Straight, flared oder wide: Anna ist verwirrt, denn sie findet, ihr steht das alles gar nicht. Aber in Skinny Jeans herumlaufen ist so 2016 und fast peinlich vor ihrer Teenie-Tochter. Ihre Lösung: Fashion Coach Suzana Walz, die ihr erklärt, was man wie kombinieren kann und mit welchem Trick Skinny doch noch geht.

Ja, ich bin in der Jeanskrise- und es ist kein Ende in Sicht. Ich bin tendenziell eher klein, nicht gefühlt, aber in Zentimetern. 1,65 Meter halt. Und da sehen Jeans mit weitem Bein nicht unbedingt vorteilhaft aus. Oder wie kürzlich eine Verkäuferin zu mir sagte: “Das ist ein Märchen, dass kleine Frauen keine Jeans mit weitem Bein tragen können.” Mag sein, dachte ich, und fand, ich sah aus wie ein Wurfzelt im Spiegel. Die blaue “Quickie-Höhle”, hatte mein Mann mal für die Kinder gekauft, hatte ungefähr meine Silhouette. (Stand da wirklich drauf, kein Scherz!)
Es ist nun mal leider so, dass “wide legs” eben auch kräftigere Oberschenkel zaubern, quasi als Nebeneffekt, und ich habe Hüfte. Skinny steht mir eigentlich am besten, findet auch mein Mann, der immer nur “Furchtbar! schreit, wenn ich ihm mal wieder ein Foto aus einer Umkleide schicke. Zuletzt in O-Shape-Jeans, aber da musste ich selbst lachen. Mein Dilemma: Ich bin gerne modisch, am Puls der Zeit, Berufskrankheit einer Reporterin, Entschuldigung. Ich möchte nicht aussehen, als wäre ich im Jahr 2016 modisch hängengeblieben. Gleichzeitig möchte ich auch nicht den Eindruck vermitteln, als würde ich abends nur noch eimerweise Ben & Jerry´s essen.
Neulich sagte ich zu meiner Co-Autorin Vanessa, mit der ich unser neustes gemeinsames Buch im Thalia-Flagshipstore in Wien präsentieren durfte, beide in weiten Jeans: “Auf der Bühne sah ich ja nicht gerade zart aus. Die “wide leg” betont bei mir die Oberschenkel so.” Vanessa war entsetzt: “Gar nicht. Das sah sowas von hot aus.” Bei der nächsten Lesung trugen wir dann aber beide zur Abwechslung mal ein enges Bein. Sie flared, ich straight. Und ich hörte mich plötzlich sagen: “Ich wusste gar nicht mehr, dass du so lange Beine hast!” Fashionistas sagen ja immer: Trag, was du willst. Hauptsache, du fühlst dich wohl drin.” Das stimmt auch. Aber da war wieder die Sache mit dem Jahr 2016.
Anruf bei Fashion Coach Suzana Walz. Die muss es wissen, denn sie war Chefeinkäuferin bei C& A, Model und kleidet jetzt die erfolgreichsten Unternehmerinnen, Moderationen und Politikerinnen in ganz Deutschland ein. Ihr Geschäftsmodell: Sie räumt dir den Schrank auf, guckt, was man wie kombinieren kann, sortiert den Rest aus und geht, auf Wunsch, auch mit dir shoppen oder gibt Einkaufstipps. Perfekte Lösung für meine Jeanskrise! Viel Geld ausgeben wollte ich keins, aber gerne Ordnung in Schrank und Kopf.
Und so steht Suzana, die eigentlich studierte BWLerin ist, irgendwann in meinem Wohnzimmer und geht meine Garderobe durch, die sie zu meiner Erleichterung super findet. Ich habe offenbar genug, aber nicht zu viel. Und sie gibt mir ein paar Weisheiten mit auf den Weg, die eigentlich mit so etwas oberflächlichem wie Textilien gar nichts mehr zu tun haben: „Jeder Mensch braucht einen Anker, ein Schutzschild, “ erklärt sie mir: „Und dieser textile Anker ist für jeden etwas anderes. Bei Dir ist das ein großer Schal, Du brauchst Volumen obenrum, bei anderen kann das ein Gürtel, ein Halstuch oder hohe Schuhe sein. Für jeden ist es etwas anderes. Wir müssen es nur herausfinden.“ Tatsächlich fühle ich mich sicherer, je mehr wir um meinen Hals drapieren. Aus Pullovern werden Schals jeglicher Couleur. Ist wie mit meinem Mann, der als Architekt Wände auch immer nur als Vorschläge ansieht. Alles kann ein Schal sein!
Außerdem soll ich fleißig „layern“, da ich sonst Gefahr laufe, zu schnell zu spießig auszusehen. Endlich sagt´s mal jemand! Ich soll immer was gucken lassen, etwa einen Blusenärmel. Und wenn unten eng, dann lieber oben Volumen und umgekehrt. Wir ziehen ein paar alte hohe Stiefel aus dem Keller, die ich ganz vergessen hatte, und die “alten” Skinny Jeans sehen dazu fabelhaft aus. „Was wir auf keinen Fall mehr tragen, sind Skinny zu Sneakern, das ist wirklich 2016, “ erklärt Suzanna. Mit hohen Stiefeln und oben mehrere Lagen sieht der Look dafür alles andere als hängengeblieben aus!
Und während wir so gucken, was wie harmoniert, sagt Suzana noch so einen Satz, den ich nicht mehr vergessen kann: „Die meisten Frauen hängen in der Vergangenheit fest. Aber Mode verändert sich, der Körper verändert sich und dadurch sind die meisten Frauen unsicher und gestresst. Und sie sehen nur das, was sie stört.“ Ich fühle mich ertappt. Gleichzeitig ist es wohl auch normal, dass wir an dem hängen, was jahrzehntelang funktioniert hat?
Aber eins wurde mir auch klar, während wir von einer Jeans in die nächste stiegen: Manchmal muss man loslassen. Und das am besten mit einem Plan. Und so verließ ich ein paar Stunden später das Haus in einer weiten flared Jeans, um die ich bisher immer einen Bogen gemacht hatte, und einer Bluse, die ich hineinsteckte und krempelte. („Man muss krempeln, aber richtig, nicht wie Dieter Bohlen, sondern eher so depeche-mode-mäßig!“) Und: Ich fühlte mich großartig. Wir waren vorher auch alle Sneaker durchgegangen, um festzustellen, welcher am besten paßte. Augen auf bei den Tretern, kann ich nur sagen, macht einen Riesenunterschied! Eins war jedenfalls sicher: Meine Jeansfrage würde mich nicht mehr stressen.
Und wenn ich doch wieder Lust auf eine reine Skinnyphase haben sollte, dann zieh ich das durch. Mit viel Volumen obenrum, vermutlich im Herbst. Suzana hatte da noch einen Tipp: “Du brauchst nur die richtigen Stiefel dazu. Ein paar Cowboystiefel machen den Look modern.”
Na dann. Ihr findet mich im Schuhgeschäft.
Datum
19.06.2025
Kategorie
MOMLIFE & FAMILIE
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