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Newsletter – dein kreativer Journaling Kurs #27 Metaphern und Bilder

Metaphern und Bilder im Journaling

Newsletter – dein kreativer Journaling Kurs #27

Metaphern und Bilder im Journaling

bildhaft schreiben lernen



1. Einstieg: Warum Bilder im Journaling?

Kurz halte ich inne, denn ich weiß nicht recht, wie ich anfangen soll. Ich fühle in mich hinein: Bin ich erschöpft oder einfach lustlos? Ist das Gefühl Überforderung oder Angst? Nein, keine Angst, aber doch innerlich getrieben. Irgendwas ist zu viel, aber was? Und während ich noch nach Worten ringe, die mein innerstes Gefühl am Besten zum Ausdruck zu bringen, kommt mir das Bild von einem überfüllten Bahnhof in den Sinn, der so überfüllt von Menschen ist, dass die Eindrücke, Farben, Stimmen, Gerüche und die Hektik mich kurz vollkommen vergessen lassen, welchen Zug ich nehmen wollte und wohin und wo nochmal der Ort ist, an dem ich ein Ticket ziehen kann. Und wie von der Muse geküsst, gleitet nun der Füller über das Papier und schmückt die Bahnhof-Szene weiter und weiter aus, denn: Ja! Ja, so fühle ich mich gerade. Und während ich das Bild zu Papier bringe, fallen mir auch die Worte ein, die schließlich auf den Punkt bringen, was los ist mit mir: Ich fühle mich so gestresst von den äußeren Anforderungen und dem allgemeinen Trubel, dass ich das Gefühl habe, ich finde gerade meinen Fokus nicht. Und dabei wäre dieser Fokus äußerst wichtig.

Das Schreiben in Bildern, so würde man vielleicht spontan meinen, ist kein Thema für einen Journaling Kurs möchte man meinen, denn Bilder, Parabeln und Metaphern – das assoziieren wir doch eher mit Romanen und Kurzgeschichten und nicht mit Tagebuch Einträgen. Doch tatsächlich kann das Schreiben in Bildern viele Vorteile für deinen Journaling-Praxis haben, weshalb es sich lohnt, diese Technik zu erlernen, wenn du nicht eh schon bildhafte Sprache für dich entdeckt hast.
Bilder bringen uns in vielen Momenten näher an das tatsächliche Erleben als abstrakte Begriffe. Das hängt sehr stark damit zusammen, wie unser Gehirn Erfahrungen speichert und wieder aufruft. Unsere Erinnerungen werden nämlich genauso in uns abgelegt: wie kleine Filmszenen und nicht wie eine Definition akkurater Begriffe. Diese Art des denkenden Erlebens ist für uns also sehr vertraut und den wenigsten Menschen gelingt es immer straight on point, Gefühle mit definitorischen Begriffen wie „Trauer“, „Angst“ oder „Glück“ zufriedenstellend zu beschreiben. Abstrakte Begriffe beinhalten kaum Sinneseindrücke und die sind manchmal extrem wichtig, um etwas wirklich zutreffend auszudrücken. Bilder hingegen (sprachliche oder tatsächliche) sind reich an Details: Licht, Bewegungen, Geräusche, Körperempfindungen. Abstrakte Sprache kann die sagen, was IST, bildhafte Sprache lässt dich DABEI SEIN. Selbst wenn du einen theoretischen Begriff findest, der gut zum Ausdruck bringt, wie du fühlst und wie es dir geht – Bilder lassen dich auch später besser nachfühlen und erinnern, wie es dir genau und konkret ergangen ist. Denn Trauer ist nicht gleich Trauer. Es gibt schwere Trauer, dumpfe Trauer, bleierne Trauer, drückende Trauer, bodenlose Trauer usw. Aber Trauer kann sich eben auch so anfühlen: „Der Kaffee vor mir ist längst schon kalt geworden, die dünnen Kaffeeränder, die sich am Tassenrand abgesetzt haben, sind stumpf geworden. In weiter Ferne bellt ein Hund und johlen Kinder und lassen mich erahnen, dass das Leben da draußen einfach weiter geht. Doch hier im Dunstkreis längst fest getrockneter Kaffeeränder steht die Zeit so gewaltsam still, dass sie schon Staub ansetzt“.
Dein Journaling ist mehr als nur Dokumentation. Diese Form des Schreibens kann immer auch Begegnung mit sich selbst sein oder Begegnung mit dem Menschen, der du warst. Wer bildhaft schreiben lernt, der kann ich auch Jahre später nochmal fühlend neben sein jüngeres Ich setzen. Bildhafte Sprache hilft beim Umschreiben, beim Worte finden, wenn sie gerade fehlen und (ein ganz anderer Aspekt) durch das Schreiben in bildhafter Sprache kannst du geheim Dinge ausdrücken, die sonst niemand wissen darf. Eine Facette dieser Technik, die besonders denjenigen zu Gute kommt, die immer etwas Sorge haben, dass ihr Tagebuch von neugierigen Fremden gelesen werden könnte.


2. Was sind Bilder und Metaphern eigentlich?

Wir nennen es Bilder oder Metaphern, aber was ist das eigentlich? Hier eine kurze Erinnerung für alle, deren Schulzeit schon lange zurück liegt: Bilder sind im Grunde genommen wie gerade gezeigt, einfach nur sprachlich erzeugte Szenen, die versuchen, die Sinne anzusprechen: Was kann man in der Szene sehen, hören, riechen oder fühlen? Ein Bild bleibt in der Welt der Erfahrung, es behauptet nicht, es zeigt. Metaphern gehen einen Schritt weiter, sie gehen über das Szenische hinaus und sind eine Art Übertragung: Eine Sache, ein Erlebnis, ein Gefühl wird durch eine Metapher in etwas anderes verwandelt, um es verständlicher oder spürbarer zu machen. Wenn du zB deine Trauer wie einen schweren Mantel empfindest oder mit einer Fessel vergleichst, dann wird nicht einfach nur beschrieben, sondern verknüpft, indem man ein Wort aus seinem eigentlichen Bedeutungszusammengang in einen neuen überträgt, um durch die Verknüpfung etwas klarer, fühlbarer zu machen. Gegenüber dem Vergleich, der das Wort „wie“ tatsächlich benutzt, fehlt Metaphern oft der direkte Bezug zur Übertragungsebene. Zudem sind Vergleiche meist etwas vorsichtiger als Metaphern, weil sie nicht Gleichheit, sondern Ähnlichkeit ausdrücken wollen.
Es geht hier aber nicht darum, dass ihr das präzise auseinanderhalten könnt, sondern vielmehr darum, die Bandbreite an schreiberischen Möglichkeiten wahrzunehmen.

3. Warum Metaphern im Journaling so kraftvoll sind

Warum Metaphern und Bilder im Journaling nützlich sein können, wurde schon deutlich: Sie können Emotionen greifbarer machen und manchmal auch Dinge sichtbar machen, die uns noch gar nicht wirklich bewusst sind. Der große Vorteil an Bildern ist, dass sie oft assoziativ auftauchen und dieser Weg deines Unterbewusstseins, um mit deinem Bewusstsein zu kommunizieren, geschieht routinierter, je mehr du diesen Weg nutzt. Wer also häufig diese spontanen Bilder aufgreift und festhält und sich von ihnen ansprechen lässt, wird erleben, dass sie sich häufiger und regelmäßiger einstellen.

Man kommt seinem eigenen Inneren durch die Benutzung von bildhaften Metaphern jedoch nicht nur in gewisser Weise näher, auf das Gegenteil geschieht: Durch die Nutzung von Bildern können wir uns auch ein Stück weit in Selbstdistanz üben. Ein sehr häufig genutztes Bild, dass das unmittelbar deutlich werden lässt, ist die Beschreibung der eigenen Gefühle als Besucher: Nicht „ich bin wütend“ (in diesem Fall identifizierst du dich mit deiner Wut), sondern „Wut ist bei mir zu Besuch“ (das umschreibt die Augenblicklichkeit und die Vergänglichkeit von Gefühlen). Ich vergleiche meine Gefühle gerne mit dem Wetter: es handelt sich um Momentaufnahmen, um ein Kommen und Gehen. Wenn ich wütend bin und jemand wünscht sich einen versöhnlichen Moment mit mir, sage ich manchmal schön „Gib mir noch eine halbe Stunde“, denn ich weiß schon, dass das akute Gefühl dann nachgelassen haben wird. Selbstdistanzierung kann auch etwas Heilsames haben, weil dadurch oft schon der Weg der Lösung oder der Heilung eingeschlagen wird. Bilder verändern den Blick auf die Dinge. Wer beispielsweise schreibt „Meine Wut ist wie ein bellender Hund“, öffnet sich sich selbst schon die Perspektive für weiterführende Fragen: Ist der Hund gefährlich? Fühlt sich der Hund bedroht? Wurde er schlecht behandelt? Wie beruhigt man ihn? Kann man ihn streicheln? Die Bilder, die du dir selbst schenkst, beinhalten manchmal überraschende Lösungen oder zumindest Inspiration zum Weiterdenken

4. Kann man bildhaftes Schreiben lernen?

Die kurze, aber klare Antwort lautet: Ja. Bildhaftes Schreiben ist weniger Talent als vielmehr Übung, denn es ist eben nicht so, dass manche eben Bilder sehen oder in sich tragen und andere eben nicht, als wäre Sprache eine angeborene Linse, die bei manchen scharf stellt und bei anderen eben nicht. Bildhaftes Schreiben kann man tatsächlich lernen und wenn du bei dem Gedanken an „lernen“ ein leise mulmiges Gefühl empfindest, kann ich Entwarnung geben: Es geht hier weder um schöne noch besonders originelle Bilder. Wir sind nicht in der Schule und du sollst keinen Bestseller schreiben, sondern das ist DEIN Journal und die Bilder deines Leben müssen keinerlei Ansprüchen genügen, sondern dürfen stimmig und persönlich sein. Niemand bewertet das, das ist einfach dein Schatz.

Bildhaft zu schreiben beginnt oft nicht mit dem Kugelschreiber in der Hand, sondern im Alltag mit etwas sehr, sehr Schönem, nämlich damit, wieder genau hinzuschauen und die Welt um sich herum zu genießen: Beobachte mit offenem Herzen und Geist deine Umwelt: Wie klingt die Tür, wenn sie ins Schloss fällt? Ist der morgen heute hell oder verhangen oder gar...milchig? Wie fühlt sich ein bestimmter Satz im Körper an, wenn du ihn aussprichst? Jeder Mensch hat so oder so schon eine bestimmte Bildsprache (Träume, Redewendungen, die du gerne nutzt oder Lieblingsformulierungen, die Bilder enthalten) und es wird auch deinem Alltag gut tun, wenn du wieder mit wachen Augen schaust und gedanklich festhältst, was du siehst und was dich umgibt. Und das darf einfach in deiner ganz normalen Sprache sein und die Frage beantworten: Was sehe ich eigentlich genau? Eine zweite Alltagsübung besteht darin, generell weniger abstrakt und mehr konkret zu denken und Gefühle in Bilder zu übertragen: Statt „Ich bin gestresst“ „Jetzt habe ich schon dreimal den Schlüssel fallen gelassen“, statt „ich komme zu spät“ „Jetzt hänge ich hinter diesem Traktor – zur Langsamkeit genötigt“.

Was viele unterschätzen ist die Tatsache, dass bildhaftes Schreiben viel weniger mit Fantasie zu tun hat, als vielmehr mit Ehrlichkeit. Die stärksten Bilder sind selten die originellsten, sondern schlicht und einfach: zutreffend. Und vielleicht ist das der eigentliche Kern: nicht, dass man lernt, schöne Bilder zu schreiben, sondern sich schon im Erleben bestimmter Dinge lehrt, genauer hinzuschauen. Der Rest ergibt sich oft fast wie von allein.

5. Der Zugang: Wie entstehen Bilder im Schreiben?

„Fast“ wie von allein, denn auch beim Prozess des Schreibens kann man durch kleine gedankliche Kniffe bewirken, dass unser Denken und Schreiben offen wird für Metaphern und bildhafte Darstellungen. Immerhin planen wir Bilder ja nicht wirklich, sie tauchen eher von selbst auf wie kleine Verschiebungen in unserer Wahrnehmung. Das Gehirn übersetzt Gefühle, Menschen und sogar Sehnsüchte in Szenen. Und diese szenischen Bilder entstehen meist, wenn zwei Erfahrungsräume sich überlagern: körperliche Wahrnehmung und innere Bedeutung zum Beispiel oder auch Gefühle und die Erinnerung daran, wann wir diese schon einmal erlebt haben. Wehmut lässt die Erinnerung an eine Filmszene in dir Aufsteigen. Das Gefühl von Druck assoziierst du mit dem leeren Blatt bei der Matheklausur. Freude fühlt sich an wie Sonnenschein. Das sind keine poetischen Entscheidungen, sondern eher intuitive Übersetzungen deines Gehirn. Diese innere Bewegung hin zum Bild kannst du fördern, indem du dich fragst „Wo war das?“ wenn du merkst, dass du abstrakt wirst und versuchen Szenen zu erinnern. Und im Sinne der Metapher ist es vollkommen okay, wenn du bei „Geborgenheit“ an eine Badewanne denkst und dir an deiner Seite jemanden wünscht, der die tägliche Badewanne mit Schaum für deine Seele ist. Wenn du über Gefühle schreiben willst, frage dich: Wo in meinem Körper ist das? Gewöhne die „als-ob“ Sätze an: Wenn du merkst, dass der Gedankenfluss stoppt und du etwas nur schwer in Worte gefasst bekommst, schreibe „Es ist irgendwie, als ob...“ und lass dich mal von dir selbst überraschen, was da kommt.

Und zuletzt ein ganz praktischer Tipp: Erhöhe die Geschwindigkeit und erlaube dir Kontrollverlust. Wer sich regelmäßig erlaubt, ohne Pause und ohne groß nachzudenken einfach runterzuschreiben, der wird erleben, dass er seinen inneren Redakteur einfach abhängt. Ich habe schon im Speed-Modus Sachen geschrieben, da dachte hinterher „Au weia, was ist das denn?“ Aber manchmal sind es gerade verrückte, schiefe, verstörende Metaphern, die zu uns sprechen. Vielleicht ist das Bild weder originell noch detailgenau, aber unter Umständen, sagt dir genau das etwas, was dich weiter bringt.

6. Konkrete Übungen für Journaling

Übung 1: Schreibe über etwas Verbotenes. Hast du in deinem Leben je etwas Verbotenes getan oder gibt es ein Geheimnis, über das du noch nie mit jemandem gesprochen hast? Schreibe darüber, ohne darüber zu schreiben. Ich gebe zu, das ist für den Anfang eine echte Herausforderung. Aber nehmen wir mal an, du als in deiner Jugend im Supermarkt etwas mitgehen lassen. Bist du zunächst ziellos durch den Laden gegangen, bis der Entschluss in dir gereift war? Schreibe: „Ich bin über den Ozean gezogen, ziellos wie ein Albatros“. Irgendwann kam der Moment, wo dein Entschluss gefasst war, aber du hattest gewaltig Herzklopfen? „Mein Entscheidung fiel überraschend wie ein Unfall, von dem man kurz vorher noch nicht ahnt, dass er sich ereignen wird. Mein Herz im Sprint wie kurz vor dem Zieleinlauf.“ Und dann hast du den teuren Lippenstift unauffällig in deine Handtasche gleiten lassen. Schreib: „Flink, lautlos und wie nebensächlich verschwindet die Schnecke in ihrem Haus.“ Wie hast du dich gefühlt? Etwas „Plötzlich aufziehende Übelkeit. Ein Sommergewitter. Und die Angst vor dem Knall. Ich möchte davon laufen und in Sicherheit sein!“ Das ist eine für Außenstehende sinnlose und zusammenhanglose Aneinanderreihung von Bildern und Vergleichen. Aber DU wirst dich stets erinnern, was du da zu Papier gebracht hast.
Übung 2: Sei dein eigener Übersetzer: Versuche am Anfang ganz bewusst und gezielt immer wieder Bilder in deine Schreibroutine einzupflegen. Wenn du beispielsweise über Gefühle schreibst oder darüber, wie du dich in bestimmten Situationen gefühlt hast, versuche mit dem Einleitungssatz „...oder im Bild gesprochen:...“ immer mal wieder eine Art Übersetzung zu finden, als müsstest du es nochmal für jemanden erklären, der mit Abstrakta gar nichts anfangen kann oder Bilder besser versteht.
Übung 3: Der Moment, als das Gefühl am stärksten war. Wenn du in einer bestimmten Situation ein bestimmtes Gefühl erlebt hast, das du gerne zu Papier bringen würdest, notiere nicht einfach dein Gefühl, sondern beschreibe wie ein Regisseur oder ein Dramaturg die Szene, in der dieses Gefühl am stärksten war: Wo warst du, was konntest du sehen, hören, riechen, was waren Begleitumstände, wovon würdest du berichten, wenn du dieses gefühlsstarke Szene auf die Bühne bringen würdest? Wie gesagt: es geht nicht um etwas literarisch hoch Anspruchsvolles. Statt „Ich war in dem Moment so enttäuscht von der Reaktion meines Vaters“ kannst du schreiben: „Im Wohnzimmer meiner Eltern ist die Zeit stehen geblieben. Es riecht nach Lavendel und Holzpolitur wie schon in meiner Kindheit. Mein Vater zuckt mit den Achseln und wendet den Blick ab, seine Lippen verschlossen, ohne Hoffnung auf ein erlösendes Wort. Die Kissen sehen noch immer so aus wie vor 20 Jahren, glaube ich. Ich möchte weglaufen, doch wie immer fühlen sich meine Füße an wie Bleistiefel, solche mit denen man sich vor dem Ertrinken nicht retten kann. Der freundliche Lavendelgeruch täuscht“.

7. Typische Hürden (und wie man damit umgeht)

 

Zum Abschluss dieser Lektion möchte ich ich noch ein paar typische Stolpersteine aufgreifen, mit denen du es vielleicht zu tun bekommst, und kurz kennzeichnen, wie du mit ihnen umgehen kannst. „Mir fällt nichts ein“: Was ist, wenn du da sitzt und dir fällt tatsächlich nichts ein? Ich glaube meistens ist das Problem nicht, dass uns nichts einfällt, sondern dass wir das Gefühl haben, uns fällt einfach nichts Gutes ein. Lösung: Du kannst mit ganz einfachen Bildern anfangen. Und damit wir die Hürde jetzt mal wirklich klein halten: ja, auch „ich fühle mich wie ausgekotzt“ ist ein Bild und das ist ein Anfang. Auch hier gilt: better done than perfekt. Sowas Banales wie „Ich fühle mich so leer wie die Mülltonne, die am Straßenrand steht“ ist super. Oder so etwas Naheliegendes wie „Es ist schwer wie ein ganzer Berg“ - vollkommen ausreichend.
Ein zweiter häufiger Einwand, den ich von mit selbst kenne, ist „Das klingt kitschig“. Meine Bilder lesen sich dann schwülstig, wie nicht nach mir, wie aus einem ganz billigen Groschenroman abgeschrieben. Seltsam halt. Da hilft mir der Gedanke, dass Kitsch einfach oft nur ungewohnt ist. Manchmal auch nur für unsere eigene Schreibe ungewohnt. Sag dir selbst immer wieder, dass nicht jedes Mal etwas bahnbrechendes dabei rum kommen muss, wenn du ein Bild benutzt. Es darf eine Übung sein und ein Versuch und selbst wenn es dir beim erneuten Drüberlesen einfach nur einen Schmunzler entlockt, ist das doch auch von Wert. Du kannst 10 seltsame Bilder zu Papier bringen und das 11. kommt dir plötzlich wie eine Offenbarung von ganz tief drinnen vor. Wie gut, dass du einfach mutig dran geblieben bist.
Und ein dritter Einwand: „Das passt nicht“. Auch hier gilt wieder: Frag dich, ob dein Bild wirklich nicht passt oder ob du einfach nur zu selbstkritisch bist. Auch die Erkenntnis, dass ein Bild nicht gut passt, ist letztlich eine Erkenntnis oder hilft, um ein Gefühl oder ein Ereignis zu prüfen, zu hinterfragen, zu beleuchten und sich weiter auf die Spur zu machen: Welches Bild passt vielleicht besser? In welcher Facette ist dieses Bild schief oder trifft den Sachverhalt nicht? Und am Ende muss man sehr deutlich sagen: Es darf schief, schräg und unlogisch sein.

8. Abschluss: Einladung

Vielleicht ist das der eigentliche Zauber am bildhaften Schreiben: Du musst nichts richtig machen, keine akkuraten Bezeichnungen findet und niemand bewertet, was du da tust. Du hast einfach jede Freiheit, einen sehr kraftvollen Teilbereich des kreativ-persönlichen Schreibens für dich zu entdecken, denn Bilder sollen keine Verschönerung deiner Schreibpraxis sein, sondern einfach ein direkter Weg nach innen. Mit der Zeit wirst du mir diesen Bildern ins Gespräch kommen und merken, wie sie fließen. Manchmal zur persönlichen Erheiterung und manchmal um von tiefgreifenden Erkenntnissen überwältigt zu werden. Wie geht es dir mit dieser Möglichkeit? Sag es in einem Bild ;-)

Wenn dir meine Arbeit gefällt, vielleicht magst du auch meine wöchentlich erscheinende Kolumne “Wort zum Montag” mit bereits über 300 Texten und Audio von mir:

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Wir lesen uns!

Sina

 

Tópico Journaling Kurs

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