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Mein kleiner Herbst am Meer

Forte dei Marmi in meinem Herzen

Im Sommer vor vier Jahren schrieb ich diese Notiz in mein Insta-Tagebuch: „Herrje, wenn der alte Mann wüsste, dass ich sein Haus im Universum bestellt habe… Seit vielen Sommern schlendere ich nun schon an seinem Casa Missoni in Forte dei Marmi vorbei und stalke ihn. Setze mich gegenüber ins Caffè Sambo und sehe ihm über den Rand meiner Espressotasse dabei zu, wie er mittags sein Fahrrad einparkt, nach Sonnenuntergang mit seinen Amici Karten vor der Haustür spielt und morgens noch vor dem Müllmann aufsteht, am Fenster lehnt und die Hand huldvoll zu einem Gruß hebt. Ich winke dann immer fröhlich zurück, auch wenn seine charmante Geste nie mir gilt…. Manchmal stelle ich mir vor, wie ich in einem langen Kaftan Spiegeleier auf seinem Herd brate, auf den kleinen Balkon trete, verwelkte Blätter von den Geranien zupfe und dem Juwelier gegenüber ein gut gelauntes Salve zurufe. Scusi, aber klingt das nicht wunderschön? Doch gestern, ich radelte gerade zu meinem Bastkörbchen-Dealer, packte mich kurz vorm Sambo die Melancholie. Mir tat plötzlich alles so leid, mein verwegener Immobilienwunsch, die Jahre, die vergehen, wie lange ich nicht mehr Rommé gespielt hatte, und überhaupt, was soll nur aus dem alten Mann werden ohne sein Zuhause? Also schüttelte ich mich, schluckte dreimal und beschloss mit bumperndem Herzen und ohne den geringsten Zweifel an meinem Tun, meine Bestellung im Universum zu stornieren. Manchmal muss man loslassen, um sein Herz neu zu füllen, nicht? Und dann: sich nicht mehr umdrehen, auf keinen Fall umdrehen! Ich tat es trotzdem, genau in dem Moment, als der Signore ans Fenster trat, um nach dem Rechten zu sehen. Hätte wetten können, dass er mir zugezwinkert hat….“

Warum ich die Geschichte heute, nach all den Jahren, nochmal auspacke? Weil sie a) eine meiner liebsten Geschichten ist und b) mich immer wieder daran erinnert, dass es nur einen richtigen Weg im Leben gibt: stets dem eigenen Herzen zu folgen. Auch wenn ich das Haus mit meiner noblen Geste verspielt hatte, habe ich doch so viel mehr gewonnen.

Immer, wenn wir zurückkehren nach Forte dei Marmi, habe ich es sehr eilig, in die Via G. Montauti zu kommen. Noch bevor ich meinen Koffer auspacke, meine Cremetöpfchen im Bad aufstelle und meine Urlaubslektüre auf dem Nachttisch deponiere, schwinge ich mich aufs Fahrrad. Dann tuckere ich fröhlich pfeifend durch die Sträßchen und umfahre im Salalom die Fußgänger wie Hindernisse in einem Computerspiel. Ich kenne den Weg im Schlaf. Die erste Straße links, dann 500 Meter geradeaus, vorbei an Louis Vuitton, Dior und Miu Miu auf der rechten und Loro Piana auf der linken Straßenseite, vor der Farmacia nach rechts, dann gleich die erste wieder nach links. Schon beim Abbiegen in die Via G. Montauti werfe ich einen hastigen Blick rüber auf die Hausnummer 5. Ich will mich einfach vergewissern, dass er da ist, dass es ihn noch gibt, dass es den Signore und all seine kleinen Routinen noch gibt, die diesen Ort für mich zu dem machen, was er ist: mein Ort.

Und wenn ich ihn dann entdecke, wie er da auf dem Stuhl vor seinem Haus hockt, mal Zeitung liest, mal ein chiacchierata mit Freunden hält oder einfach nur sitzt und guckt, dann, erst dann komme ich an. Erst dann kommt auch meine Seele hier an in dem eiscremefarbenen Badeort am Meer.

Ich stelle mein Fahrrad ab, nehme an dem kleinen Tisch gegenüber an der Hauswand im Sambo Platz, bestelle einen Caffe oder einen

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