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Dejavu? Vom Ernst des Lebens – und dem schmunzelnden Trotz einer Hörenden im Umbruch

“Mit 18 galt ich als labil, überfordert, stressanfällig – bis man Jahrzehnte später eine angeborene Innenohrfehlbildung entdeckte.

Heute, mit 46, wiederholt sich das Spiel: klare Symptome, deutliche Laborwerte – aber keine endgültige Diagnose, kein ernst genommen werden.

Der Körper spricht, die Medizin schweigt.

Und ich? Ich kämpfe – nicht um Mitleid, sondern um Würde.“

Es brauchte fünfundzwanzig Jahre.

Fünfundzwanzig Jahre zwischen dem ersten hörsturztrunkenen Verstummen in meinem 18. Lebensjahr und dem feinsinnigen Blick eines Professors an der Universitätsklinik Würzburg – bis endlich jemand innehielt.

Jemand, der nicht vorschnell schlussfolgerte, sondern fragte.

Warum eigentlich verliert diese Frau ihr Gehör?

Und siehe da: Nicht Stress. Nicht Hypersensibilität. Nicht mangelnde Belastbarkeit. Sondern – eine angeborene Anomalie des Innenohrs.

Unsichtbar für die, die nicht hinsehen wollen. Klar erkennbar für jene, die den Menschen vor sich als mehr begreifen als ein Symptomcluster auf einer Patientenakte.

Seit meinem achtzehnten Lebensjahr begleiteten mich schleichende, später schwallartige Verluste meiner auditiven Welt – flankiert von spöttischen Kommentaren, gönnerhaften Blicken und herabwürdigenden Diagnosen:

Ich sei labil. Überfordert. Dramatisch. Nicht stressresistent genug für das echte Leben.

Irgendwann, ganz leise, beschloss ich: Ich gehe nicht mehr hin.

Nicht, weil ich aufgeben wollte – sondern weil ich das Florett gegen die Ignoranz beiseitelegte, um mich selbst zu schützen.

Ich ertrug dieses Belächelt werden nicht mehr. Dieses klein reden meiner Person. Diese Ratschläge, das alles besser würde, wenn ich an meiner Stressresistenz und der Verarbeitung von Stress arbeiten würde.

Ich ertrug die Angriffe auf mein Leben nicht mehr. "Sie kommen einfach nicht mit ihrer Rolle als junge Mama klar, sind wie alle jungen Mütter - überfordert...." Dieses und noch mehr durfte ich mir alle paar Wochen und Monate anhören.... Ich hatte genug davon

Heute, ausgestattet mit zwei Cochlea-Implantaten – komplett ertaubt – blicke ich zurück.

Nicht mit Zorn, nicht mit Bitterkeit.

Ich blicke aus der Stille, die in mir Frieden gefunden hat.

Ich bin angekommen.

Die Trauer hat sich verneigt. Das Trauma ist nicht mehr mein Schatten, sondern Teil meiner Landschaft.

Ich bin nicht depressiv. Nicht ängstlich. Nicht bedürftig nach Erklärung oder Rechtfertigung.

Ich bin – ganz einfach – ich. In mir ruhend. Klar. Gelassen.

Doch das Leben, dramaturgisch stets kreativ, lässt selten eine Leerstelle unbesetzt:

Nun meldet sich mein Körper erneut. Mit Nachdruck.

Diesmal sind es autoimmun getönte Symptome, glasklar im Blutbild, eindringlich im Erleben.

Aber – und das ist fast kafkaesk – eine Bildgebung des Gehirns ist technisch nicht durchführbar.

Und ohne Bild kein abschließender Beweis.

Und ohne Beweis? Keine Behandlung.

Ein Arzt sieht sich bestätigt – „Das ist rein psychisch. Schließlich sind Sie ertaubt. Das steckt ja niemand einfach so weg.“

Ein anderer mutmaßt: Rücken!

Der Orthopäde hingegen, offenbar nicht im Wettbewerb um originellste These, schüttelt sanft, aber entschieden den Kopf.

Für das, was da neurologisch tanzt, bräuchte mein Rücken gleich sieben bis neun pathologische Großbaustellen.

Die Realität: nichts dergleichen.

Und so beginnt sie erneut:

Die Odyssee durch ein System, das zwar evidenzbasiert arbeitet, aber oftmals evidenzvergessen mit dem Menschen dahinter umgeht.

Aber diesmal ist es anders.

Ich bleibe. Aufrecht. Heiter.

Ich kämpfe, ja – aber nicht mit Schaum vor dem Mund, sondern mit einem wissenden Lächeln im Blick.

Ich bin nicht mehr darauf angewiesen, ernst genommen zu werden –

weil ich mich selbst längst ernst nehme.

Weil ich weiß, wer ich bin, was ich fühle, was ich durchlebt habe – und wie viel Schönheit ich dennoch täglich entdecke.

Ich lebe.

Ich liebe.

Ich bin da.

Mitten im Leben. Mitten im Umbruch.

Und manchmal, zwischen zwei Schüben, tanze ich barfuß durch den Regen – nicht, um ihn zu trotzen, sondern weil ich weiß:

Unsere Zeit ist endlich.

Und ich will sie nicht in Wartezimmern vergeuden. Sondern in Augenblicken, die lebendig sind.

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