
TEIL 41: VOM ZUSTIMMEN UND WIDERSPRECHEN
“Ich lobe den Herrn aus tiefstem Herzen. Alles in mir jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter. Denn er wendet sich mir zu, obwohl ich nur seine unbedeutende Dienerin bin. Von jetzt an werden mich alle Generationen glückselig preisen. Denn Gott, der mächtig ist, hat Großes an mir getan.Sein Name ist heilig. Er ist barmherzig zu denen, die ihm Ehre erweisen –von Generation zu Generation. Er hebt seinen starken Arm und fegt die Überheblichen hinweg. Er stürzt die Machthaber vom Thron und hebt die Unbedeutenden empor. Er füllt den Hungernden die Hände mit guten Gaben und schickt die Reichen mit leeren Händen fort. Er kommt seinem Diener Israel zu Hilfe und erinnert sich an seine Barmherzigkeit. So hat er es unseren Vorfahren versprochen: Abraham und seinen Nachkommen für alle Zeit!”
Evangelium nach Lukas 1,46-55
Zwei Texte an die ich in diesem Advent immer wieder denken musste, obwohl sie auf den ersten Blick vielleicht gar nicht besonders weihnachtlich klingen: Das eine sind die Zeilen aus dem Magnficat, die Maria vor der Geburt von Jesus spricht (oder singt?) und das andere ist das Gedicht Affirmation der in diesem Jahr im kubanischen Exil verstorbenen afroamerikanischen Freiheitskämpferin und Dichterin Assata Shakur. Den Musikinteressierten ist sie vielleicht bekannt als Paten-Tante des Rappers Tupac Shakur.
Ich sehe in ihrem Gedicht viele Spiegelungen und Anklänge an Marias Worte im Magnificat, die ich oben zitiert habe: Unterdrückung und erlebte Gewalt deren Zeugin sie geworden ist. Der Schweiß der Liebe und das Wunder der Geburt. Und vor allem die Hoffnung auf einen Heimathafen und die Ahnung, dass alle Mauern der Unterdrückung und Ungerechtigkeit und Diskriminierung eingerissen werden können (und werden):

Ich habe das Gedicht vor kurzem frei ins Deutsche übersetzt und für dich eingesprochen. Meine Übersetzung als Text findest du direkt unter dem Lesungs-Video.
https://www.youtube.com/watch?v=p5Ng9G3rqJg (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Zustimmung
Ich glaube an Leben.
Ich glaube an ein vorhandenes Spektrum
zwischen den Extremen.
Ich glaube an Sonnenlicht,
an Windmühlen und Wasserfälle,
an Dreiräder und Schaukelstühle.
Und ich glaube, dass Samenkörner zu Sprossen heranwachsen
und Sprösslinge zu Bäumen werden
mit der Zeit.
Ich glaube an die Magie der Hände
und an die Weisheit der Augen.
Ich glaube an Regen und Tränen
und an das Blut der Unendlichkeit.
Ich glaube an Leben.
Und ich habe gesehen, wie die Todesschar
durch den Torso der der Erde marschierte
und auf ihrem Weg Lehmkörper formte.
Ich habe die Zerstörung des Tageslichts gesehen
und blutdürstige Insekten, die angebetet
und freudig begrüßt wurden.
Ich habe gesehen, wie die Guten geblendet wurden
und wie die Geblendeten zu Verbündeten
des Verderbens wurden ohne dass es dafür viel gebraucht hätte.
Einfach so
Ich bin über Glassplitter gegangen,
habe Krähenkadaver und Brotreste gegessen
und den Gestank der Gleichgültigkeit eingeatmet.
Ich wurde von Gesetzlosigkeit eingesperrt und
von Hasserfülltheit in Handschellen abgeführt und
von Gier geknebelt.
Aber eines weiß ich:
Dass eine Mauer
immer nur eine Mauer ist und mehr nicht -
Sie kann eingerissen werden.
Ich glaube an Leben.
Ich glaube an Geburt.
Ich glaube an den Schweiß der Liebe
und an das Feuer der Wahrhaftigkeit.
Und ich glaube, dass ein verirrtes Schiff,
gesteuert von einer müden und seekranken
Besatzung am Ende nach Hause geführt werden kann.
In den Hafen.
Vielen Dank für Deine Unterstützung in diesem Jahr! Danke für Deinen Support, Dein Interesse, Dein Lesen, Dein Feedback! Es bedeutet mir viel, dass Du Teil meiner Community bist. Ich wünsche Dir und den Menschen, mit denen Du unterwegs bist, frohe Festtage, Zeit zum Pause machen und Innehalten, zum Feiern und Genießen, für Gemeinschaft und Gefühle.
Herzliche und hoffnungsvolle Grüße

PS.
Wenn du noch ein bisschen Licht für die Weihnachts-Tage brauchst, haben wir eins angezündet für dich:
https://youtube.com/shorts/eiMF0ap-akA?si=9UfctBLkLIM1O8b4 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)