oder: Wenn das Wiesel eskaliert und die Büffelin betreutes Durchatmen anbietet

Es gehört zu den eher unerquicklich ironischen Volten meines Daseins, dass ich sehr genau weiß, wozu ich imstande bin.
Ich weiß, dass ich Kraft habe. Ich weiß, dass ich klug bin. Ich weiß, dass ich Dinge durchdringen, strukturieren, bewältigen kann. Kurz: Mein inneres Kompetenzprofil ist, nüchtern betrachtet, ausgesprochen promissorisch.
Und dennoch sitze ich gelegentlich da wie ein leicht überfordertes Möbelstück.
Mitten im Raum.
Mitten im Leben.
Mitten im eigenen Anspruch.
Und weine.
Nicht glamourös, nicht literaturpreisverdächtig, sondern eher… alltagskompatibel.
So ein „Ich-hab-jetzt-keine-Lust-mehr-auf-diese-Veranstaltung“-Weinen.
Mit Taschentuch. Mit leicht verquollener Würde. Mit einem Blick, der irgendwo zwischen existenzieller Tiefe und „wirklich jetzt?“ oszilliert.
Und selbstverständlich – selbstverständlich – ist es genau dieser Moment, in dem mein inneres Wiesel beschließt, in den Hochleistungsmodus zu gehen.
„Also pass auf“, sagt es, während ich noch schniefe, „wir könnten jetzt einen Masterplan machen. So einen richtigen. Mit Etappen, Unterzielen, vielleicht farbcodiert. Ich sehe da auch ein Spreadsheet. Oder drei.“
Ich starre es an.
Es strahlt.
Dieses kleine, hyperaktive Wesen, das sich offenbar für die Personalunion aus Projektmanagement, Motivationscoach und leicht manischem Zukunftsministerium hält.
„Wir könnten alles schaffen“, insistiert es weiter. „Also wirklich alles. Wenn wir uns nur…“ – hier macht es eine kleine dramaturgische Pause – „… zusammenreißen.“
Ah ja.
Ein Klassiker.
Das universelle Allheilmittel der ambitionierten Selbstüberforderung.
Bevor ich jedoch in einen rhetorisch wenig eleganten Gegenangriff übergehe, tritt sie hinzu: die Büffelin.
Langsam.
Unaufgeregt.
Mit jener gravitätischen Selbstverständlichkeit, die keinen Raum für hektische Lösungsarchitekturen lässt.
Sie setzt sich.
Schaut uns an.
Und sagt – nichts.
Was, in ihrem Fall, ungefähr so viel bedeutet wie:
„Wir machen jetzt erst einmal gar nichts. Und das ist vollkommen in Ordnung.“
Das Wiesel zuckt. Sichtbar irritiert.
„Aber… der Plan?“
„Der Plan wartet“, sagt die Büffelin – oder vielmehr: sie sagt es nicht, aber man weiß es.
Ich sitze zwischen ihnen.
Links: ein überbordendes Ideenfeuerwerk mit Tendenz zur Eskalation.
Rechts: stoische Gelassenheit in Reinform.
Und ich?
Ich weine noch ein bisschen.
Etwas weniger dramatisch jetzt. Eher… ausklingend.
Das Wiesel rutscht näher. Lehnt sich an mich.
„Also… vielleicht kein Masterplan“, murmelt es, plötzlich ungewohnt kleinlaut. „Vielleicht nur… ein Mini-Plan? So ein… niederschwelliger Einstieg?“
Die Büffelin nickt kaum merklich. Ein subtiles, fast aristokratisches Einverständnis.
Und ich atme.
Langsam.
Tiefer.
Weniger widerständig.
Irgendwann versiegt das Ganze. Die Tränen. Das Pathos. Der innere Monolog, der sich kurzzeitig für eine Tragödie hielt.
Ich schnäuze mich.
Sehr würdevoll. Also… relativ. Ok, die Würde hat dahin. Ich tröte und rotze.
Dann erhebe ich mich. Nicht mit Fanfaren, nicht mit heroischem Unterton. Eher mit dem diskreten Pragmatismus einer Frau, die weiß: Es geht weiter. Irgendwie. Und das reicht fürs Erste.
„Also gut“, sage ich.
Das Wiesel ist sofort wieder wach. „Plan?“
„Ein Schritt“, korrigiere ich.
Die Büffelin schaut zufrieden.
Ein Schritt.
Nicht mehr.
Aber auch nicht weniger.
Und während ich losgehe, leicht zerzaust, minimal regeneriert und mit einem inneren Begleitensemble, das irgendwo zwischen Zirkus und Zen-Kloster angesiedelt ist, denke ich:
Vielleicht ist das die eigentliche Kunst.
Nicht das große, makellose Funktionieren.
Sondern dieses leicht chaotische, gelegentlich tränennasse, aber dennoch beharrliche Weitergehen.
Mit einem Wiesel, das an alles glaubt.
Und einer Büffelin, die weiß, dass man zwischendurch einfach sitzen und heulen darf.
Und ich dazwischen.
Leicht überfordert.
Ziemlich lebendig.
Und, wenn man es wohlwollend formuliert, erstaunlich handlungsfähig.
Bleibt’s xund, eure Frau Kruemelkuchen
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