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Zwischen Bibliophilie und Regalnotstand – oder: Warum mein Wohnzimmer langsam wie eine Triage für Obdach suchende Bücher aussieht

Es gibt eine existenzielle Dichotomie, die wohl jeden leidenschaftlichen Leser heimsucht: Soll man mehr Bücher kaufen und/oder mehr Bücher lesen? Meine Antwort ist seit Jahren klar – ja.

Denn Bücher sind nicht lediglich Objekte aus Papier und Druckerschwärze; sie sind veritable Lebenselixiere, Eintrittskarten in Paralleluniversen, kleine semantische Kathedralen, die sich Seite für Seite emporwölben. Und während andere Menschen Netflix in 8-Stunden-Blöcken inhalieren, fröne ich lieber der antiquierten, aber exquisiten Tätigkeit, Buch für Buch heimzutragen wie ein Schatzsucher, der seine Funde in den Schoß der Zivilisation legt. (Auch Netflix Marathon gibt's bei mir, aber ein neues Buch ist ein neues Buch, da verliert die Flimmerkiste)

Schon der Buchladen selbst gleicht für mich einer liturgischen Stätte: keine lärmende Musik, keine Überakustik, kein pseudoromantisches Geplärre, das Gespräche übertönt. Stattdessen: gedämpfte Stimmen, die sich im Flüsterton wie Seidenfäden verweben. Ein Raum, der zur Kontemplation zwingt, als wäre er die letzte Bastion gegen die akustische Enthemmung unserer Zeit.

Doch dann folgt das eigentliche Drama: Zuhause, wo Mama dringend mehr Regale benötigt. Die gegenwärtige Wohnarchitektur ist längst an ihre kapazitären Grenzen gestoßen. Bücher türmen sich wie Flüchtlinge auf Beistelltischen, Treppenstufen und Nachttischen, während das Wiesel begeistert seine Lesebrille putzt und die Wasserbüffelin im Nebel der Papierflut versucht, ein meditatives Ooooom zwischen Folianten und Fußnoten anzustimmen.

Natürlich weiß ich um die Ironie: Ich besitze mehr Bücher, als ich jemals in diesem Leben werde lesen können. Einem Unsterblichen stünde meine Sammlung zweifellos besser zu Gesicht. Und dennoch – beim Erwerb eines neuen Werkes oszilliert in mir ein unbändiges Glücksgefühl, als sei ich Mitinitiatorin einer Renaissance, ganz gleich, ob es sich um einen literarischen Klassiker, ein Fachbuch oder ein Werk handelt, das wohl eher in die Kategorie „nächstes Substitutionsopfer für die ungelesenen Vorgänger“ fällt.

Die Wahrheit lautet: Bücher sind keine Last, sondern eine stille Form der Sororisation zwischen Autorin und Leserin – schwesterliche Verbundenheit über Raum, Zeit und Themen hinweg. Sie sind Wissensspeicher, Trostspender und manchmal auch schlicht elegante Dekoration für Menschen, die glauben, ihre Wohnung müsse ihre geistige Grandezza reflektieren.

Kurzum: Ich habe nie genug Bücher. Regale schon gar nicht. Aber seien wir ehrlich: Wären wir zufrieden, wenn wir genug hätten? Wohl kaum. Der Zauber liegt im Übermaß, im abundanten Stapeln, in der stillen Freude, die ein Buch verspricht, auch wenn es erst in zwanzig Jahren geöffnet werden wird.

Lest ihr gern? Erzählt es mir.

Bleibt's xund

Eure Frau Kruemelkuchen

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