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Vom Schweigen zum Schwingen – über das Wunder, Musik (wieder) zu empfinden

Ab mit mir zur Operette

Noch bin ich in meiner Stille. Der Kaffee steht dampfend vor mir.

Beide Cochlea-Implantate sind aus, und ich genieße die Ruhe im Raum, die Ruhe in mir.

Nichts dringt an mich heran. Alles ist still.

Ich kann dies mittlerweile aushalten – ja, bisweilen suche ich sie sogar, diese lautlose Weite.

Hier, in vertrauter Umgebung, habe ich keine Angst mehr vor ihr.

Doch in fremden Räumen ist das anders.

Dort erwacht mein innerer Wächter. Ich muss wissen, was um mich geschieht, wer sich bewegt, welche Geräusche ich verpasse.

Mein Drang, zu hören, zu kontrollieren, wird dann übermächtig.

Und die Stille, die mich zuhause trägt, wird dort zum Abgrund – ein Schweigen, das nicht schützt, sondern droht.

Aber auch das übe ich: das Vertrauen, das Loslassen, das Wissen, dass Kontrolle nicht immer Sicherheit bedeutet.

Doch heute geht es nicht um die Stille, die ich aushalte oder suche.

Heute geht es um etwas anderes.

Es geht um das Gefühl, Musik zu empfinden – wenn sich der Bass über den Boden und meine Wirbelsäule ausbreitet, bis tief hinein in mein Innerstes, und alles zu vibrieren beginnt.

Mit meinen beiden Cochlea-Implantaten muss ich natürlich Musik hören, lernen, üben.

Nicht alles klingt immer rund oder schön – aber mittlerweile das meiste.

Cochlea-Implantate sind im Kern auf Sprachverstehen ausgelegt.

Sie schenken Verständigung, ermöglichen Teilhabe, eröffnen Räume, die zuvor verschlossen blieben.

Das war der Sinn dieser bahnbrechenden Erfindung:

Kommunikation zu ermöglichen, Stimme und Wort zurückzugeben. Mit Geduld und viel Übung.

Musik jedoch war ursprünglich nicht ihr Ziel.

Sie ist das kleine Wunder am Rande – die unerwartete Zugabe, die sich erst mit Geduld und offenem Herzen erschließt.

Doch auch viele andere erarbeiten sich die Musik wieder. Und ja – es ist ein Erarbeiten.

Sie kommt nicht einfach so, nicht im Vorübergehen, nicht als Zufall.

Musik will zurückerobert werden – Ton für Ton, Schwingung für Schwingung.

Sie verlangt Zeit, Hingabe und Mut, sich auf das Unvollkommene einzulassen.

Viele sagen, Musik zu hören sei die Königsdisziplin – und für manche bleibt sie für immer verschlossen.

Die Türen bleiben zu, der Schlüssel – verloren zwischen Erwartung und Realität.

Nicht aus Mangel an Wille, sondern weil das Gehör, so fein die Technik auch sei, seine eigenen Grenzen kennt.

Viele Tests, unzählige Versuche, Jahre des Trainings – all das, um den Zugang wiederzufinden.

Nicht mit einem großen Aha-Moment, sondern in leisen Etappen, in winzigen Fortschritten.

Ein Ringen zwischen Technik und Gefühl, zwischen Gedächtnis und Gegenwart.

Auch ich bin eine von ihnen.

Ich übe, ich trainiere, ich will den Zugang, ich will wieder Musik empfinden.

Es gibt viele, die es geschafft haben – die genießen, musizieren, aufblühen.

Das inspiriert.

Doch wir dürfen uns nicht vergleichen.

Nur weil ‘Chris’ es geschafft hat, bedeutet das nicht, dass ich es ebenso tue.

Aber ich lasse oder besser ließ mir die Möglichkeit, es zu versuchen, nicht nehmen.

Und so begann ich – mit dem Training.

Zögerlich zuerst, fast schüchtern.

Ich übte Töne, Rhythmen, Intervalle, lernte, die Schwingung zu spüren, bevor ich sie verstand.

Und manchmal klang alles fremd, kantig, verzerrt – doch dann gab es diese kleinen, hellen Momente, in denen etwas in mir mitschwang, als hätte mein Innerstes kurz gezuckt vor Wiedererkennen.

Und nun: ich höre Musik.

Vieles kann ich bereits genießen, manches erkenne ich sofort.

Manchmal überrascht mich ein Ton, ein Akkord, der mich mitten ins Herz trifft.

Dann ist er da – dieser Gänsehautmoment, in dem Technik, Gefühl, Erinnerung und Gegenwart für einen Augenblick verschmelzen.

Der Bass beginnt zu dröhnen.

Er breitet sich aus, durchpulst den Boden, durchströmt mich.

Ich spüre ihn, bevor ich ihn höre.

Und dann erreicht er auch mein Ohr- über diese fein vernetzten, synthetischen Wunder, die mein Hören möglich machen.

Sie übersetzen das Dröhnen in Impulse, und doch ist das Ergebnis kein kaltes Signal.

Es ist Musik – lebendig, echt.

Töne, fein differenziert, dringen an mein Ohr.

Mein Gehirn, dieses neuroplastische Wunder, dechiffriert, dekodiert, zerlegt, vergleicht, fügt zusammen – und schenkt mir so wieder Zugang zu etwas, das ich einst verloren glaubte.

Dies alles klingt, ich weiß, erstaunlich plastisch, beinahe technisch – nicht nach Genuss im klassischen Sinn.

Doch gerade darin liegt seine eigene Schönheit: eine Form des Genusses, die

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