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Von Schiffen und Namen

Von Hasnain Kazim - Wiedersehen mit Böhnchen / Mohammed / Die Briefeschreiberin“ / Gorch Fock“ / Witzeerzähler / Linkspartei

Liebe Leserin, lieber Leser,

derzeit bin ich auf Lesereise: Neustadt bei Marburg, Heilbronn und Bad König. Wenn Sie diese „Erbaulichen Unterredungen“ erhalten, werde ich auf dem Weg nach Wien sein, nach Hause, und ich weiß schon jetzt, dass es eine überaus freudige Begrüßung durch Frau Dr. Bohne geben wird. Böhnchen dreht jedes Mal förmlich durch, wenn ich nach ein paar Tagen wieder nach Hause komme (und ich natürlich auch).

Nicht ganz so überschwänglich, aber doch stets freudig fällt die Begrüßung jeden Morgen aus. Ich kann Ihnen sagen: Das hebt die Stimmung sofort. So ein Hund ist ein Antidepressivum. Zumal man dann ja auch recht bald zur ersten Gassirunde hinaus muss, also kein Verweilen zu Hause, kein Zurückziehen in die Höhle, kein sofortiges Versinken in Arbeit.

Drei- oder viermal am Tag muss man hinaus, egal, wie das Wetter ist. Böhnchen ist seit bald vier Jahren bei uns, das macht inzwischen fast sechstausend Gassirunden, natürlich in der Familie aufgeteilt. Wir kennen fast alle Hundebesitzer in der Nachbarschaft, in unserem Bezirk und in den Nachbarbezirken kennen wir nahezu alle Straßen, Wege und Gassen; dem sozialen Miteinander ist so ein Hund sehr zuträglich.

Natürlich kann man das alles auch anders sehen: Ein Hund macht viel Arbeit, schränkt die eigene Freiheit ein, man ist nicht mehr so flexibel, auch und gerade was Reisen angeht, er kostet Geld und macht einem manchmal auch Sorgen, zum Beispiel wenn er krank ist. Und Haare lässt er, je nach Hunderasse, auch. Böhnchen zum Beispiel nicht zu knapp.

Aber es ist eine Frage der Perspektive. Nachher, wenn ich nach Hause komme, entschädigt allein die freudige Begrüßung dafür um ein Vielfaches. Zumindest sehe ich das so.

Mein Name ist Kaufmann

Vor einiger Zeit habe ich telefonisch etwas bestellt. Ich nannte meinen Namen.

„Hasnain Kazim.“

„Wie bitte?“

„Hasnain Kazim. Heinrich, Anton, Siegfried. Dann N, A, I und N. Der Nachname Kazim, mit Kaufmann, in der Mitte ein Z.“

„Alles klar.“

Einige Tage später kam die Lieferung an. Adressiert an Heinrich Anton Siegfried Kaufmann.

Ich erwäge, mich künftig so zu nennen. Künstlername: Heinrich Anton Siegfried Kaufmann.

Jedenfalls kam ich darauf, weil kürzlich wieder die Meldung die Runde machte, Mohammed (und Abwandlungen davon wie Muhammad, Muhammed, Mohamed und so weiter) sei erneut der am häufigsten vergebene Jungenname in Hamburg gewesen (und in Berlin und in Bremen und, wie ich vermute, in vielen anderen Städten; in England sogar landesweit). Darüber kann man natürlich nachdenken und reden. Ich habe aber auch den erwartbaren rassistischen, feindseligen undifferenzierten Unsinn dazu gelesen. Deshalb habe ich meine Gedanken dazu im „Spiegel“ aufgeschrieben. Sie können sie hier nachlesen (leider nur im Abo). (Si apre in una nuova finestra)

Die Kurzfassung: Natürlich sagt das etwas über die Veränderungen in unserer Gesellschaft aus. Und ja, klar, mit diesen Veränderungen gehen Herausforderungen und Probleme einher, über die wir dringend reden müssen und die politischen Handlungsbedarf erfordern. Nur können die kleinen Mohammeds nichts dafür. Es geht also darum, Probleme präzise zu identifizieren und zu benennen, ohne Vorurteile aufzubauen und zu pflegen. Das ist natürlich anstrengend, aber ich finde, es ist der richtige Weg.

Briefe schreiben

Eine Freundin hat mir kürzlich eine Postkarte aus England geschickt. 3,50 Pfund Porto, umgerechnet 4,15 Euro! Verrückt. Ich verstehe, dass immer weniger Menschen Postkarten oder gar Briefe schreiben und dass sich die Postzustellung daher ökonomisch immer weniger rechnet, aber schade finde ich es dennoch.

Von anderen Ländern aus soll es noch teurer sein – Dänemark, Ungarn et cetera.

Ich finde, wir sollten wieder viel mehr Briefe schreiben! Von Hand! Mit Füller und Tinte auf gutem Papier!

Und da fällt mir ein, dass mir diese Woche zufällig der Roman „Die Briefeschreiberin“ von Virginia Evans in die Hände gefallen ist. Es ist eine Sammlung von Briefen, die die Korrespondenz zwischen einer Frau, der pensionierten Juristin Sybil van Antwerp, und ihrem Bruder, ihrem Nachbarn, ihren Kindern, ihren Lieblingsautoren und diversen Weggefährten bilden.

Hin und wieder schreibt sie E-Mails, meist aber greift sie zu Füllhalter und Papier. Allein die Antwort auf die Mail eines Typen, der ihr schreibt, Briefe seien eine „altmodische und unpraktische“ Form der Kommunikation, ist so wunderbar, dass ich dieses Buch empfehle.

„Weiß ist das Schiff …“

Die „Gorch Fock“ ist unterwegs nach Amerika. Beziehungsweise inzwischen schon da. Das Segelschulschiff der Deutschen Marine wird gemeinsam mit vielen anderen Schiffen an den Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der USA teilnehmen. Geplant ist, am Unabhängigkeitstag, dem 4. Juli, in New York einzulaufen. Es ist die 189. Auslandsausbildungsreise des Segelschiffs, auf dem Offizieranwärter der Marine ausgebildet werden.

Ich selbst war vor 32 Jahren bei der 100. Auslandsfahrt dabei: von Kiel über Flensburg nach Funchal auf Madeira und weiter nach Dakar im Senegal. Wunderbar war das! Natürlich auch eine elendige Schinderei, mit wenig Schlaf, aber eben zugleich voller großartiger Erlebnisse. Zum 50. Geburtstag der „Gorch Fock“ im Jahr 2008 habe ich einmal darüber geschrieben. (Si apre in una nuova finestra)

Immer wieder, vor allem nach durchaus kritikwürdigen Ereignissen und Vorfällen, fragen manche: Wozu solch ein Schiff, warum segeln, weshalb nach alten Methoden navigieren? Man mag es so sehen oder so, aber ich bin überzeugt, dass man das seemännische Handwerk auf diese Weise am besten lernt. Zudem schweißt es die Mannschaft zusammen und stärkt den „Crewgeist“, wie es in der Marine heißt. Was genau das bedeutet, wäre Thema für ein ganzes Buch.

Ich hatte das Glück, 2023 wieder für ein paar Tage an Bord sein zu dürfen. Damals war noch Kapitän zur See Andreas Graf von Kielmansegg Kommandant. Seit bald zwei Jahren hat Kapitän zur See Elmar Bornkessel dieses Amt inne, der aus meiner Nachcrew stammt.

Er veröffentlicht auf Facebook regelmäßig Bilder und Berichte von der Reise Richtung Amerika. Zum Beispiel von der Ankunft auf Bermuda vor ein paar Tagen, von einem Aufenthalt in Norfolk, dem riesigen Stützpunkt der US Navy, wo derzeit die Segelvorausbildung der Kadetten läuft, die „Gorch Fock“ liegt dort zwischen Flugzeugträgern, oder von der Begegnung mit dem Schwesternschiff „Sagres“, dem Schulschiff der portugiesischen Marine, das eine bewegte Geschichte hat, die Sie hier nachlesen können. (Si apre in una nuova finestra)

Ach, wie gerne wäre ich auf dieser Reise dabei! Allein das Einlaufen in New York! Ich bin Elmar Bornkessel dankbar, dass er Einblicke in diese Reise gewährt; das ist nicht unbedingt selbstverständlich. Daher empfehle ich, ihm auf Facebook zu folgen. (Si apre in una nuova finestra)

Begegnung der Schwesternschiffe "Gorch Fock" (links) und "Sagres" - ein Moment, bei dem ich sehr gerne dabei gewesen wäre. Unten: Kommandant Elmar Bornkessel und eine Offizierin grüßen die Kameraden auf dem portugiesischen Schulschiff. (Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Elmar Bornkessel)

Erzähl einen Witz!

Ich bin kein guter Witzeerzähler, und meistens fällt mir auch keiner ein. Jedes Mal, wenn ich einen guten höre, sage ich mir: Den musst du dir unbedingt merken. Aber spätestens dann, wenn jemand sagt: „Erzähl mal einen Witz!“, ist er weg.

Jetzt habe ich einen gehört und schreibe ihn sofort auf. Den finde ich wirklich gut:

Putin stirbt und kommt in die Hölle. Wegen guter Führung darf er für ein paar Tage Urlaub in Moskau machen. Er geht in eine Bar und bestellt einen Wodka.

„Gehört uns eigentlich die Krim?“, fragt er den Barkeeper.

Der Barkeeper: „Ja, gehört uns.“

Putin: „Und der Donbass? Und Kiew? Gehört das auch uns?“

Der Barkeeper: „Ja, gehört alles uns.“

„Perfekt“, sagt Putin. Er trinkt seinen Wodka aus und möchte zahlen.

Der Barkeeper: „Das macht dann sieben Euro.“

Diesen Witz habe ich vergangene Woche auf „X“ gepostet. Lustigerweise haben einige ihn weitergesponnen. Besonders gelungen finde ich:

„Was? Sieben Euro?“

„Ja“, sagt der Barkeeper, „es gibt Rabatt aufgrund des Geburtstags unseres Präsidenten Volodymyr Zelensky.“

Und:

Dann lässt er sich eine Tageszeitung bringen und liest die Schlagzeile: „Grenzkonflikt zwischen der EU und China am Ural friedlich beigelegt!“

„Faschisten!!!!“

Ich habe jetzt einiges vom Parteitag der Linken gelesen, gesehen und gehört. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass der neue Parteichef die CDU, an der man natürlich einiges kritisieren kann, als „faschistisch“ bezeichnet und Boris Palmer einen „Helfer der Faschisten“ nennt; dass eine Partei, die den Kanzler, an dem es ebenfalls einiges zu kritisieren gibt, den „dahergelaufenen Friedrich“ nennt, „das System zerstören“ will, das Grundgesetz verachtet und die „Internationale“ singt. Deutsche Nationalmannschaft während der WM anzufeuern (und das sage ich als jemand, den Fußball wirklich null interessiert): „Faschismus!!!“ Aber dann Palituch um den Hals wickeln und religiöse Fanatiker feiern … Eine Partei, die unverhohlen an der Seite Putins und von Islamisten steht. Ich finde: Diese Partei ist um keinen Deut besser als die „AfD“ oder das BSW. Und wer meint, so sei das eben im Wettbewerb der Parteien: Nein, so sollte es nicht sein. So zerstört man Demokratie, so zerstört man unsere verfassungsbasierte Ordnung, so ebnet man Extremismus den Weg. Unwählbar.

In der vergangenen Woche gab es ja in Sachen Iran Unterschriften. Hier wird gefeiert, dass die Kraftstoffpreise wieder sinken. Für die Iranerinnen und Iraner, die ein Problem mit dem dortigen Steinzeitregime haben, bleibt nicht nur alles beim Alten, es wird jetzt mit diesen alten, rachsüchtigen, fanatischen Typen wahrscheinlich alles noch schlimmer. Dazu könnte man noch viel mehr schreiben, allein: Mir fehlt die Lust. Es ist alles so frustrierend.

Ich wünsche Ihnen dennoch einen angenehmen Sonntag sowie eine schöne Woche! Herzliche Grüße aus dem derzeit sommerlich heißen Heilbronn,

Ihr Heinrich Anton Siegfried Kaufmann

P. S.: Ich freue mich, wenn Sie die „Erbaulichen Unterredungen“ mit einer Mitgliedschaft unterstützen.

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