Vor einigen Tagen war ich mit den Kindern am Strand, hier bei uns am Greifswalder Bodden. Und wie fast immer sahen wir kleine, fast durchsichtige Ohrenquallen im Wasser. Natürlich blieben sie auch von vielen anderen Badenden nicht unbemerkt und die häufigste Reaktion darauf war leider “Iiiiiih, ich hasse Quallen!” Wie so oft kommt diese Abneigung vermutlich daher, dass sie uns so fremd sind. Es fällt schwer, ihnen Mitgefühl entgegen zu bringen, da wir keine Gemeinsamkeiten finden während sie scheinbar orientierungslos um unsere Beine herumschwubbeln. Und ich verstehe auch, dass nicht jede*r das Gefühl von Wackelpudding an der eigenen Haut mag.

Doch Quallen sind wirklich vielseitige und faszinierende Tiere, weshalb wir heute einen genaueren Blick auf sie werfen. Tatsächlich bezeichnet das Wort “Qualle” keine eigene Kategorie von Tieren, sondern beschreibt einen Lebensabschnitt von Nesseltieren. Ich versuche, den Zyklus dieser Tiere möglichst kurz zu beschreiben, falls die Bio-Leistungskurs Stunden bei euch ähnlich lang her sind wie bei mir. Im Stadium, in dem die Nesseltiere als die uns bekannten Quallen frei im Wasser schwimmen, werden sie auch Medusen genannt. Hier pflanzen sie sich geschlechtlich fort, woraus Larven entstehen. Diese setzen sich am Boden fest und entwickelt sich zu einem sogenannten Polypen, äußerlich ähnlich einer kleinen Palme am Meeresgrund. Durch ungeschlechtliche Fortpflanzung schnürt der Polyp flache Scheiben seines Körpers ab, aus denen jeweils wieder einzelne Medusen entstehen, die im Wasser frei schwimmen.
Besonders spannend ist hier die Art Turritopsis dohrnii , bei der sich die geschlechtsreife, frei schwimmende Meduse ohne Fortpflanzung wieder zu einem Polypen, also ihrer sexuell unreifen Lebensform zurückentwickeln kann. Theoretisch kann sie ihren Lebenszyklus also immer wieder durchlaufen und ist potentiell unsterblich. Wer sagt denn da jetzt bitte noch “Iiiiih, wie eklig”, hä?! Wie super cool!
Ebenfalls spannend und wunderschön finde ich die Portugiesische Galeere, die tatsächlich nur optisch einer Qualle gleicht und die ich trotzdem in diesen Artikel schummeln möchte. Von außen erscheint die Portugiesischen Galeere mit ihren bis zu 50 Meter langen Tentakel zwar wie eine Qualle, tatsächlich besteht sie jedoch aus einer ganzen Kolonie von Polypen, also verschiedenen Tieren. Diese haben sich im Laufe der Evolution auf bestimmte Aufgaben spezialisiert: manche sind für die Nahrungsaufnahme verantwortlich, andere für die Fortpflanzung oder die Abwehr. Einzeln sind sie also nicht überlebensfähig. Nur im Verbund, in Form eines neuen Tieres, das Staatsqualle genannt wird, können sie funktionieren. So ein bisschen wie bei den Power Rangers, sie sich zu einem großen, unbesiegbaren Etwas zusammenfügen. Gut zu erkennen ist die Portugiesischer Galeere an ihrer etwa 30cm großen Gasblase, die im Sonnenlicht bläulich schimmert. Diese nutzt sie genau wie ihr namensgebendes Schiff: als Segel, um sich auf der Wasseroberfläche fortzubewegen.

In der Ostsee ist diese Staatsqualle, deren Tentakel bei Berührung einen brennenden Schmerz hinterlassen, zum Glück nicht heimisch. Doch auch hier gibt es Quallen (diesmal echte), deren Nesselgift zu unangenehmen Begegnungen führen kann. Die Gelbe Haarqualle, umgangssprachlich häufig als Feuerqualle bekannt, lebt sowohl in der westlichen Ost- als auch Nordsee. In den bis zu mehrere Meter langen Tentakel dieser Tiere befinden sich kleine Nesselkapseln, die unter hohem Druck stehen. Bei manchen Quallen beträgt er sogar das 70fache des Drucks in einem Autoreifen. Bei Berührung platzen diese Zellen auf, wodurch der Nesselschlauch heraus und in die Haut katapultiert wird, um dort ein Gift zu injizieren. Natürlich ist dieser Vorgang eigentlich für die Jagd gedacht, doch kann die Qualle nicht zwischen fliehendem Fisch und badendem Tourist unterscheiden. Der Prozess läuft automatisch ab. Bei uns Menschen löst der Stich der Gelben Haarqualle eine Entzündungsreaktion aus, die mit Schmerzen und Rötungen einhergeht. Menschen mit Vorerkrankung oder Berührungen an sensiblen Körperteilen können auch medizinisch ernstere Folgen haben. Deshalb ist es gut, sich an Stränden, an denen es möglicherweise Quallen geben könnte, zu informieren. Besonders die immer wärmeren Sommer und das sich durch die Klimakrise erwärmende Meer begünstigen, dass sich Feuerquallen immer weiter ausbreiten können.

Wie eingangs erwähnt, gibt es in unserer Ostsee außerdem die Ohrenquallen. Sie sind größtenteils durchsichtig und haben vier runde, rosa- oder orangefarbene Kreise in ihrem Schirm, die von oben betrachtet gut zu erkennen sind und bei denen es sich um ihre Geschlechtsorgane handelt. Ihre Nesselzellen sind für uns Menschen ungefährlich. Trotzdem möchte ich euch bitten, die Tiere zwar voller Faszination zu beobachten aber weder bewusst anzufassen, noch aus dem Wasser zu heben. Wir haben Respekt vor Kleinem und Großem, okay?
Für alle Quallenfans gibt es bei uns im Onlineshop einiges zu entdecken: wir haben mehrere Postkarten mit ihnen als Motiv und sogar ein Original der Portugiesischen Galeeren wartet noch auf ein neues Zuhause. Schaut gern HIER (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)vorbei.