
Es gibt diese eigenartige, fast zärtliche Spannung zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte. Zwischen der unerschütterlichen Gewissheit, dass das Leben reich, erfüllt und – ja – glücklich ist, und der ebenso unverrückbaren Realität, dass Hören kein beiläufiges Nebenbei geworden ist, sondern ein permanentes, insistierendes Tun.
Ich plane derzeit Projekte. Herzensprojekte, möchte man beinahe pathetisch sagen – und doch trifft es den Kern erstaunlich präzise. Gedanken, die nicht nur gedacht, sondern geformt werden wollen. Ideen, die sich nicht mit dem flüchtigen Dasein im Kopf zufriedengeben, sondern nach Materialität verlangen, nach Sichtbarkeit, nach einem Ort in der Welt. Es ist ein schöpferisches Drängen, ein inneres Überbordern an Möglichkeiten, das sich nicht länger stillhalten lässt.
Und während sich diese Entwürfe leise, aber bestimmt in mir entfalten, bleibt eine Konstante: das Hören. Das Üben. Das Ringen.
Denn es wäre eine allzu glatte Erzählung – und damit eine unredliche –, würde ich behaupten, die Barrieren hätten sich schlicht verabschiedet, nur weil mein Leben heute wieder lacht. Nein. Sie sind da. Manchmal subtil, manchmal exponiert. Manchmal kaum spürbar, dann wieder so präsent, dass sie den Raum fast vollständig einnehmen.
Hören ist kein Zustand. Es ist ein Prozess. Ein fortwährendes Austarieren zwischen Wahrnehmung, Konzentration und kognitiver Übersetzungsleistung. Und es verlangt – nach wie vor – Energie. Aufmerksamkeit. Geduld.
Doch dann, und das ist der leise Triumph, geschehen diese Momente.
Momente, in denen ich – ganz unspektakulär und gerade deshalb von solcher Größe – einfach mitkomme.
Ich stehe irgendwo zwischen Wind und Stimmengewirr, zwischen Hallenakustik und offenen Flächen, zwischen Gewächshausluft und unvorhersehbaren Geräuschkulissen. Mein Wiesel – naturgemäß leicht hyperventilierend – insistiert bereits darauf, umgehend sämtliche technische Unterstützung in Stellung zu bringen. „Schnell!“, flüstert es aufgeregt. „Wir könnten etwas verpassen!“
Und ich?
Ich warte.
Langsam. Ungewohnt langsam. Fast trotzig ruhig.
Und dann geschieht etwas, das sich nur schwer in Worte fassen lässt, ohne es gleichzeitig zu verkleinern: Ich verstehe.
Nicht perfekt. Nicht mühelos. Aber adäquat. Valide. Tragfähig.
Ich folge Gesprächen, greife Inhalte auf, bin Teil des Flusses. Natürlich arbeite ich dabei – mein gesamtes System tut es. Mein Wiesel sowieso, das sich zwischen Konzentration und Begeisterung kaum entscheiden kann. Es ist eine Arbeit, die natürlich auch erschöpft aber erst einmal trägt. Und das zählt.
Und plötzlich ist da kein grober Mangel. Kein grobes Defizit. Sondern schlicht: Teilhabe. Mein Wiesel läuft aufgeregt auf und ab und verpasst glatt alle Pointen der Gespräche vor Freude.
Es sind diese Momente, die sich nicht laut ankündigen. Die keine Fanfaren benötigen. Die leise eintreten und doch eine immense, fast würdevoll-stille Kraft in sich tragen.
Denn ebenso wahr bleibt die andere Seite: Es gibt unzählige Situationen, in denen ich meine Technik brauche. In denen zusätzliche Hilfsmittel nicht optional, sondern essenziell sind.
Und ich nutze sie.
Nicht als Eingeständnis eines Scheiterns – eine solche Interpretation wäre nicht nur falsch, sondern auch unerquicklich simplifizierend. Sondern als das, was sie sind: Werkzeuge der Selbstermächtigung. Instrumente der Teilhabe. Ausdruck einer klaren, nahezu assertorischen Haltung mir selbst gegenüber.
Denn Kommunikation ist kein einseitiger Akt. Sie ist ein reziprokes Geschehen, ein Wechselspiel, das von allen Beteiligten getragen wird. Theoretisch zumindest.
Praktisch jedoch liegt die Verantwortung allzu oft bei uns. Bei denen, die hören wollen, müssen, lernen. Bei denen, die sich anpassen, nachfragen, kompensieren.
Und ja – ich tue das.
Ich frage. Ich kläre. Ich nutze Technik. Ich strukturiere Situationen. Ich insistiere auf Verständlichkeit, wo sie nicht selbstverständlich gegeben ist.
Doch dann gibt es eben auch diese Tage.
Diese seltenen, fast kostbaren Tage, an denen ich mich zurücklehne – innerlich, leise, kaum sichtbar für andere – und denke:
Heute reichen meine fünfzig