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Radha, die Unbeschreibliche

by Ram das

Was kann ich über Rais Liebe zu Hari berichten?
Voll natürlicher Schönheit, ihren Körper zu sichten,
Geht sie begierig zum Rendez-vous.
Der Vollmond im Herbstwald leuchtet dazu. (1)

Sie trägt ein schneeweißes, enges Kleid,
Nicht ein blaues, wie bei anderer Gelegenheit.
Im strahlenden Mondlicht so deutlich und klar
Entdeckt man sie nicht, sie bleibt unsichtbar. (2)

Sie trägt weißen Lippenstift und weißes Tuch.
Ihr Schmuck ist weiß, selbst ihr Körpergeruch.
Der Schatten des Mondes kann ihr nicht folgen.
Niemand findet ihre Spur im Walde, der Holden. (3)

Es ist, als ob sie mit ihrer Schüchternheit verschmilzt.
Ihren Schmuck festhält, ihr Gesicht verschleiert.
»Oh Tulsi, nimm mich mit dir, deine Aufgabe erfüllst.«
Mit ihrer Sakhi Radha abhisāra feiert. (4)

Die Schriften sagen, Angst ist Gottesferne.
Doch Krishnas Freudenkraft hat die Angst auch gerne.
Die Angst ist ein Teil des Lilas,
Bereichert den Rasa, eine erregende Spielart. (5)

Radha hat Angst, entdeckt zu werden
Von ihrer Schwiegermutter Jatilas Gebärden.
Das erhöht die Spannung, die Erwartung auf mehr.
So eilt sie zum Liebsten, begehrt ihn so sehr. (6)

Ihre Sakhi hilft ihr, vertreibt ihre Sorgen.
Tulsi ist die Zuflucht Kishoris
Wie Kishori die Zuflucht Haris,
Bei dem wiederum alle Wesen geborgen. (7)

Ihre Sakhi ist eine Radha-dasi
Ihr Herz so schön, in Ekstase glüht sie.
Will Radha und Krishna allzeit vereinen.
Tulsis Glück kennt der Grenzen keinen. (8)

Der Lauf der Erfüllung geht unaufhaltsam.
Überwindet den Dickicht ihrer Älteren Scham.
Sie erscheint wie Eros’ Strahlen persönlich.
Trifft sie Kanu im Kunja voller Süße so sehnlich. (9)

Wo immer ihr Leib lustvoll leuchtet so weit,
Die Richtungen von Licht erfüllt weit und breit.
Wann immer ihre Augenbrauen sich aufstellen,
Wallen hoch der Yamuna schwellende Wellen. (10)

Wo immer Radhas Füße den Boden berühren,
Rote Blumen dort wachsen, die Liebe zu spüren.
Ihre Augen sind wie eine Biene, die den Nektar
Von Govindas Antlitz trinkt unersättbar. (11)

Wir brauchen Augen der heiligen Liebe,
Um Krishna zu sehen, was mit Radha er triebe.
Göttliche Augen sind’s, die das schauen,
Mit denen am Lila wir uns erbauen. (12)

Tulsi betritt mit Radha den Liebeshain.
Ihr Shyama schon wartet in Liebespein.
Tulsi hält Radhas Hand so fest,
Gib sie Krishna, zu führ’n sie zum Liebesnest. (13)

Die Wellen der Liebe kennen nun keine Grenzen,
Radha und Krishna im Bette sich wälzen.
Die Sakhi schließt ihre äußeren Augen,
Zu fühlen im Innern der Anziehung Saugen. (14)

»Nimm sie, oh nimm sie! Nimm deine Geliebte!«
Sie ist so voll Sehnsucht, ihre Gier nie versiegte.
Die Unbeschreibliche gibt sich Thakur ji hin.
Erfüllt so spiritueller Wahrheit höchster Sinn. (15)

Oh ja, meine Göttin, wie ich für dich weine,
Wenn du vor Angst im Walde alleine
Deine Augen bewegst, Blumen zum Blühen bringst.
Mit Liedern der Liebe deinen Liebsten besingst. (16)

Deine feuchte Sehnsucht die Angst überwindet.
Den starken Helden im Kunja findet.
Ihr fallt euch in die offenen Arme,
Verschmelzt eure Leiber, vorbei jede Harme. (17)

Tulsi findet kein Ende, wie diese Liebe nicht,
Die ohne Makel, keiner Fehler gebricht.
Sie ist raasa-bhava, vollendeter Tanz.
Und gleichzeitig Wissen, vollkommen und ganz. (18)


Inspiriert von Vilapa Kusumanjali, Vers 13, S. 56-58
Kommentar von Ananta das Babaji

 

English by ChatGPT:


Radha, the Indescribable

What can I say of Rai’s love for Hari? 
Her natural beauty shines up so clearly. 
She eagerly goes to the night rendezvous, 
While autumn’s full moon lights the forest anew. (1) 

She wears a pure white, tight-fitting dress, 
Not a blue one as on other days, I confess. 
In the bright moonlight, so vivid and clear, 
She stays unseen, though the world is near. (2) 

Her lips painted white, her veil pure and bright, 
Her jewels are white, and her fragrance so light. 
The moon’s own shadow can’t follow her grace, 
No trace of her feet in the forested space. (3) 

She seems to blend with her shyness divine, 
Holding her jewels, her face in decline. 
"Oh Tulsi, take me with you, fulfill your sweet duty." 
She celebrates love with Radha’s pure beauty. (4) 

The scriptures say that fear is distance from God, 
But Krishna's delight even welcomes fear’s nod. 
Fear plays its role in the Leela's grand art, 
Enhancing the Rasa, love’s thrilling part. (5) 

Radha is frightened to be found alone, 
By Jatila’s watchful and cautious tone. 
This heightens the tension, the longing so dear, 
She rushes to Krishna, in love’s burning sphere. (6) 

Her Sakhi consoles her, chasing worries away, 
Tulsi is Kishori’s refuge each day, 
Just as Kishori is Hari’s retreat, 
In whom all beings find shelter complete. (7) 

Her Sakhi, a Radha-dasi so pure, 
Her heart full of bliss that’s destined to endure. 
She longs to unite Radha and Krishna in love, 
Tulsi’s joy flows over from blessings above. (8) 

The path of fulfillment is steady and bold, 
Breaking through thickets of bashfulness old. 
She shines like a ray of Eros incarnate, 
Meeting Kanu in bowers of sweetness innate. (9) 

Wherever her lustrous limbs spread their light, 
Directions of radiance glow far and wide. 
Whenever her eyebrows arch high with desire, 
The waves of Yamuna rise higher and higher. (10) 

Wherever Radha’s feet touch the soft ground, 
Red flowers spring forth as love all around. 
Her eyes, like a bee, drink the nectar so sweet, 
From Govinda’s face—her joy so complete. (11) 

We need the eyes of divine holy love, 
To witness what Radha and Krishna dream of. 
God-given vision to see their sweet play, 
To taste the Leela in love’s grand display. (12) 

Tulsi leads Radha to love’s sacred space, 
Where Shyama awaits with a pining embrace. 
Tulsi holds Radha’s hand so tight, 
Guiding her love to her hero’s delight. (13) 

The waves of their passion know no more bounds, 
Radha and Krishna entwined in love’s rounds. 
The Sakhi then closes her outermost eyes, 
To feel the pull of attraction that lies. (14) 

"Take her, oh take her! Your beloved divine!" 
She longs for his touch, in passion’s pure line. 
The indescribable surrenders her soul, 
Fulfilling the truth of divine love’s goal. (15) 

Oh yes, my Goddess, how I weep for you, 
When alone in the forest, your fear shines through. 
Your glancing eyes make flowers unfold, 
Singing love’s song to your hero so bold. (16) 

Your burning desire overcomes every dread, 
Finding your hero where sweet love is spread. 
You fall into each other’s embrace so tight, 
Merging your souls, transcending the night. (17) 

Tulsi finds no end, as love knows no cease, 
Spotless and pure, in truth and in peace. 
She is raasa-bhava, the ultimate dance, 
And wisdom embodied in love’s endless trance. (18)


Inspired by Vilapa Kusumanjali, verse 13, pp. 56-58
Commentary by Ananta das Babaji


Literature:
Śrīla Raghunātha dāsa Goswāmī: Śri Śri Vilāpa Kusumāñjali, comments by Ananta dās Bābājī, Kolkata 2014

Artwork:
Ram das with Midjourney (AI generated)

Kategorie Poems

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