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Warum lehnst du Alkohol ab?

Meine Gegenfrage lautet seit einiger Zeit: Warum sollte ich es nicht tun?

Die Jahre der Pandemie liegen uns noch allzu nah unter der Haut. Lockdowns reihten sich aneinander wie schlecht geschnittene Perlen, soziale Einschränkungen wurden zur neuen Normalität, und ich selbst steckte mitten in intensiven Prüfungsvorbereitungen. Mein Nervenkostüm wurde mit Schokolade stabilisiert – nicht elegant, aber wirksam. Währenddessen inszenierte sich ringsum eine merkwürdige Form kollektiver Geselligkeit: Vormittägliche Cocktails über den Gartenzaun hinweg, bunte Gläser als Zeichen von Zusammenhalt, ein leichtfüßiges Kein Bier vor vier – das mit der rhetorischen Pirouette des Cocktails umgangen wurde.

Und dann, beinahe unmerklich, kippte etwas.

Ein, zwei Gin Tonic am Tag. Mit irgendetwas drin. Jeden Tag.

Zu viel.

Nicht dramatisch, nicht exzessiv, nicht auffällig – aber eindeutig zu viel. Ich erkannte diese neue Gewohnheit, diese schleichende Normalisierung, und zog die Konsequenz. Ohne Pathos, ohne Abschiedsrunde. Von einem Tag auf den anderen. Punkt.

Ich habe es nie bereut.

Im Gegenteil: Seitdem geht es mir spürbar besser. Und nein, mir fehlt nichts. Weder das Glas Rotwein am Abend noch der vermeintlich kultivierte Genuss zum Essen. Der Gedanke daran berührt mich nicht mehr. Er ist obsolet geworden.

Wenn ich feiere, wenn ich eingeladen bin, wenn Menschen um mich herum lachen und trinken, bin ich dabei. Präsenter denn je. Der Alkohol fließt – nur an mir vorbei. Und es tut gut. Klar zu bleiben. Wach. Verstehend. Vielleicht ist es gerade das: Ich lache mit, weil ich alles verstehe. Weil mein Geist nicht vernebelt ist, meine Reaktionsfähigkeit nicht verlangsamt, meine Wahrnehmung nicht gedämpft. Weil ich mir meine letzten funktionsfähigen Synapsen nicht freiwillig ertränke.

Was mich allerdings ermüdet, ist die Frage selbst:

Warum trinkst du nichts?

Alkohol ist ein Lösungsmittel. Nicht nur chemisch, sondern sozial. Er löst Hemmungen, ja – aber ebenso Beziehungen, Familien, Selbstachtung. Er zerstört leise, nicht spektakulär. Und genau das macht ihn so gefährlich.

Während der Corona-Zeit bin ich für wenige Wochen näher an diese Kante geraten, als mir lieb ist. Nicht tief, nicht abstürzend – aber nah genug, um zu begreifen, wie trügerisch diese vermeintliche Leichtigkeit ist. Wie rasch sich Gewohnheiten etablieren. Wie schnell aus einem „wird schon“ ein „gehört halt dazu“ wird. Ich habe es erkannt. Und ich habe gehandelt. Das war – für mich – das einzig Richtige.

Leider tun das nicht alle.

Zu viele trinken vor ihren Kindern. Sind betrunken vor ihren Kindern. Und ziehen die Familie mit hinein in etwas, das als harmlos verharmlost wird, obwohl es längst als neurotoxisch bekannt ist. Alkohol ist ein Nervengift. Kein Lifestyle-Accessoire. Kein Kavaliersdelikt.

Heute wissen wir: Schon geringe Mengen können nachhaltige Schäden verursachen. Vielleicht nicht sofort spürbar. Aber zuverlässig. Irgendwann.

Und so habe ich mich entschieden, die Jahre, die mir bleiben – wie viele es auch sein mögen –, nicht benebelt zu verbringen. Niemand weiß, wie viele Sommer noch vor uns liegen. Fünfundzwanzig? Dreißig? Weniger? Mehr? Niemand kennt die Variable. Aber ich möchte nicht selbst der Grund sein, warum ich sie nicht klar erlebe.

Ich möchte präsent sein für meine Kinder. Für meine Familie. Für meine Freundschaften. Für mein eigenes Leben. Ich möchte mir nicht später erklären müssen, warum ich Wahrnehmung, Gesundheit und geistige Beweglichkeit freiwillig aufs Spiel gesetzt habe. Alkohol verändert den Menschen. Er verändert Synapsen, Nervenzellen, neuronale Verschaltungen. Neuronen sterben. Kommunikation im Gehirn versiegt. Und mit ihr oft auch Charakter, Geduld, Feinheit.

Nein, ich trinke nicht.

Nicht aus Askese.

Nicht aus Überlegenheit.

Sondern aus Verantwortung – mir selbst gegenüber.

Denn niemand weiß, wie viele letzte Sommer noch kommen.

Aber ich weiß, wie ich sie erleben möchte:

wach, klar, zugewandt.

Und nun frage ich dich – ganz ruhig, ohne Anklage:

Was bedeutet für dich eigentlich Genuss?

Bleibt's xund eure Frau Kruemelkuchen

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