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Trump in Venezuela und Karlheinz in Südtirol

Von Hasnain Kazim - Briefpapier / Trump und HateAid / Venezuela und Iran / Krüllkuchen / Metropoltheater

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hoffe, Sie hatten angenehme, freudvolle Weihnachtstage! Und ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr! Möge 2026 uns allen Glück bringen, Frieden, mögen wir gesund bleiben oder gesund werden, je nachdem!

Kürzlich war meine Schwiegermutter zu Besuch und hat gesehen, dass ich einen Brief erhalten habe, der geschrieben war auf Recycling-Briefpapier aus den Achtziger- oder Neunzigerjahren. (Übrigens von meiner Deutschlehrerin aus der siebten Klasse, von Uta W., die damals noch Uta D. hieß, und die mir schrieb, dies sei das älteste Briefpapier, das sie besitze; ein herzlicher Gruß an dieser Stelle!) Da sagte meine Schwiegermutter: “Ach, so etwas haben wir auch noch!”

Zu Hause suchte sie im Keller, und zu Weihnachten bekam ich von ihr unter anderem diese Schätzchen geschenkt:

Eine kleine Auswahl des wunderschönen Briefpapiers, das ich geschenkt bekommen habe.

Ja, es ist hässlich. Aber es weckt in mir nostalgische Gefühle. Ich erinnere mich, dass ich als Schüler auch solches Papier hatte: Briefbögen, bedruckt mit Mustern, die von Leuten kreiert worden waren, die offensichtlich zuvor irgendwelche Drogen konsumiert hatten. Psychedelische Muster auf gräulichem Papier. Aber auch lustige Motive auf herkömmlichem Papier.

Ich bin erstaunt über die Qualität des Papiers: keine Säureflecken, keine Stockflecken, es sieht aus wie neu. Wobei die Bögen aus Altpapier ja schon nicht neu aussahen, als sie noch neu waren … Und es lässt sich sehr gut mit Füller beschreiben: kein Durchbluten der Tinte, kein Ausfransen des Strichs, sehr ordentlich.

Ich schreibe ja relativ viele Briefe, von Hand, und der eine oder die andere wird in diesem Jahr also Post von mir bekommen auf solch wunderschönem Papier. Ich werfe doch keine Geschenke meiner Schwiegermutter weg!

Meinungsfreiheit?

Um die Weihnachtszeit machte die Runde, dass die USA für einige Menschen aus Europa ein Einreiseverbot verhängen. Das trifft auch zwei Vertreterinnen der deutschen Organisation HateAid, namentlich deren Geschäftsführerinnen Josephine Ballon und Anna-Lena von Hodenberg. Grund sei angebliche Zensur US-amerikanischer Online-Plattformen.

Mit HateAid hatte ich selbst schon zu tun und hatte mit beiden Frauen bereits Kontakt. HateAid unterstützt Menschen dabei, sich juristisch gegen Hass im Netz zur Wehr zu setzen. In meinem Fall richtete sich das gegen diverse Typen, die mich rassistisch beschimpften. Oft wurden die Verfahren eingestellt, weil die Verfasser letztlich nicht ermittelt werden konnten. In einem Fall wurde ein Mann, der mich beschimpft hatte, in München zu ein paar Tausend Euro Geldstrafe verurteilt.

HateAid hatte mich auf seine Äußerungen aufmerksam gemacht und vorgeschlagen, juristisch dagegen vorzugehen. Weil der Typ sich auch sonst ziemlich derb äußerte und sich in seiner Anonymität wohl besonders sicher fühlte, dachte ich mir: Okay, das versuchen wir mal. Und siehe da, er wurde ermittelt und verurteilt.

Hätte es zusätzlich zum Strafverfahren ein zivilrechtliches Verfahren gegeben, wäre ein eventuelles Schmerzensgeld nicht an mich, sondern an HateAid geflossen. Auf diese Weise - und durch staatliche Gelder - finanziert die Organisation sich. In diesem Fall verzichteten wir auf solch ein Verfahren.

Prinzipiell finde ich gut, gegen solche Typen vorzugehen. Ich halte es für richtig, dass durchgesetzt wird, dass auch das Internet kein rechtsfreier Raum ist und dass Leuten, die dort drohen und hetzen, die gesetzlichen Grenzen aufgezeigt werden. Der juristische Weg ist oft mühsam und kostspielig, viele Menschen wissen auch nicht, wie man ihn beschreitet. HateAid und die mit ihr kooperierenden Anwälte wissen da zu helfen. Ich finde das gut und habe deshalb vor einiger Zeit auch eine Lesung zugunsten dieser Organisation gemacht.

Dass HateAid und andere Organisationen nun im Rahmen des EU-Gesetzes über digitale Dienste als “trusted flagger”, also als vertrauenswürdige Hinweisgeber gelten, die illegale Inhalte auf Online-Plattformen melden, halte ich jedoch für problematisch. Es wurde fälschlicherweise behauptet, HateAid und andere würden nun Verfasser von Inhalten “bestrafen”, aber das ist nicht korrekt. Die Prüfung, ob ein Rechtsverstoß vorliegt, und die Bestrafung obliegt immer noch der Justiz, mithin dem Staat.

Aber auch die Hinweisgeberschaft und mehr noch die Tatsache, dass die Meldungen dieser Organisationen bevorzugt und vorrangig bearbeitet werden müssen, um schneller zu löschen, halte ich für falsch. Es muss grundsätzlich Aufgabe des Staates sein, diese Aufgabe selbst zu erledigen, und er muss jedem Hinweis nachgehen. Besonders problematisch wird es, wenn den Organisationen eine Einseitigkeit vorgehalten wird.

So heißt es bezüglich HateAid, diese Organisation helfe bei Hass und Hetze von rechts, aber nicht gegen Linksextremisten und Islamisten. Ich kann dazu nicht viel sagen, da ich bislang HateAid nicht um Unterstützung gebeten habe bei Fällen von Hass aus dem linksextremistischen und islamistischen Lager. (Stoff genug gibt es auch von dort, und vielleicht sollte ich das also demnächst einmal versuchen.) Aber die Vorwürfe wurden zum Teil sehr überzeugend und von Leuten vorgetragen, die ich für vertrauenswürdig halte.

Dass Hassrede, Terrorpropaganda, aber auch Urheberrechtsverletzungen bekämpft werden, halte ich für sehr wichtig. Das muss der Staat aber besser lösen als jetzt über "trusted flagger”. Die beauftragten NGOs sind faktisch keine NGOs mehr, weil sie dem Staat dienen, indem sie Aufgaben der Exekutive übernehmen. Sie werden dieser Aufgabe aber nicht gerecht, wenn sie im Verdacht stehen, politisch einseitig zu handeln.

Menschen, die für diese Organisationen arbeiten, die Einreise in die USA zu verweigern, wie Trump es tut, finde ich absurd.

“Was sagen Sie dazu?”

Häufig schreiben mir Leute, sie wünschten sich von mir eine Meinung über dieses oder jenes Thema. Ich habe natürlich nicht zu allem eine Meinung, schon gar nicht eine fundierte. Aber zu anderem, zumindest bilde ich mir das ein, schon. Und dann äußere ich mich gern. Zum Beispiel zu dem oben genannten HateAid-Einreiseverbots-Thema, wo mehrere mich fragten. Besonders häufig lese ich das jetzt zu Themen wie den Protesten in Iran oder dem Vorgehen der USA in Venezuela.

Was Iran angeht: Ich freue mich über die Proteste, die in dem Land seit Ende 2025 stattfinden. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die Anlass für den Ausbruch waren, sind ja nur die Oberfläche. Viele Menschen haben genug von diesem Regime, das die eigene Bevölkerung lange genug terrorisiert hat. Sollte das Mullah-Regime 2026 endlich stürzen, wäre das eine erfreuliche Wendung. Frühere Proteste haben das bislang nicht geschafft. Ich wünsche den Protestierenden also allen erdenklichen Erfolg!

(Ich hoffe, dass die Unterstützung für die Demonstranten hier bei uns noch wächst; in Berlin, wo man in Solidarität mit den merkwürdigsten Leuten auf die Straßen geht, sehe ich bemerkenswert wenig…)

Und was Venezuela angeht: Ich lese jetzt viele Vergleiche zwischen dem Vorgehen Trumps dort und dem Krieg Putins gegen die Ukraine - das finde ich hanebüchen. Soweit ich es überblicke, wollen die USA sich Venezuela nicht einverleiben. Sie sind gegen einen üblen Diktator vorgegangen. Das halte ich für begrüßenswert. Handeln sie im eigenen Interesse? Sicher. Außenpolitik ist immer interessengeleitet (außer vielleicht manchmal in Deutschland, wo man mehr oder weniger tolle Ideale verbreitet wissen will). War das Vorgehen der USA völkerrechtswidrig? Wahrscheinlich.

Und natürlich könnte China das Vorgehen Trumps als Rechtfertigung für einen Einmarsch in Taiwan nutzen. Als Kritiker wäre man dann in einer schlechteren Position, weil der eine einen Völkerrechtsbruch rechtfertigt, indem er auf andere zeigt und sagt: “Der macht das doch auch!” Außenpolitik ist ein bisschen wie Kindergarten, nur sehr viel gefährlicher.

Aber wenn ich dann aus der EU höre, man müsse “auf demokratische Prozesse setzen” und “die Opposition vor Ort stärken”, dann halte ich das für naiv. In Iran sehen wir ja, wie miserabel das funktioniert: ein halbes Jahrhundert Mullah-Regime. Wenn das das Ergebnis von Nichteingreifen und “Unterstützung demokratischer Prozesse” ist: na, herzlichen Dank auch! Ich sähe die Mullahs gerne in grauen Jogginganzügen und in Handschellen.

Fragt sich überall nur, wie es danach weitergeht. Funktioniert ein Regimewechsel von außen? Meist nicht. Selten doch.

Ich halte das Vorgehen der USA für kritikwürdig, aber für bei weitem nicht so kritikwürdig wie das Putins in der Ukraine. Und es ist auch nicht vergleichbar mit dem schon seit Jahren unverhohlenen Interesse Chinas an der Einverleibung Taiwans (das wir skandalöserweise immer noch nicht als Staat anerkennen).

Krüllkuchen, Knappkauk, Neujahrshörnchen

Kurz vorm Jahreswechsel habe ich Krüllkuchen gebacken, etwas, das ich aus meiner Kindheit aus der Oldenburger Region kenne. Ich bin ja dort geboren und habe meine ersten Lebenswochen in Rastede verbracht, wo Omi und Opi lebten, meine deutschen Herzensgroßeltern. Omi hat damals schon Krüllkuchen gebacken. Diese Tradition führe ich fort.

Ich mag das so sehr, dass wir uns vor ein paar Jahren auch ein spezielles Waffeleisen zugelegt haben und zu Silvester in Wien Krüllkuchen backen. Kürzlich habe ich in den “sozialen” Medien ein Foto vom Ergebnis veröffentlicht und bekam prompt Zuschriften, wie dieses Gebäck sonst noch genannt wird.

Im Plattdeutschen sagt man natürlich Krüllkoken, Neeijahrskook, also: Neujahrskuchen, ebenfalls Plattdeutsch ist: Rullekes oder Rullerkes. Außerdem, je nach Region oder Familie: Eisehörnchen, Neujährchen, Piepkuchen, Hüppen, Hippen, Bricelets, Brätzeli, Neujahrshörnchen, Knappkauk, Tröter, Eiserkuchen, Klemmkuchen. Wahrscheinlich gibt es noch ein Dutzend weitere Bezeichnungen.

Das Grundrezept ist relativ einfach, variiert aber wie die Namen. Manche tun Anis dazu (muss meinetwegen nicht unbedingt sein), andere Kardamom und/oder Zimt, wieder andere einen Schuss Rum oder Amaretto. Man kann auch Rumaroma nehmen oder Mandelaroma. Wieder andere geben den Röllchen mit Kakao etwas Farbe.

Mein Rezept ist dieses:

Zutaten ( für etwa 60 Stück oder mehr):
500 Gramm Kandis (ich nehme braunen Kandis)
750 Milliliter Wasser
250 Gramm Butter
500 Gramm Weizenmehl (in vielen Rezepten wird Type 405 empfohlen, ich nehme Type 700, das ich auch zum Pizzabacken verwende, das Ergebnis ist fantastisch)
2 Eier
1 Prise Salz
1 Prise gemahlene Kardamom-Samen
1 Prise Zimt

Sie sehen, das ist alles äußerst gesund und nahrhaft.

Zubereitung:
Kandis im Wasser erhitzen, bis er sich vollständig aufgelöst hat. Das Zuckerwasser abkühlen lassen. Butter in einem Topf schmelzen und ebenfalls abkühlen lassen. Nun die flüssige Butter in eine Rührschale gießen, Eier dazugeben und mit dem Mixer schaumig schlagen. Nach und nach das abgekühlte, vielleicht noch etwas warme, aber auf keinen Fall heiße Kandiswasser dazugeben. Anschließend Mehl, Salz und Gewürze unterrühren, so lange mixen, bis ein glatter, eher dünnflüssiger Teig entsteht. Den Teig nun abgedeckt mindestens zwei Stunden ruhen lassen, besser: über Nacht. Sollte er dann zu dickflüssig sein, ein paar Esslöffel Wasser dazugeben. Nun den Teig nach Bedienungsanleitung im Hörnchen-/Krüllkucheneisen backen und zu Rollen formen.

Bei Wikipedia heißt es sehr schön: (Opens in a new window) “Nach dem Auskühlen wird die Masse fest und ergibt ein splittrig mürbes Gebäck. Die Besonderheit der Hippenmasse liegt in ihrer Verarbeitung, denn sie kann nach dem Backen heiß geformt (gerollt oder gebogen) werden, weil das Gebäck erst nach dem Abkühlen fest wird.”

Die Bezeichnung “splittrig mürbes Gebäck” gefällt mir sehr gut. Man verbrennt sich beim Rollen der Teigplatten ganz schön die Finger, ich trage daher beim Backen und Biegen Baumwollhandschuhe.

Eine konische Holzform, mit der man richtige Tüten formen kann, besitze ich auch, aber ich verwende lieber den Stiel eines Kochlöffels, um gerade Rollen zu machen.

Ob sich die Anschaffung des speziellen Waffeleisens lohnt, müssen Sie selbst entscheiden. Man macht dieses Gebäck ja nicht allzu oft, hat aber dauerhaft noch ein Ding in der Küche stehen beziehungsweise in der Wohnung zu verstauen. Das spricht dagegen.

Allerdings mag ich Krüllkuchen so sehr, dass sich die Anschaffung für uns unbedingt lohnt. Und ein Familienmitglied meinte kürzlich, man könnte die doch auch prima im Sommer machen und essen. Das spricht dafür.

Ich mag Krüllkuchen am liebsten pur, zu einer schönen Tasse Ostfriesentee, mit Kandis und Wölkchen. Man kann sie aber auch mit Sahne (für die Österreicher unter uns: Schlagobers) oder mit Eis oder mit heißen Himbeeren essen. Und sie lassen sich sehr schön verschenken. In Keksdosen halten sie sich ein paar Wochen. Über die Haltbarkeit muss man sich bei uns allerdings keine Gedanken machen.

Karlheinz in Südtirol!

Das Metropoltheater München führt demnächst übrigens “Post von Karlheinz” in Südtirol auf: dreimal insgesamt, in Schlanders, Meran und Sterzing. Am 21., 22. und 23. Januar 2026. Freue mich, die eine oder den anderen dort zu sehen! Alle Infos finden Sie hier:

https://www.kulturinstitut.org/de/alle-veranstaltungen/post-von-karlheinz/ (Opens in a new window)

Ich wünsche Ihnen einen schönen ersten Sonntag im Jahr 2026, nochmals alles Gute für das neue Jahr, vor allem: Zufriedenheit! Wir waren neulich zu Besuch bei unseren über neunzigjährigen Nachbarn, und sie erzählten uns sehr eindrücklich, wie wichtig Zufriedenheit im Leben sei, selbst in schwierigen Zeiten. Das heißt nicht, antriebslos zu werden oder Ungehöriges kritiklos hinzunehmen oder die Lust an der Auseinandersetzung zu verlieren. Mitnichten. Aber doch ab und zu innezuhalten und zufrieden zu sein mit dem, was man hat oder wo man steht.

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Herzliche Grüße aus Wien,

Ihr Hasnain Kazim

P. S.: Frau Dr. Bohne ist der Auffassung, dass der wirklich sehr schöne Weihnachtsbaum ruhig noch weit bis in den Jänner hinein stehen bleiben kann. Recht hat sie.

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