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TENNIS UND TRAFIK

LITERATUR-KRITIK (Öffnet in neuem Fenster)

Golf- und Tennisclubs sind die Treffpunkte der Schönen, Reichen und Gebildeten. Oder derer, die zumindest vorgeben ein Großteil davon zu sein. In dem humorvollen Film Extrawurst haben wir kürzlich gesehen, wohin das führen kann (Öffnet in neuem Fenster), aber auch eine jüngere Publikation zeigt, welche Untiefen sich in den elitären Clubs auftun können.

Die Rede ist von dem Roman Kastanienallee und einer noblen, fiktiven Straße in einem gehobenen Wiener Bezirk (es ist nicht alles Berlin (Öffnet in neuem Fenster)). Eine bekannte Autorin mit dem Pseudonym Louise K. hat sich die Szenerie in der Wiener Schickeria erdacht, die im ebenfalls in der österreichischen Hauptstadt (Öffnet in neuem Fenster) residierenden Verlag Kremayr & Scheriau erschienen ist.

Der Tennisclub Leopoldshof ist einer der wesentlichen Handlungsorte, ein weiterer die Trafik (in Deutschland würde mensch wohl von einem Kiosk sprechen) von Hermann Hartl. Der Hartl ist zwar kein „wahres“ Mitglied der elitären Gesellschaft in der Kastanienallee, aber als Zeitungs- und Zigarrenlieferant eben doch derjenige, der alles über alle weiß. Ernst genommen wird der Trafikant von niederem von den feinen Herr- und Damenschaften aus Anwälten, Psychologen (Öffnet in neuem Fenster), Grundstücksbesitzern (Öffnet in neuem Fenster) etc. selbstverständlich nicht, wo kämen wir denn da hin?

Und dennoch weiß „der Hartl“ viel – seine Frau Heidi übrigens auch. Und sie wissen dieses Wissen und die Arroganz der Kastanien-Bohème für sich zu nutzen, ergattern hier einen Zusatzauftrag, da eine Kontoeinsicht oder sogar -vollmacht und vielleicht auch das eine oder andere Erbstück. Nur Tochter Jessica scheint eher die Chantal der Familie zu sein, um einmal in Fack ju Göthe-Märchenland-Kategorien zu denken.

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Egal, es gibt zahlreiche weitere Figuren (Öffnet in neuem Fenster), die auf die Bühne treten (Öffnet in neuem Fenster). Die Autorin schafft ein kleines Universum, das voller grotesker Figuren ist (Öffnet in neuem Fenster), die aber für sich genommen alle überaus stimmig sind und durchaus die Nobelviertel mitteleuropäischer Städte bewohnen dürften. Das macht die Geschichte doch sehr anschaulich. Wir begegnen Snobismus, Verrat und Intrigen, Betrug, Neid und Missgunst (Öffnet in neuem Fenster) und es ist eine Freude, sich dem zu widmen.

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Kastanienallee ist eine Lektüre, die zahlreiche Schauplätze aufmacht, unterschiedliche Perspektiven der Bewohner und Besucherinnen einnimmt und dadurch auch eine gewisse Dynamik entstehen lässt. Diese zieht ihre Leser*innen so sehr in den Bann, wie das zuletzt nur wenige Bücher geschafft haben.

Gleichzeitig lässt die Geschichte an Leichtigkeit, Humor und Satire wenig vermissen, ganz im Gegenteil. Es handelt sich um eine der witzigsten Lektüren, die mir zuletzt in die Finger gekommen ist. Nur ein Manko gibt es: Die vielen Schauplätze und Handlungsstränge werden am Schluss nur in Teilen zu einem Ende geführt. Manche bleiben unverwoben und offen.

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In der Biografie der Autorin heißt es, dass Louise K. bereits an weiteren Geschichten in der Kastanienallee arbeite, eine Fortsetzung also bereits in Planung sei. Das merken wir der Geschichte deutlich an und wer mit diesen losen Enden erst einmal nicht leben kann, sollte vielleicht besser mit dem Kauf warten, bis der zweite Band auch auf dem Markt ist. Für alle anderen gilt: Dieses Kastanienallee ist (noch) ein Geheimtipp für alle, die in grauen Zeiten ein wenig Eskapismus und humorvolle Lektüre suchen.

HMS

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Eine Leseprobe findet ihr hier (Öffnet in neuem Fenster).

Louise K.: Kastanienallee (Öffnet in neuem Fenster); September 2025; 264 Seiten; Hardcover, gebunden; ISBN: 978-3-218-01481-6; Kremayr & Scheriau; 25,00 €

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Kategorie Belletristik & Literatur

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