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Warum Sternekoch Alexander Herrmann heimlich zum Biohacker wurde – und wie er jetzt anders isst, trinkt und lebt 

Warum sein Körper im Stress die Handbremse zieht und wie er ihn unterstützt

Alexander Herrmann wie man ihn kennt: In Kochjacke, die keiner je besser getragen hat. Foto Crédit: Nils Hasenau

Er kocht auf Sterne-Niveau, denkt aber heimlich wie ein Biohacker: Alexander Herrmann hinterfragt Routinen, optimiert Schlaf, Supplements und Stoffwechsel – und sagt Dinge, die man in der Genusswelt vermutlich eher seltener hört. Ein Gespräch über Spaß am Optimieren, kleine Schritte und warum für ihn Gesundheit das neue Statussymbol ist.

Alexander, du stehst für Genuss und Sterneküche. Was viele nicht wissen: Du bist ein ziemlicher Biohacker geworden. Was machst du konkret?

Es gibt heutzutage ein großes Bewusstsein dafür, was einem Mann eigentlich guttut. Bei mir fing das ganz banal an mit Ballaststoffen. Ich habe gemerkt, dass sie oft nicht reichen. Flohsamenschalen, Akazienfasern – das muss rein. Gerade im Stress, wenn ich vor der Kamera stehe, merke ich sofort, was passiert: Mein Magen-Darm-Trakt fährt runter, Handbremse rein. Andere kriegen Stresshaut – bei mir stoppt die Verdauung. Ich starte deshalb morgens nüchtern basisch. Meine Frau und ich trinken lauwarmes Zitronenwasser. Apfelessig kriege ich nicht runter, aber Zitrone funktioniert. Das heilt jetzt keinen Krebs – aber es kurbelt den Stoffwechsel an. Ich gebe meinem Körper die Chance, nüchtern gut zu starten mit meiner „Vitamin C- Dusche“ von innen. Danach gibt es Kaffee, schwarz, ohne Zucker, ohne Milch. Warum soll ich mir die guten Antioxidantien kaputt machen, indem ich ihn verwässere? Dieser Start in den Morgen verändert den ganzen Tag!

Was war deine Initialzündung, mit anderen Routinen zu starten?

Zwei Bücher haben mich wachgerüttelt: „Dumm wie Brot“ und die Ernährungsfibel von Bas Kast. Ich lese nicht viel, aber ich höre schon immer Hörbücher, noch vor dem ganzen Podcast-Hype. Da ging es um schwarzen Kaffee, Resveratrol, DHA. Ich dachte mir: Es schadet ja nicht, wenn ich das mal ausprobiere. So habe ich angefangen, meinen Körper und vor allem das Mikrobiom besser zu verstehen. Und dann öffnet sich eine riesige Bandbreite an Möglichkeiten.

Du optimierst auch deinen Schlaf und schläfst erhöht. Powerbed klingt nach Science-Fiction – was steckt dahinter?

Wir haben ein Bettensystem von Samina aus Österreich, das einen großen Unterschied macht. Ich habe früher nie darüber nachgedacht, dass schlechter Schlaf am Bett liegen könnte und habe das immer auf Stress geschoben. Mein Bett ist doppelt gefedert, aus Zirbenholz, außerdem leicht erhöht um 3,6 Grad. Dadurch liegt der Oberkörper höher, die Lymphe arbeitet besser, und du wachst erholter auf. Ich habe messbar bessere Tiefschlafphasen. Das Entscheidende ist aber die Erdungsmatte: Die liegt zwischen Matratze und Lattenrost und erdet dich so, als würdest du die ganze Nacht barfuß über Moos laufen. Anfangs war ich skeptisch, aber nach der ersten Nacht habe ich acht Stunden durchgeschlafen und bin aufgewacht, als wäre ich vier Jahre alt. Da wusste ich: Das ist kein Zufall. In der zweiten Nacht war es genauso. Dann habe ich das ganze Hotel mit den Betten ausgestattet und die Gäste sind begeistert.

Was sind die drei Dinge, die du jeden Tag machst – egal wie stressig es wird?

Zitronenwasser am Morgen. Schwarzer Kaffee ohne Zusätze. Und ich höre in mich rein: Was braucht mein Körper heute? Ich glaube nicht an starre Routinen. Mein Alltag ist nicht gleichmäßig, also darf mein System das auch nicht sein.

Welche Supplements bringen dir wirklich etwas – und was ist eher Selbsttäuschung?

Ich kann nicht sagen, dass es mir grundsätzlich besser oder schlechter geht durch Supplements. Mein Alltag ist einfach zu unregelmäßig – mal hektisch, mal ruhig, mal viel Schlaf, mal wenig, mal Stress, mal gar keiner. Deshalb ist es schwierig, ein klares Feedback zu bekommen. Eine Erfahrung war aber mehr als auffällig: Vitamin D3 in Kombination mit K2. Ich habe eine Zeit lang etwa 4000 I.E. täglich genommen, meistens 5–6 Tage die Woche und dann einen Tag Pause, damit der Körper sich nicht komplett daran gewöhnt. Einmal habe ich mich aus Versehen überdosiert über 10, 12 Tage.

In genau dieser Phase hatte ich drei extrem intensive Tage, an denen ich ständig unterwegs war, performen musste, viele Menschen getroffen habe – Fotoshootings, Events, Aufzeichnungen. Normalerweise kenne ich es, dass ich da irgendwann an meine Grenze komme, so ein klares Energie-Limit spüre. Diesmal war das nicht so. Das hat mich ehrlich überrascht. Ich hatte in der Zeit bis zu 100.000 I.E. – natürlich mit anschließender Pause. Das ist absolut keine Empfehlung, aber ich habe die Wirkung definitiv gespürt. Man kennt ja auch medizinische Anwendungen mit 20.000 I.E., aber das war schon eine andere Hausnummer.

Ansonsten nehme ich klassische Dinge: Vitamin C, etwa 2000 mg täglich. Auch wenn viel ausgeschieden wird, bleibt ja trotzdem etwas im System. Magnesium nehme ich morgens und abends, oft auch in unterschiedlichen Formen. Dann Q10, Selen und Zink – das merke ich vor allem an Haut und Haaren. Gerade Selen wird meiner Meinung nach unterschätzt, ein Mangel kann stärker wirken, als viele denken. Ich nehme auch Multivitamin-Kombinationen, einfach um eine gewisse Basis abzudecken, und wechsle da auch gerne mal durch. Dazu Vitamin-B-Komplex, Spermidin und Astaxanthin – solche Sachen baue ich immer mal wieder ein, auch ein Stück weit nach Gefühl.

Seit einigen Jahren nehme ich außerdem vegane Eiweißtabletten. Die haben eine gute Bioverfügbarkeit – etwa 5 Gramm am Morgen mit Zitronenwasser, dazu ein Probiotikum. Insgesamt komme ich so auf eine solide Eiweißbasis. Grundsätzlich glaube ich an Vielfalt. Ich finde, man sollte offen bleiben und Dinge variieren. Der Körper darf profitieren, aber er sollte sich nicht zu sehr an etwas gewöhnen.

Foto Crédit: Nils Hasenau

Du klingst sehr diszipliniert. Was sind deine Schwächen?

Ich esse, worauf ich Lust habe – aber ich merke, dass ich weniger Kohlenhydrate vertrage als früher. Da muss ich etwas sparen. Dann achte ich auf eine gute Eiweißquelle. Ich mag das Glas Rotwein, das Glas Bier und ich mag eine Schokolade. Das sind meine großen Laster und die lasse ich mir auch nicht nehmen.   

Wenn jemand nur 15 Minuten am Tag und maximal 100 Euro im Monat investieren kann – was würdest du empfehlen? Auch um nicht zu scheitern?

Klein anfangen. Zitronenwasser. Schwarzer Kaffee statt Zuckerbomben. Magnesium. Vitamin D. Und vor allem: Dranbleiben. Nicht perfekt sein wollen. Viele geben zu schnell auf: Man ist immer zu gnadenlos zu sich selbst. Dabei muss man einfach nur mal anfangen. Und dann ist es immer wieder dasselbe! Und wenn’s heute mal nicht geklappt hat mit dem gesunden Lifestyle, mein Gott, dann klappt es morgen halt wieder. Jede Biene sticht: Jede Kalorie, die du sparst, ist gespart und jede, die zu viel ist, ist zu viel. Eine gewisse Großzügigkeit sollten wir uns gönnen. Ich würde immer sagen: Kleine Schritte, Zwischenziele, eins nach dem anderen umsetzen. Dann ist alles fein.

Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft – wie werden wir essen in der Sterneküche? Auch gesünder? 

Die Spitzengastronomie war nie das Problem. Dort gibt es schon lange fermentierte Gerichte, viel Gemüse und insgesamt sehr hochwertige Lebensmittel. Das eigentliche Thema liegt im Alltag: Pommes, Burger, eine Ernährungskultur, die stark auf Kohlenhydrate ausgerichtet ist. Versuch mal, dich im Alltag wirklich gesund zu ernähren – das ist nach wie vor eine Herausforderung. Genau da liegt der Knackpunkt.

Was sich in den nächsten Jahren weiter manifestieren wird, ist zum Beispiel die alkoholfreie Weinbegleitung oder generell ein reduzierter Alkoholkonsum. Diese Diskussion gab es früher kaum, heute ist sie da und wird geführt.

Ein weiterer Punkt: Früher bist du zwei Stunden essen gegangen, heute eher vier. Aber du kannst in der Zeit nicht einfach 1,5 Flaschen Wein trinken. Also braucht es neue Lösungen. Früher gab es vielleicht ein Bier, das war eher die Ausnahme.

Mit Aperol Spritz und ähnlichen Getränken hat sich ein neuer Standard entwickelt. Der Alkoholkonsum ist gestiegen, oft kombiniert mit mehr Zucker. Diese ganzen Mischgetränke – Aperol, Alkopops, Bier mit Cola oder Kirschlikör – sind insgesamt deutlich süßer geworden.

Die neue Generation, Gen Z, wächst mit einem anderen Körperbewusstsein auf. Früher waren Statussymbole Dinge wie eine Rolex, ein großes Auto oder eine teure Handtasche. Heute sind die CEOs körperlich fit, leistungsfähig, durchtrainiert – und alle fragen sich: Wie machen die das? Der klassische, übergewichtige Geschäftsmann ist nicht mehr das Ideal. Es sind andere Typen gefragt – und Gesundheit wird zum neuen Statussymbol. Und das spiegelt sich auch auf dem Teller wider. 


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Kategorie LIFEHACKS & EMPFEHLUNGEN

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