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nine eleven

Meine lieben Buddys,

es ist Montag, und das heißt, gestern war Sonntag. Wahnsinn. Und gestern war aber nicht nur irgendein Sonntag, sondern gestern war Sonntag, der 09.11. Und dieses Datum ist ja in der deutschen Geschichte fest verankert als ein Tag von mehreren geradezu historischen Ausmaßen.

1918: Reichskanzler Max von Baden verkündet während der Novemberrevolution eigenmächtig die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und betraut Friedrich Ebert mit den Amtsgeschäften. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft gegen 14 Uhr vom Reichstagsgebäude die „deutsche Republik“ aus. Schau mal an. Wer hat es verraten? Sozialdemokraten!

1923: Der Hitler-Ludendorff-Putsch wird von der Bayerischen Landespolizei vor der Feldherrnhalle in München blutig niedergeschlagen. Leider nicht blutig genug.

1955: Eine der wichtigsten Entscheidungen überhaupt ->
Das deutsche Bundesverfassungsgericht urteilt, dass in Deutschland lebende Österreicher, die mit dem Anschluss 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft bekamen, diese mit der Souveränität Österreichs wieder verloren haben.

1989: Und last but not least -> Fall der Berliner Mauer!

Und wie die Integration unserer Mitbürger mit ostdeutschem
Migrationshintergrund vonstattenging, durfte ich übrigens
aus nächster Nähe betrachten. An jenem 9. November 1989
befand ich mich nämlich im nordostoberfränkischen Pro-
vinzstädtchen Hof. Und während im Fernsehen begeisterte
Jubelbilder vom Brandenburger Tor gezeigt wurden, lief die
Sache vor Ort ein kleines bisschen kühler ab. Und zwar ver-
hielt es sich so, dass jeder Ostbürger 100,– DM Begrüßungs-
geld erhalten sollte. Womit allen gleich mal klargemacht
wurde, was genau eigentlich mit Freiheit, Demokratie und
Menschenrechten gemeint ist. Wie aber wurde die Austei-
lung des Begrüßungsgeldes organisiert? Sensationell!

Jeder Erwachsene sollte nämlich bei der Geldausgabestel-
le seinen ostdeutschen Personalausweis vorzeigen und erhielt
dafür 100,– DM sowie einen Vermerk in den Personalausweis,
dass er sein Geld bereits erhalten habe. Kinder brauchten
ihren Ausweis nicht dabeizuhaben. Die gingen einfach mit
einem Elternteil zur Ausgabestelle, bekamen auch jeweils
100,– DM und der Erwachsene einen Vermerk in seinen Per-
so, dass seine Kinder jeweils 100,– DM erhalten hatten. Also
hatte Papi mit den zwei Kindern jetzt zusammen 300,– DM
bekommen. Wie schön. Als Nächstes ging Mami los, aber
nicht einfach so, sondern ebenfalls mit denselben zwei Kin-
dern, und schon hatte die Familie noch einmal 300,– DM er-
halten. Sapperlot! Also hatte man bereits 200,– DM Gewinn,
und zwar durch nichts anderes als Schlange stehen.
«Des hädds unnerm Ärisch awer nisch gäbbn.»

Damit aber nicht genug. Außerdem galt jetzt nämlich noch
die Anweisung, dass ein Ostdeutscher, der seinen Ausweis
nicht dabeihatte, auch andere Papiere oder Pässe vorlegen
durfte. Was Vati auf die Idee brachte, sich mit einem anderen
Ausweis und den zwei Kindern abermals anzustellen. Und
nach Papa wiederholte dies auch ein weiteres Mal die Mama.

Und schon hatte diese Familie am Ende des Tages 1200,– DM
erhalten und somit 800,– DM Gewinn gemacht. Wenn sie
schlau war. Wenn sie oberschlau war, hat sie ihre Kinder
auch noch an alleinstehende Erwachsene ausgeliehen. Ge-
gen Provision. «Rent-a-Begrüßungsgeld» Jeder ist seines
Glückes Schmied. Willkommen im Kapitalismus.

Und als kleines Schmankerl empfehle ich Euch noch Stefan Danzingers satirische Beleuchtetung die Ereignisse
-> ab Min: 19:15 (Abre numa nova janela)

Bis nächsten Montag,
Euer HG.

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