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Mein Monk, das Wiesel und ich – eine Koexistenzstudie in häuslicher Ästhetik

Es gibt Menschen, die betreten einen Raum – und nehmen ihn hin.

Und es gibt Menschen, die betreten einen Raum – und nehmen Maß.

Ich gehöre, mit einer gewissen zärtlichen Unerbittlichkeit, zur zweiten Kategorie.

Toilettenpapier wird nach vorne abgerollt. Nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern aus einer beinahe metaphysischen Gewissheit heraus, dass das Universum nur dann in seiner Achse bleibt, wenn das Blatt sich würdevoll nach vorne neigt. Einkäufe liegen auf dem Kassenband nach Gewicht sortiert – schwere Dinge zuerst, fragile später. Geldscheine sind nach Wertigkeit geordnet, die Gesichter alle in dieselbe Richtung gewandt, als hielten sie eine kleine, diskrete Parade ab.

Becher gehören in der Spülmaschine nach oben. Selbstverständlich. Besteck wird vorab sortiert – eine leise Vorform der Zivilisation. Die Knopfleiste der Bettdecke schaut nach unten. Das Spannbettlaken ist straff, faltenlos, eine textile Disziplinarübung. Handtücher liegen symmetrisch, nach Größe geordnet, wie eine kleine Architekturskizze aus Baumwolle. Kleiderbügel? Einheitlich ausgerichtet. Alles andere käme einer moralischen Verwahrlosung im Schrank gleich.

Mein inneres Wiesel insistiert hier mit bemerkenswerter Vehemenz. Es überbordert nicht laut – es wird präzise. Schnell bissig, wenn jemand die fragile Ordnung des Alltäglichen infrage stellt. Es sind Kleinigkeiten, gewiss. Aber Kleinigkeiten sind die Atome meines Friedens.

Und dann steht da meine Wasserbüffelin. Breitbeinig in der Gelassenheit. Sie kaut bedächtig auf der Relativität des Daseins herum, mahnt zur Ruhe, klopft mir innerlich auf die Schulter und sagt mit stoischer Milde: Atme. Die Welt geht nicht unter, wenn der Becher schräg steht.

Zwischen diesen beiden Polen – dem wieseligen Kontrollimpuls und der büffelinen Großmut – oszilliere ich in einer fast kunstvollen Balance. Es ist kein Zwang, es ist eine Choreografie. Eine leise, häusliche Ästhetik. Vielleicht eine Form der Selbstberuhigung. Vielleicht eine Reminiszenz an Zeiten, in denen anderes nicht kontrollierbar war – Körper, Hormone, Hörverlust, Welt.

Ordnung ist für mich kein Boudoir – sie ist eine Raststätte.

Ein Ort zum Durchatmen, nicht zum Verweilen.

Denn wenn ich ehrlich bin, lebe ich keineswegs in asketischer Linearität. Ich bin – mit einem augenzwinkernden Stolz – ein ADHS-Wiesel par excellence. Meine Gedankensprünge erfolgen in Lichtgeschwindigkeit. Meine Synapsen überbordern. Ideen lassen sich von mir nicht brav in Schubladen legen; sie springen, tanzen, insistieren, konfabulieren sich notfalls ihren eigenen Weg durch das Dickicht der Möglichkeiten.

Mein Geist ist kein Archiv.

Er ist ein vibrierendes Labor.

Gerade deshalb brauche ich diese kleinen Inseln der Struktur. Das straff gespannte Spannbettlaken. Die Handtücher in symmetrischer Formation. Die Becher diszipliniert ausgerichtet. Nicht aus Zwang, nicht aus rigider Kontrollhybris, sondern als Gegengewicht. Als Ankerpunkt in einem Innenleben, das gern exponiert überbordert.

Struktur tut mir gut.

Chaos beflügelt mich.

Ich erlebe beides – nicht als Widerspruch, sondern als produktive Spannung. Die Ordnung beruhigt mein Nervensystem. Das Chaos entfacht meine Fantasie. In der Stille der Struktur sammle ich mich. Im Sturm der Ideen finde ich mich.

Ich bin beides:

die, die sortiert –

und die, die neu erfindet.

Und vielleicht liegt genau darin meine seltene Signatur.

Und nein – das monatliche hormonelle Dauer-Intermezzo macht mich nicht komplizierter. Es macht mich flamboyanter. Facettenreicher. Manchmal dramatisch, manchmal süffisant, manchmal von geradezu operettenhafter Emotionalität. Aber stets charmant – selbstverständlich.

Ich bin kein Sonderfall. Ich bin ein Einzelstück.

Und seltene Stücke behandelt man bekanntlich mit Sorgfalt.

Bleibt’s xund,

eure Frau Kruemelkuchen

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