schon. 

In vier Schritten zum Hit

Schritt 1: Wähle den richtigen Stoff

Finde eine Geschichte, die dich wirklich fasziniert. Eine gute Geschichte hat einen klaren Konflikt, starke Figuren und prägnante Szenen. Frage dich außerdem: Lässt sich das gut als Podcast erzählen? Gibt es Audio-Gold?

Schritt 2: Nimm dir Zeit! 

Tue alles dafür, dass der Podcast gut wird – das erhöht die Chancen auf einen Hit. Dafür brauchst du vor allem Zeit: für Recherche, Interviews und das Überarbeiten der Skripte. An Cui Bono – WTF happened to Ken Jebsen? haben Khesrau und sein Team ein ganzes Jahr gearbeitet. Und denk früh darüber nach, wie dein Podcast klingen soll, zum Beispiel, indem du den Trailer schon vorab produzierst.

Schritt 3: Die erste Folge entscheidet

Stecke so viel Liebe wie möglich in Episode 1. Sie ist dein Schaufenster. Wenn die erste Folge nicht fesselt, steigen viele Hörer:innen sofort wieder aus und hören sich die anderen Folgen gar nicht erst an.

Schritt 4: Baue Reichweite auf

Einen Hit kann man nicht planen, Reichweite schon. Kontaktiere frühzeitig Influencer:innen und andere Podcaster:innen, erstelle einen Pressebogen und nutze Social Media gezielt. Wenn du ein Netzwerk hast: nutze es. Wenn nicht: fang jetzt an, dir eins aufzubauen.

Lass uns gemeinsam was starten! Wir geben Workshops, begleiten Produktionen dramaturgisch und haben Bock auf neue Formate. Schreib uns gerne (Öffnet in neuem Fenster).


Werkstattgespräch mit Khesrau Behroz

Khesrau Behroz ist Host, Autor und Produzent von Podcast-Hits wie “Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?”, “Legion” oder “SchwarzRotGold: Mesut Özil zu Gast bei Freunden”, sowie Co-Gründer der Berliner Produktionsfirma Undone. 

“Cui Bono - WTF happened to Ken Jebsen?!” war der erste Podcast, den du gehostet hast. Hast du damit gerechnet, dass er so erfolgreich wird?

Nein, gar nicht. Wir haben uns da unglaublich reingeschmissen, haben sehr viel Asiatisch bestellt und im Studio gegessen. Und wir haben an die Idee geglaubt, haben gespürt, da entsteht was Besonderes. Wir wollten was machen, was es so in Deutschland noch nie gab. Und haben einfach gehofft, dass die Leute das auch mitbekommen. Dass es dann wirklich so viele werden würden, damit haben wir nie gerechnet. Gerade weil der Erfolg so unverhofft kam, war er umso schöner.

Ist ein Hit denn überhaupt planbar?  

Sag du es mir doch! Im Ernst: Nein, das kannst du nicht planen. Das wäre auch vermessen. Ich setz mich ja nicht hin und überlege mir einen Hit. Ich mache Dinge, auf die ich Bock habe, stecke alles da rein – und im besten Fall wollen die Leute den Kram dann hören. Nur: Irgendwie müssen sie den Podcast auch zu hören bekommen. Das ist der Part, den man ein wenig planen kann. Wir bereiten eine Pressemappe auf, laden Vorabepisoden hoch – und schicken das an Influencer:innen, Journalist:innen und vielen anderen Menschen, die von unserer Arbeit weitererzählen könnten.

Was macht ihr noch? 

Wir spielen unsere Trailer in anderen Feeds aus oder kündigen den Podcast in Newslettern an. Manchmal arbeiten wir auch mit einer Presseagentur zusammen, die gezielt Medien anspricht. Als Host versuche ich außerdem, während der Veröffentlichung in anderen Podcasts zu Gast zu sein.

Da hilft natürlich auch, dass man dich kennt.

Klar: Wir bei Undone haben das Privileg, dass wir uns mit unseren Podcasts schon einen starken Namen aufgebaut haben. Das macht es natürlich leichter, Hörer:innen zu erreichen. Aber garantiert ist der Erfolg damit noch lange nicht.

Und letztendlich bringt das alles nichts, wenn du keinen guten Podcast hast. Im besten Fall wollen die Leute über deine Arbeit reden, wollen sie mit Freund:innen und Familie teilen. “Organisches Wachstum” ist der feuchte Traum eines jeden Marketers…

Woher weißt du, welche Idee Hit-Potenzial hat? 

Wenn ich merke: Ich habe nicht nur ein spannendes Thema, sondern auch eine starke Geschichte. Gibt es starke Figuren? Gute Szenen? Audio-Gold? Dabei höre ich immer auf mein Bauchgefühl: Entsteht sofort Kopfkino? Und erzählt die Geschichte etwas Größeres über unsere Gesellschaft? Mit Zielgruppen kann ich wenig anfangen. Ich vertraue lieber auf meinen eigenen Geschmack. Und hoffe, dass es dann auch andere gut finden. 

Bei Undone habt ihr mehrere Hits gelandet: “Wer hat Angst vorm Drachenlord?”, “SchwarzRotGold”oder “Judging Amanda Knox (Öffnet in neuem Fenster)”. Was haben diese Podcasts gemeinsam? 

Der Hook sind die starken Namen, die bei jeder Person eine andere emotionale Reaktion auslösen. Das ist gut. Da ist so viel Raum für Ambiguität, dass mir das Herz aufgeht. Und dadurch ist da auch Raum für eine neugierige Begegnung, für Kontext, Einordnung, Überraschung. Und all diese Podcasts habe eine gesellschaftliche Ebene – wodurch wir diese abgehobenen Geschichte wieder zurück auf den Boden der Tatsachen holen können. Journalismus!

Ein großer Name hilft also. Und sonst?

True Crime. Im Zweifel alles als True Crime labeln.

Wenn dir der Newsletter gefallen hat, empfiehl Podcast-Hacks gerne weiter! Wenn du auch einen Hack hast oder einen Vorschlag, wen wir mal interviewen sollten, schreib uns gerne: feedback@podcast-hacks.de (Öffnet in neuem Fenster).