
Liebe Leser:innen,
zum dritten Mal blicken wir hier gemeinsam vorfreudig in die Frühjahrsprogramme der Verlage. Wer nochmal nachschauen will, was ich bisher gespannt aufgelistet habe, findet die Titel hier (Öffnet in neuem Fenster) und hier (Öffnet in neuem Fenster) in den beiden letzten Newsletter-Ausgaben.
Den neuen Roman von Svenja Leiber hatte ich zum Beispiel unabgesprochen bereits im Dezember-Newsletter als sehnsüchtig erwartet angekündigt. Nun ist Nelka vor wenigen Tagen erschienen, und tatsächlich jetzt schon ein Lesehighlight des Frühjahrs. Ich freu mich, dass ich es euch hier für den Suhrkamp-Verlag auf dem Lieblingsplatz noch einmal ganz gesondert empfehlen darf:
(Öffnet in neuem Fenster)Svenja Leibers Roman über Frauen in Zwangsarbeit – hellwach, sensibel, unvergesslich
1941 wird Nelka verschleppt und zur Arbeit auf einem norddeutschen Gutshof gezwungen. Dank ihrer Kenntnisse im Apfelanbau kann sie überleben. Jahrzehnte später kehrt Nelka zurück. In ihrem neuen Roman erzählt Svenja Leiber eindrücklich von Frauen in Zwangsarbeit – und bewahrt die Erinnerung an sie.
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Neuerscheinungen 1/2

Uli Lust führt ihren ausgezeichneten Sachbuch-Comic weiter. Die Frau als Mensch: Schamaninnen (Öffnet in neuem Fenster) heißt der zweite Teil und verspricht erneut hervorragende Recherche zu weiblichem Wirken, verpackt in kunstvoll-kurzweilige Bildfolgen.
Ebenfalls bereits im Februar erschienen ist Chicken Survivor (Öffnet in neuem Fenster) von Massuda Kassem, illustriert von Melanie Garanin. Wenn ihr Kinder ab fünf Jahren in eurem Umfeld habt, lest es unbedingt vor. Wenn nicht, auch kein Problem, dann lesen wir diese Hühner-Mut-Geschichte für uns selbst.
Und weil es nie genug Ermutigung geben kann, lest ihr danach am besten Fake Gucci-Jogginghose auf der Lesebühne, (Öffnet in neuem Fenster) den Essay, in dem Dinçer Güçyeter zurückblickt auf die schwierige Reise vom Gabelstaplerfahrer zum gefeierten Autor und prämierten Verleger. Ein Buch, das die Schwächen unseres Literaturbetriebs klar benennt — und trotzdem riesige Lust darauf macht, ihn mitzugestalten.
Bis zum neuen Werk von Judith Schalansky müssen wir uns noch bis Mitte April gedulden. Dann erscheint Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist (Öffnet in neuem Fenster) In drei poetologischen Expeditionen werden wir wieder eingeladen, zu Staunenden zu werden, wenn uns bewusst wird, wie wunderbar und verbunden alles ist.

Volha Hapeyeva schenkt uns in ihrem gerade erschienenen Wörterbuch einer Nomadin (Öffnet in neuem Fenster)ein Nachdenken über Sprache und Begriffe, die sie umherreisend zwischen Belarus, Deutschland, Kreta und Japan begleitet haben.
Anfang März erscheint mit Lahea (Öffnet in neuem Fenster) der erste Roman von Lisa-Viktoria Niederberger und verspricht eine feministische Utopie, die wir in diesen Zeiten vermutlich alle ganz dringend brauchen.
Gerade erschienen ist Iris (Öffnet in neuem Fenster), der neue Roman von Laura Freudenthaler und zeigt uns am Beispiel der titelgebenden Schriftstellerin, wie der Umgang mit Frauenkörpern unser (Selbst)Bild seit Jahrhunderten prägt.
Und auf eine Übersetzung kann ich nicht warten: Im März erscheint Neues von Maria Popova. Traversal (Öffnet in neuem Fenster) hört sich für mich jetzt schon wie ein würdiger Nachfolger der geliebten Findungen an.
Buchgespräche auf YouTube
Hier habe ich mittlerweile 93 Buchgespräche für euch zum bequemen Nachschauen hochgeladen. Das neueste Gespräch mit Oliwia Hälterlein über Wir Töchter (Öffnet in neuem Fenster) findet ihr ganz oben.
https://www.youtube.com/@MariaChristinaPiwowarski (Öffnet in neuem Fenster)Neuerscheinungen 2/2

Nicole List denkt in Angst vor Männern (Öffnet in neuem Fenster) genau darüber nach: Es ist kein Unbehagen, kein Unwohlsein, was eine für cis-Männer gestaltete und von ihnen geprägte Welt in uns auslösen, es ist ein viel existentielleres Gefühl. Wie weibliche Solidarität und männliche Verantwortung zu einer angstfreien Welt für alle führen können, darum geht es in diesem Buch.
Im Wasser Verlag erscheint im Frühjahr auch ein neues Buch von Regina Denk (Öffnet in neuem Fenster), darüber und über alles Ungesagte werden wir an anderer Stelle noch sprechen. Ich freue mich aber auch sehr auf Der Fährmann (Öffnet in neuem Fenster) von ihr, weil ich den Sog und die atmosphärische Dichte ihrer Romane so liebe.
Jaqueline Scheiber widmet ihren Essay Schwimmen/Schweben (Öffnet in neuem Fenster) allen, die anfangen. Das Buch erzählt von Überwindung(en), aber auch vom Selbstvertrauen. Wer einmal gespürt hat, wie die Gedanken beim Bahnenziehen ganz klar werden, wird anschließen, aber seinen ganz eigenen Rhythmus finden können. Und alle anderen werden es danach unbedingt auch versuchen: Eine Entsprechung des Schwimmens für sich zu finden.
Was für ein Glück! 2012 ist Frau des Windes (Öffnet in neuem Fenster) von Elena Poniatowska (übersetzt aus dem Spanischen von Maria Hoffmann-Dartevelle) unverständlicherweise völlig an mir vorbeigegangen. Jetzt ist mir die Romanbiografie über Leonora Carrington im neu aufgelegten Taschenbuch erstmals begegnet. (Und wer bei @mariaslesekreis (Öffnet in neuem Fenster) auf Instagram dabei ist, ahnt jetzt schon, welches Buch unter anderem am 14.3. in der Auswahl für unsere 36. Leserunde auftauchen wird.)

Marion Kraft, die ihr bestimmt als Übersetzerin kennt (sie hat unter anderem Werke von Buchi Emecheta, Amanda Gorman, Audre Lorde, bell hooks und Toni Morrison ins Deutsche übertragen) hat nun mit Weltenwechsel (Öffnet in neuem Fenster) ihren ersten Roman veröffentlicht. Das Buch ist im Januar erschienen und erzählt einen wichtigen und bisher schmerzlich fehlenden Teil deutscher Geschichte.
Zoe Dubno (übersetzt von Anke Caroline Burger) erscheint Mitte April. Nur das Allerbeste (Öffnet in neuem Fenster)wird vom Verlag als Mischung von Thomas Bernhard und Odessa Moshfegh beschrieben und wenn das nur ansatzweise stimmt, ist es für mich ein ziemlich heißer Anwärter auf das Buch über den Kulturbetrieb, nach dem wir uns alle verzehren. Ich zitiere aus dem Klappentext: … bla, bla, bla – und eine fette Syphilis dazu!
Laura Dürrschmidt hat nach dem großartigen Es gibt keine Wale im Wilmersee ihren neuen Roman angekündigt. Sommer der schlafenden Hunde (Öffnet in neuem Fenster) erscheint Mitte März und erzählt das Erwachsenwerden dreier Mädchen queer — und düster.
Die beste aller Beziehungen (Öffnet in neuem Fenster) von Gun-Britt Sundström, übersetzt von Nina Hoyer, klingt wie der heutigste aller Beziehungsromane, wenn er die Fragen stellt, die uns vermutlich beschäftigen, wenn wir in romantischen Bindungen sind; nämlich danach, wie wir uns darin nicht selbst verlieren. Der schwedische Klassiker ist allerdings von 1976 und liegt ab Mitte März erstmals vollständig auf deutsch vor. Ich bin gespannt.
Auf Steady gab es in letzter Zeit folgende neue Texte:
Am 15. Januar: Drei Bücher für Zeiten, die mehr Fragen als Antworten haben. (Öffnet in neuem Fenster)
Am 9. Februar: Ein kleiner Text über die großen Autorinnen meines Lesens. (Öffnet in neuem Fenster)
Neuerscheinungen (Zugabe)
Vier weitere Bücher durfte ich schon vor ihrem Erscheinen lesen:

Zu Träume aus Salz (Öffnet in neuem Fenster) von Anika Landsteiner schrieb ich zurück: Mit leisem, kraftvollem Sog erzählt Anika Landsteiner von zwei Frauen, die ihre inneren Widersprüche wie eine zweite Haut tragen. Die griechische Insel, auf der sie sich ihren Sehnsüchten und Erinnerungen stellen, ist dabei mehr als nur eine Bühne, sie schreibt sich in den Roman ein und lässt uns Salz und Sonne aus den Seiten atmen.
Mit der Lobpreisung von Eine Liebe ohne Sommer (Öffnet in neuem Fenster) von Timothy Paul wollte ich eigentlich warten, bis ich unser Insta-Live für den 20.5. ankündige. Und so wird es auch gemacht. Aber das dauert mir doch entschieden zu lange, merke ich. Ich zitiere hier also erstmal den bewunderten Buchhändler Frank Menden: «Mitreißend geschrieben, mit Dialogen zum Mitsprechen, einem besonderen Humor und Figuren, die allesamt ans Herz wachsen: ein leicht daherkommender, aber nie seichter Roman, der hervorragend unterhält und den man nicht aus der Hand legen kann.» Frank Menden, Buchhandlung stories!
Die gerade erschienenen Kurzgeschichten Du, hier (Öffnet in neuem Fenster)von Julia Wolf haben mir beim Lesen ganze Welten geöffnet: »Bei jeder Geschichte das Gefühl: Oh, wow, die hier wird meine liebste. Diese Stories sind außergewöhnlich – abgründig und einfallsreich. Grandios!« Ich weiß, wie viele von euch immer nach Literatur suchen, in denen Frauen ausgetretene Wege verlassen: Das hier ist euer Buch! Und der perfekte Beweis, dass diesem Genre der kleinen Form jede Wucht eines großen Romans zuzutrauen ist.
Miriam Carbe eröffnet uns in Unerwünschte Töchter (Öffnet in neuem Fenster) eine Familiengeschichte, die gleichzeitig schmerzvoll und heilsam ist. Ihr großes erzählerisches Talent zieht uns durch ein ganzes Jahrhundert und bringt uns die Frauenfiguren doch so nah, als würden sie vor uns sitzen. Wir brauchen sie so dringend, diese Romane, die durch die Generationen streifen, Ursachen und Folgen für uns im Lesen fühlbar machen. Aber statt leichter Antworten mit wachem Blick die richtigen Fragen stellen. Miriam Carbe hat so einen Roman geschrieben. Wie gut, dass es ihn gibt!
März-Termine

Schon am 2.3. moderiere ich die Buchpremiere von Betty Boras Das Schönste aller Leben (Öffnet in neuem Fenster) in der Büchner-Buchhandlung (Öffnet in neuem Fenster).
Am 5.3. spreche ich im Instagram-Livestream mit Hannah Häffner über Die Riesinnen (Öffnet in neuem Fenster)
Am 9.3. spreche ich im Instagram-Livestream mit Mercedes Spannagel über Crashtest Dummies (Öffnet in neuem Fenster)
Am 10.3. moderiere ich eine Lesung mit Verena Lueken aus Alte Frauen (Öffnet in neuem Fenster). Gemeinsam sind wir im Gespräch mit drei portraitierten Frauen aus dem Buch: der Schriftstellerin Ulrike Edschmid, der Filmregisseurin Jeanine Meerapfel und der Tänzerin Katharine Sehnert für das Literaturhaus Berlin (Öffnet in neuem Fenster).

In Leipzig moderiere ich eine Doppellesung von Dara Brexendorf aus Paradise Beach (Öffnet in neuem Fenster) und Anna Katharina Scheidemantel aus Statt nur aus dem Fenster zu schauen (Öffnet in neuem Fenster). Einmal am Donnerstag, 19.3. in der Buchhandlung Siebter Himmel (Öffnet in neuem Fenster) (und dann nochmal am Freitag auf dem Messegelände).
Am 25.3. spreche ich im Instagram-Livestream mit Ruth Olshan über Immergrün (Öffnet in neuem Fenster).
Und am 31.3. spreche ich im Instagram-Livestream mit Shelly Kupferberg über ihren Roman Stunden wie Tage (Öffnet in neuem Fenster).
Podcast
Im Februar sind gleich zwei neue Folgen von unserem blauschwarzberlin Podcast erschienen.
Ludwig Lohmann und ich haben uns ausführlich mit den beeindruckenden Texten der Shortlist des Wortmeldungen-Literaturpreises befasst:
https://www.youtube.com/watch?v=9TtgDgJ4rFU (Öffnet in neuem Fenster)Und uns in der regulären Folge aus der Stabi Berlin über diese Bücher unterhalten:
https://www.youtube.com/watch?v=EKZEc_Kuihc&list=PLHXfoy62SnenCzBelNmziUu3XcLsAI-HY (Öffnet in neuem Fenster)An dieser Stelle lesen wir uns am ersten Sonntag im April wieder.
Bis dahin wünsche ich euch ein schönes Lesen.
Maria