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Politik ohne Beteiligung đŸ„’wird nicht mehr gekauft

Neue Lausitz Wochenende / 20. MĂ€rz 2026
DÖBBRICK IM FOKUS | Der Spreewaldverein und die Dorfbewegung Brandenburg laden am morgigen Sonnabend in die alte Schule nach Döbbrick. Der Ort gehört zwar zu Cottbus, hat aber eine lebendige Dorfkultur. „Dörfer im Fokus“ heißt die Veranstaltung ĂŒber Engagement und Zusammenleben, zu der Ehrenamtliche aus der Lausitz herzlich eingeladen sind. Zum Programm gehört ein Vortrag ĂŒber neue Nutzungen fĂŒr alte Kirchen. Zeit ist 10 bis 15 Uhr. 
Foto: Heimatverein Döbbrick (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
DÖBBRICK IM FOKUS | Der Spreewaldverein und die Dorfbewegung Brandenburg laden am morgigen Sonnabend in die alte Schule nach Döbbrick. Der Ort gehört zwar zu Cottbus, hat aber eine lebendige Dorfkultur. „Dörfer im Fokus“ heißt die Veranstaltung ĂŒber Engagement und Zusammenleben, zu der Ehrenamtliche aus der Lausitz herzlich eingeladen sind. Zum Programm gehört ein Vortrag ĂŒber neue Nutzungen fĂŒr alte Kirchen. Zeit ist 10 bis 15 Uhr. Foto: Heimatverein Döbbrick
Editorial
Lieber Leser, liebe Leserin,

die jĂŒngsten Wahlen zeigen was passiert, wenn Politik die BĂŒrger nicht anstĂ€ndig an Entscheidungen beteiligt. Das betrifft die Schließung von KrankenhĂ€usern ebenso wie die Verteilung von Strukturmitteln.

Wenn die Landratswahl im Kreis Spree-Neiße eine Abstimmung ĂŒber den Strukturwandel (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) ist, dann hat dieser Strukturwandel fĂŒrs Erste kein gutes Ergebnis erzielt. Die Kandidatin der AfD, die den Kohleausstieg ablehnt, bekam im ersten Wahlgang 42,41 Prozent der Stimmen. Der SPD-Vertreter in diesem Rennen - der einer der ranghöchsten Manager des Strukturwandels in Brandenburg ist - schaffte mit 20,44 Prozent den Einzug in die Stichwahl nicht. Obwohl die SPD-gefĂŒhrte Landesregierung die Lausitz seit seit sechs Jahren mit hunderten Jobs und mit vielen Milliarden Euro versorgt.

Das heißt nicht, dass der Strukturwandel falsch wĂ€re. Nur wĂŒrden ihn wohl viele Lausitzerinnen und Lausitzer anders machen. Was seit sechs Jahren im Braunkohlerevier passiert, ist eben nicht nur das Abarbeiten eines großen Förderprogramms nach klaren juristischen Vorgaben. Um es griffig zu beschreiben: Was passiert, ist vergleichbar mit dem Umbau eines Hauses. RĂ€ume bekommen einen neuen Zweck, WĂ€nde weichen, die KĂŒche kommt woanders hin - damit hinterher das Leben fĂŒr alle Beteiligten schöner und leichter wird.

Das ĂŒbertragen auf eine ganze Region ist der Strukturwandel infolge des beschlossenen Kohleausstiegs. Um im Bild zu bleiben: Man muss sich einig werden, ob die alte Schrankwand raus muss oder nochmal gestrichen wird. Solche Entscheidungen können nicht nur die berufenen Vertreter von Politik, Kommunen, Gewerkschaften und Konzernen treffen, die einst den Kohlekompromiss ausgehandelt haben. Auch die Menschen im Revier wollen mitreden, wenn in ihrem Umfeld Neues entsteht (wie ein Windpark) oder Altes verschwinden soll (wie ein Krankenhaus). Damit wĂ€ren wir in Elbe Elster.

Nicht gerÀuschlos durchboxen

Im kleinsten Kreis der Lausitz wurde Anfang MĂ€rz der Landrat förmlich aus dem Amt gejagt (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Nach 16 Jahren im Amt entschied sich die Regierungsleistung von Christian Jaschinski (CDU) an einem einzigen Thema: Er wollte statt der drei defizitĂ€ren Kreiskliniken kĂŒnftig nur noch eine Zentralklinik (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) erhalten. FĂŒr diesen Plan gab es vernĂŒnftige GrĂŒnde. Diese dĂŒrften den 35,5 Prozent der WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern eingeleuchtet haben, die Jaschinski in der Stichwahl ihre Stimme gaben.

Sein Fehler war, dass er diesen heiklen Reformprozess ohne Kommunikation und ohne Beteiligung durchziehen wollte. Das Ergebnis: Empörung und unerbittlicher Widerstand. In der Folge gaben 64,5 Prozent der Menschen im Kreis einem Kandidaten den Vorzug, der noch keine politische und administrative Kompetenz bewiesen hat. Doch hat Marcel Schmidt (parteilos) versprochen, dass alle drei KrankenhĂ€user bleiben, wo sie sind. Wo das Geld und das Personal dafĂŒr herkommen sollen, sagt er nicht.

Dieser Fall zeigt: Es geht nicht mehr ohne BĂŒrgerbeteiligung. Unliebsame Entscheidungen gerĂ€uschlos durchboxen und dann der Öffentlichkeit als alternativlos prĂ€sentieren - das geht nicht mehr. Solche Politik wird nicht mehr gekauft. Übrigens heißt Beteiligung nicht, dass fertige Top-Down-Entscheidungen in BĂŒrgerdialogen durchkommunziert werden, damit die Menschen sie gut und richtig finden. Auch so etwas kommt nicht mehr gut an. Das fĂŒhrt uns zurĂŒck zum Strukturwandel.

Zivilgesellschaft will mitreden

Schauen wir kurz zurĂŒck: Vor knapp sechs Jahren hat der Bund 40 Milliarden Euro fĂŒr die Kohlereviere freigegeben. Daraufhin baute Brandenburgs Landesregierung einen Förderprozess zugunsten der besonders betroffenen Kommunen, der Leag und der Gewerkschaften. Ziel war es, die regionale Wirtschaft von der Kohle auf neue EnergietrĂ€ger umzurĂŒsten. Und zwar so, dass die Leag - die einstige staatliche Braunkohlewirtschaft - weiterhin ein industrieller Großbetrieb mit vielen tausend BeschĂ€ftigten bleibt.

Sechs Jahre spĂ€ter hat sich die Sache anders entwickelt: Hausbesitzer haben Solaranlagen auf ihre DĂ€cher geschraubt. BĂŒrgerenergie-Genossenschaften finden ihre eigenen Antworten auf Fragen der Versorgungssicherheit. Derweil ist die Zukunft der Kraftwerksstandorte offen geblieben. In Boxberg, JĂ€nschwalde und Schwarze Pumpe hĂ€ngt nun alles an der Zuweisung von Gaskraftwerken und AnschlĂŒssen ans Wasserstoff-Netz. Um die Finanzierung von Schienenverbindungen streiten sich Bund und LĂ€nder wie eh und je.

Die ersehnte neue SchlĂŒsselindustrie ist noch nicht gekommen. DafĂŒr etwas anderes: Die Lausitz erlebt ein Gewusel an AktivitĂ€t. Vereine und Kulturinitiativen stellen ProjektantrĂ€ge. Neue Firmen sind entstanden. Eine Zivilgesellschaft formiert sich und will mitmachen. WĂ€ren diese BĂŒrgerinnen und BĂŒrger mal gefragt worden, ob sie einen Strukturwandel wollen, der dem Energie-Monopolisten mit Steuergeld einen dauerhaften Marktvorteil verschafft, hĂ€tten sie wohl EinwĂ€nde geĂ€ußert. Und wĂ€ren sie anstĂ€ndig beteiligt worden, wĂ€ren die jĂŒngsten Wahlen wohl auch anders ausgegangen. Wenn der erste Wahlgang in Spree-Neiße  die Abstimmung ĂŒber den Strukturwandel war, wird der zweite an diesem Sonntag die Entscheidung darĂŒber, wie Politik kĂŒnftig laufen soll. Schönes Wochenende.

(S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

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