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Ich mag es nicht, wenn weltfremde Männer mich als süß etikettieren.

Dieses Wort, so beiläufig dahingesagt, ist kein Kompliment, sondern eine Verkleinerung.

Ich bin nicht sechs Jahre alt, trage keine Zahnlücken wie Trophäen kindlicher Unschuld und bin keine Projektionsfläche nostalgischer Harmlosigkeit.

Ich bin kein Plüschobjekt für emotionale Bedürftigkeit, kein handliches Haustier für wohlmeinende Streicheleinheiten, kein Teddybär mit dekorativer Funktion.

Ich bin eine erwachsene Frau.

Eine Frau mit Kontur. Mit Haltung. Mit Zumutungspotenzial.

Ich spreche aus, was andere lieber umkreisen.

Ich formuliere direkt, nicht aus Rohheit, sondern aus Respekt vor der Wahrheit.

Ich rede nicht um den heißen Brei, weil mir lauwarme Kommunikation suspekt ist.

Und ja: Das macht mich unbequem. Für manche sogar unerquicklich.

Doch Unbequemlichkeit ist kein Makel, sondern oft lediglich der Reflex jener, die intellektuelle Reibung scheuen.

Das Etikett süß dient dabei als rhetorisches Sedativum.

Es soll entschärfen, einhegen, nivellieren.

Es verschiebt die Aufmerksamkeit vom Gesagten auf das Äußere, vom Inhalt auf die Verpackung, vom Geist auf die Oberfläche.

Und genau hier liegt die eigentliche Kränkung.

Denn selbst jenseits der Mitte vierzig, selbst mit gelebtem Leben im Blick, Erfahrung in den Falten und Klarheit im Tonfall, wird Frau noch immer reduziert – sofern das Äußere „noch halbwegs passabel“ erscheint.

Als wäre Attraktivität eine Bringschuld.

Als wäre sie relevanter als Urteilskraft, Haltung oder sprachliche Präzision.

Süß ist dabei kein Adjektiv, sondern ein Machtinstrument.

Ein verkleideter Imperativ: Sei gefällig. Sei klein. Sei harmlos.

Und vor allem: Sei leise.

Ich bin nichts davon.

Ich bin nicht süß.

Ich bin präsent.

Ich bin denkend.

Ich bin sprechend.

Ich bin eine erwachsene Frau – und das ist mehr als ausreichend.

— Aus dieser Klarheit heraus verändert sich der Blick auf Komplimente selbst.

Ein Umstand, den ich nicht mag – und den ich mir nicht mehr schönrede.

Ja, man könnte vermuten, jenseits der Mitte vierzig sei man dankbar für Komplimente jedweder Couleur, allein schon deshalb, weil sie seltener werden, dünner gesät, vorsichtiger verteilt. Ein vermeintlicher Trostpreis der Zeit.

Doch – Hand aufs Herz – ich verrate euch etwas:

Komplimente verlieren ihre Relevanz. Still. Unaufgeregt. Nachhaltig.

Nicht aus Bitterkeit. Nicht aus Resignation.

Sondern aus einer neu gewonnenen inneren Autarkie.

Es ist uns nicht mehr wichtig, was andere von uns denken.

Es ist uns nicht mehr wichtig, was Männer von uns denken.

Es ist uns nicht mehr wichtig, ob wir gefallen, gefallen wollen oder gefallen sollen.

Und jetzt kommt’s – haltet euch fest, das Wiesel schlägt Purzelbäume, reibt sich die Pfoten und feiert ein inneres Konfetti-Gewitter:

Wir sind uns selbst wichtig.

Wir feiern uns.

Wir mögen uns.

Und – welch skandalöse Pointe – wir genügen uns.

In diesem Zustand innerer Souveränität verlieren jene halbseidigen Avancen ihre Wirkmacht:

Hey Süße.

Faszinierende Augen.

Du gefällst mir.

Du bist lieb.

All das wirkt plötzlich… obsolet.

Ein sprachliches Fossil.

Ein Relikt aus den Achtzigern, zusammen mit Schulterpolstern, Dauerwelle und der irrigen Annahme, weibliche Existenz definiere sich primär über Außenwirkung.

Diese Komplimente sind nicht böse gemeint – aber unerquicklich antiquiert.

Sie verkennen, dass sich der Referenzrahmen verschoben hat.

Dass Anerkennung heute nicht mehr von außen herandiffundiert, sondern von innen heraus getragen wird.

Wir brauchen keine verbalen Bonbons mehr.

Wir sind längst bei nahrhafter Kost angekommen: Selbstachtung, Klarheit, Selbstgenügen.

Und das Wiesel?

Das sitzt zufrieden daneben, kaut genüsslich auf diesem Gedanken herum und flüstert:

Endlich.

— Wer hier immer noch Bedürftigkeit wittert, verkennt die eigentliche Bewegung.

Ich meine: Keine Frau jenseits der vierzig wird plötzlich bedürftig, nur weil sie nicht mehr zwanzig ist.

Diese Annahme ist nicht nur falsch, sie ist eine intellektuelle Bequemlichkeit – und zudem unerquicklich antiquiert.

Im Gegenteil.

Endlich sind wir angekommen. Nicht äußerlich, sondern bei uns.

Endlich bewohnen wir unseren Körper nicht mehr wie ein Provisorium, sondern wie ein Zuhause.

Endlich können wir uns fühlen, ohne uns permanent von außen zu spiegeln.

Endlich sind wir keine People-Pleaser mehr, keine diplomatischen Dauerlächelnträgerinnen, keine emotionalen Serviceeinheiten.

Und – welch leise Revolution – endlich lieben wir uns.

Was also, bitte schön, sollte ein Mann uns in diesem Zustand noch geben können?

Was genau soll ein Kompliment bewirken, das sich aus der rhetorischen Mottenkiste speist?

Hey Süße.

Hey Babe.

Was ist der Zweck?

Welche Erwartung schwingt da mit?

Und warum sollte das für uns noch relevant sein?

Nein. So bedürftig sind wir nicht.

Nicht einmal annähernd.

Mein Wiesel insistiert vehement, sobald diese Worte den Raum betreten. Es stellt die Ohren auf, fletscht gedanklich die Zähne und denkt – nein, weiß – es besser:

Babe.

Süße.

Schneckchen.

Du gefällst mir.

Du bist süß.

Du bist lieb.

Nein.

Bin ich nicht.

Überhaupt nicht.

Und das ist nicht nur in Ordnung – das ist großartig.

Ich hege keinerlei Anspruch darauf, süß oder lieb zu sein.

Ich möchte auch nicht so wirken.

Ich bin nicht hier, um gefällig zu sein.

Nicht anschmiegsam, nicht dekorativ, nicht konsumfreundlich.

Du findest mich zickig?

Anstrengend?

Unbequem?

Hervorragend.

Dann greift meine natürliche Abschreckung.

Bleib mir vom Leib.

Ich liebe es.

Ich liebe alles daran.

— Aus dieser Haltung heraus folgt kein Rückzug, sondern ein klares, ruhiges Plädoyer.

Und so möchte ich ein Plädoyer aussprechen.

Kein lautes, kein schrilles, sondern eines von jener ruhigen, nicht verhandelbaren Klarheit, die sich einstellt, wenn man bei sich angekommen ist.

Ein Plädoyer für euch, Frauen.

Feiert euch selbst.

Lebt euch.

Genügt euch.

Und – das ist entscheidend – wehrt euch gegen Komplimente, die ihr nicht braucht, nicht mögt und nicht hören wollt.

Sie sind übergriffig. Punkt.

Denn warum, bitte, sollte man euch verkleinern?

Warum euch verniedlichen, euch „süß“ machen wie ein kleines Mädchen, wenn ihr längst eine gestandene Frau seid – mit Haltung, Erfahrung, Urteilskraft und innerer Statik?

Warum dieses sprachliche Schrumpfformat, wenn doch Größe das eigentlich Zutreffende wäre?

Es ist so einfach.

Und gerade deshalb so unerquicklich, dass es immer noch erklärt werden muss.

Und ja, erlauben wir uns an dieser Stelle auch eine klare, unverschnörkelte Warnung – oder nennen wir es einen Appell – an alle Männer:

Ihr dürft empfinden, was immer ihr empfindet.

Ihr dürft sehen, fühlen, denken, assoziieren. Das ist menschlich. Das ist erlaubt.

Aber – und jetzt kommt der Teil, den erstaunlich viele noch nicht verinnerlicht haben –

ihr müsst es nicht tippen.

Nein.

Fun Fact.

Ihr müsst es wirklich nicht tippen.

Das Handy verfügt über eine geradezu phänomenale Funktion: Man kann schauen.

Und dann weiter scrollen.

Und es lassen.

Eine grandiose Erfindung.

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