GrüGo aus dem Sommerloch! Eigentlich Zeit für Entspannung, zum Kraft tanken, aufrappeln nach schwierigen Zeiten. Nette Interviews vor malerischer Kulisse, keine kritischen Fragen, bisschen Urlaub, mit der neuen Flamme rumturteln, paar Sommerfeste, hier ein Weinchen, dort ein Würstchen. Laue Nächte, klebrige Hände vom schmilzenden Speiseeis des Tags. Denkste. Feuer über Deutschland! Wir gehen rein:
Thema Sommerinterviews:
Im ZDF saß mal wieder ein Faschist und wurde befragt, als sei er ein normaler Politiker. Ann-Kathrin Müller sprach im Spiegel dazu das Offensichtliche aus (Öffnet in neuem Fenster), ändern wird sich vermutlich aber nichts. Der Vorsitzende der Linken indes wurde etwas unsanfter angefasst, beim Thema Vermögenssteuer gibt's ja schließlich was zu verlieren (Öffnet in neuem Fenster).

Thema Wurst:
Markus Söder muss um sein wichtigstes Kulturgut bangen, denn nach neuesten Erkenntnissen kommt die Bratwurst evtl aus Thüringen (Öffnet in neuem Fenster) und nicht aus Franken. Die Nürnberger Bratwurst-Königin will sich deshalb mit dem Thüringer Bratwurst-Museum boxen. (Öffnet in neuem Fenster)

Thema Neutralität:
Die Bundesneutralitätsbeauftragte, die letztens aus Neutralitätsgründen erst Anstecker (Öffnet in neuem Fenster) und ein Antifa-Shirt (Öffnet in neuem Fenster) im Bundestag verboten hat, will auch mal in Ruhe den Sommer feiern. Und wo ginge das besser als bei einem CDU-Sommerfest auf dem Gelände des Finanziers von Julian Reichelts Bumsbude (Öffnet in neuem Fenster)? Gesagt, getan, die ehemalige Chefredakteurin des Sommelier-Magazins ließ vor Ort auch ihrer journalistischen Expertise freien Lauf und verglich die Arbeitsweisen der taz mit der vom Gastgeber finanzierten Hassschleuder (Öffnet in neuem Fenster). Ob ihre neue Flamme Jörg (Öffnet in neuem Fenster) dabei war, ist nicht bekannt, den beiden Turtelträubchen jedenfalls nur das Beste, möge die Beziehung Deutschland nutzen (Öffnet in neuem Fenster)!

Thema Kultur:
Wenn es abstruser Vergleiche bedarf, ist auch der Bundessprachpolizist Olfram Eimer nicht weit. Er bekennt sich stolz zum Hufeisen, nennt links wie rechts gleichermaßen schädlich für die Demokratie (Öffnet in neuem Fenster) und beruft sich dabei noch auf Thomas Mann, der passenderweise vor den Nazis ins amerikanische Exil floh. A pro pos Nazis – niemand hat vor hier Parallelen zur Sprachlenkung im Nationalsozialismus (Öffnet in neuem Fenster) zu ziehen, ein Geschmäckle hinterlassen das Verbot gendergerechter Sprache im Kanzleramt (Öffnet in neuem Fenster), die Forderung nach Selbigem im ÖRR (Öffnet in neuem Fenster) und die Drohung von Förderungsentzug für Institutionen (Öffnet in neuem Fenster), die gendern, dennoch. Immerhin lehnt er “jede bevormundende Spracherziehung ab.”
Thema Stimmung:
Himmelhochjauchzen, die ersten 100 Tage sind geschafft, Deutschland ist wieder wer? Es mag überraschen, aber in der Union ist die Stimmung eher semi (Öffnet in neuem Fenster). Der Nullsterne-General Linnemann schrieb sogar einen mehr oder minder selbstkritischen Brief an seine Partei. Aber woran hat es gelegen? Dass die aktuelle Regierung bereits jetzt noch unbeliebter ist als die vielgescholtene Ampel (Öffnet in neuem Fenster)? Lasst sie doch erstmal machen! Daran, dass der Bundeskanzler ohne viel Abstimmung plötzlich symbolisch weitere Waffenlieferungen nach Israel verweigert (Öffnet in neuem Fenster)? Die ca. 80 Millionen Euro Kosten für die Grenzkontrollen (Öffnet in neuem Fenster), die sich umgerechnet auf etwa 56.000€ pro Zurückweisung verbuchen? Jens Spahn, der nach neuesten Erkenntnissen als Gesundheitsminister Freunden Posten verschafft (Öffnet in neuem Fenster) und noch ein neues Email-Affärchen (Öffnet in neuem Fenster) am Hacken hat? Dass die Union Kraft ihrer Bundeslobbybeauftragten sich anschickt, ein zweites Mal die Solarindustrie abzuschießen (Öffnet in neuem Fenster)? Eigentlich läuft doch alles im Sinn der Partei, könnte man denken?
Thema Richterinnen:
Vielleicht ist es diese Sache mit der Richterin. Die wollte nicht mehr (Öffnet in neuem Fenster). Und hat dann auch noch deutlich gesagt, wieso sie nicht mehr wollte (Öffnet in neuem Fenster). Und dabei die Union kritisiert! Und rechte Kampagnen! Und die Medien! Insbesondere die FAZ! Unerhört. Die nicht namentlich genannte überregionale Tageszeitung ließ mittels dreier schwer gekränkter Männermeinungen binnen einen Tages keinen Zweifel daran, dass sie gemeint war. Und Juli Zeh war zwar nicht gefragt, aber sie hat direkt mal klargestellt, dass sie nicht zur Verfügung steht (Öffnet in neuem Fenster).
Sonstige Sommerlöcher:
Bei der SPD wird weiter geforscht, wofür das S im Namen steht. Neueste Idee: Bürgergeld als Darlehen an Flüchtlinge, die nicht arbeiten dürfen (Öffnet in neuem Fenster). Ein sozialdarwinistischer Geniestreich! Der CSD in Bautzen war ein voller Erfolg, die Polizei hatte allerdings keine Lust, Menschen auf dem Rückweg vor gewalttätigen Nazis zu schützen (Öffnet in neuem Fenster). Wenn die Polizei dich erschießt, passiert das meistens aus nächster Nähe (Öffnet in neuem Fenster). Und wenn in Gedenken an dich an Platz nach dir benannt werden soll, äußern sich liebe Mitbürgis derart besonnen im Internet, dass die Familie des Opfers darum bitten muss, es lieber doch nicht zu machen (Öffnet in neuem Fenster). Beinahe unbemerkt erscheint nun die vierte Ausgabe der Weltbühne. Der Herausgeber hat immer noch nicht gekündigt, obwohl sich auch dieses mal wieder ein Rechtsradikaler Autor ins Blatt verirrt hat.

Das wars.
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