Von Hasnain Kazim - “Der Islam und ich” / Iranisches Kriegsschiff / Ländle
Liebe Leserin, lieber Leser,
eine aufregende Woche liegt hinter mir - und eine aufregende Woche steht bevor. Am Mittwoch, 11. März, erscheint mein neues Buch “Der Islam und ich. Was mich meine Familie, meine norddeutsche Heimat und mein Leben in muslimischen Ländern über den Islam gelehrt haben”. Das Hörbuch ist schon ab dem morgigen Montag herunterladbar. (Si apre in una nuova finestra)Das ist, auch wenn es mein zehntes Buch ist, immer noch aufregend. Natürlich anders als beim ersten, es ist wie bei Kindern, aber aufregend ist jedes für sich. Das erste Exemplar, das per Kurier oder Express-Sendung eintrifft, die Premiere, die ersten Reaktionen.
In den zurückliegenden Tagen war ich dafür unterwegs, habe unter anderem mit Paul Ronzheimer darüber und über Iran gesprochen:
https://www.youtube.com/watch?v=Y83u_-9nHtw (Si apre in una nuova finestra)In den kommenden Tagen, Wochen und Monaten liegen nun viele Termine an, am morgigen Montag geht es los: Da ist Vorpremiere im thüringischen Mühlhausen, veranstaltet von der Buchhandlung C. Strecker, in der dortigen Stadtbibliothek, die in einer schönen Kirche untergebracht ist. Hier sind die Infos dazu, ich freue mich, die eine oder den anderen zu sehen! (Si apre in una nuova finestra)
Am Tag darauf, am Dienstag, ist die offizielle Premiere im Pfefferbergtheater in Berlin, im Gespräch mit Michel Abdollahi. Jemand schrieb mir vergangene Woche: “War klar, dass sich zwei Musel auf der Bühne feiern!!!!” Was soll ich dazu sagen? Und ob wir feiern werden! Auch da freue ich mich, die eine oder den anderen zu sehen! Hier alle Infos dazu. (Si apre in una nuova finestra)
Durch die Ereignisse in Iran bekommt das Buch eine gewisse Aktualität, Iran spielt darin eine Rolle. Ich habe es Ende 2025 geschrieben, da wusste ich natürlich nicht, welche Entwicklungen die Geschicke des Landes nehmen würden. Aber dass dieses Land meinen Blick auf Islam seit meiner Kindheit geprägt haben, trifft immer noch zu, und das beschreibe ich.
Ich bin gespannt, was noch kommt!
Das iranische Schiff
“Frieden schaffen ohne Waffen!” Oder: “Stell dir vor, es ist Krieg, und niemand geht hin!” Ich finde solche Sprüche und, mehr noch, die pazifistische Haltung dahinter sympathisch. Ich finde sie aber auch sehr, sehr naiv.
Vergangene Woche sagte der Linken-Politiker Bodo Ramelow, einstiger Ministerpräsident in Thüringen und meiner Meinung nach einer der wenigen halbwegs vernünftigen Politiker seiner Partei, im Gespräch mit Paul Ronzheimer (Si apre in una nuova finestra), man solle “mit der Kerze in der Hand” und “Keine Gewalt!”-Rufen gegen die Mullahs demonstrieren, die Angriffe der USA und Israels verurteile er aber. Ich bin mir sicher, die Mullahs werden sich davon extrem beeindrucken lassen und werden nach 47 Jahren Herrschaft sagen: “Okay, dann treten wir zurück”…
Mich lässt dieses Naivität fassungslos zurück.
Aber ich verstehe das Unbehagen, den Widerwillen gegen Gewalt, die Sorge, ja: Angst. Menschen sterben. So ist das im Krieg. Krieg ist immer gewalttätig, und das Reden und Schreiben über Krieg immer auch ein Stück weit zynisch.
Vergangene Woche versenkte ein U-Boot der US-Navy ein iranisches Kriegsschiff, die IRIS “Dena”. IRIS steht für “Islamic Republic Iran Ship” und ist jedem Namen eines iranischen Marineschiffes vorangestellt, so wie jedes britische Schiff HMS vor dem Namen trägt, für “Her/His Majesty’s Ship”, was ich sehr elegant finde, oder jedes deutsche Schiff der Marine FGS für “Federal German Ship”. IRIS klingt da natürlich schöner.
Die IRIS “Dena” wurde von der iranischen Regierung 2015 in Auftrag gegeben und 2021 in Dienst gestellt. Sie hatte 180 Mann Besatzung. Mindestens 80 sollen bei dem Angriff, dem ersten dieser Art per Torpedo seit dem Zweiten Weltkrieg, gefallen sein. Das Schiff hatte an einer multinationalen Übung teilgenommen, lag zuletzt an der Ostküste in Indien im Hafen und war auf dem Weg zum Heimatstützpunkt Bandar Abbas. Versenkt wurde es in internationalen Gewässern, im Indischen Ozean, vor der Küste Sri Lankas.
Es gab viele Kommentare, wonach das “kein legitimes militärisches Ziel” gewesen sein. Das ist Unsinn. Es war ein Schiff einer Kriegspartei, eine Kampfeinheit des Iran, und damit klar ein militärisches Ziel. Ich kann nachvollziehen, dass die US-Navy es angegriffen und ausgeschaltet hat. Ziel des jetzigen Vorgehens ist ja, die militärische Infrastruktur des Mullah-Regimes so stark wie möglich zu zerstören. Die Versenkung der IRIS “Dena” ist Teil davon.
Aus militärischer Sicht ist das ein Erfolg. Aus Sicht eines früheren Marinesoldaten weiß ich aber auch: Da sind Soldaten gestorben, Söhne, Väter, Ehemänner, Brüder. Ich halte den Schlag für richtig. Aber ich freue mich nicht darüber. Ich habe null Mitgefühl für das Regime in Teheran. Ich freue mich, dass diesen Mullahs ein schwerer Schlag versetzt wird. Mit den Marineleute habe ich dennoch Mitgefühl. Ist vielleicht schwer nachvollziehbar für andere. Aber es ist so.
Wahl in Baden-Württemberg
Nachdem ich sechs Jahre in Heilbronn gelebt habe, im Schwäbischen, bin ich ja im Herzen Schwabe. Heute wird in Baden-Württemberg gewählt. Zum Glück lebe ich dort nicht mehr und muss dort nicht wählen, sonst hätte ich heute ein Problem, das viele Menschen dort haben. Wobei, man muss es so sagen, ein Luxusproblem ist.
Der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir und der Frontmann der CDU, Manuel Hagel, liegen in Umfragen gleichauf. Lange Zeit sah es so aus, als würde Hagel gewinnen und den bisherigen Minischderpräsidenten Kretschmann von den Grünen ablösen. Es wäre quasi eine Rückkehr zur Normalität gewesen, denn seit Ewigkeiten hatte im Ländle die CDU regiert, alles andere war undenkbar, bis vor 15 Jahren tatsächlich, ogottogott, ein Grüner an die Macht kam. Es wurde Deutschlands erstes Grün-Schwarz.
Entweder wird es wieder Grün-Schwarz, mit Özdemir an der Spitze, oder Schwarz-Grün, denn dass die SPD oder die FDP, für die Baden-Württemberg immerhin Stammland ist, etwas zu sagen haben, ist sehr unwahrscheinlich.
Das Problem, das viele Menschen in Ba-Wü haben (und auch ich, aber nur halbwegs, denn ich muss ja, wie gesagt, nicht wählen heute): Bei der einen Partei finde ich den Spitzenkandidaten super, kann aber mit der Partei nicht viel anfangen, bei der anderen finde ich das Parteiprogramm insgesamt besser, erscheint mir aber der Spitzenkandidat aber nicht so wirklich fähig.
Wie auch immer: Viel Glück und Erfolg und eine gute, reibungslose Wahl! Möge der Bessere siegen! Ich mache zur Feier des Tages, so oder so, Maultäschle!
Ich wünsche Ihnen einen geruhsamen Sonntag - es ist Weltfrauentag! - und eine angenehme Woche! Sollten Sie in Mühlhausen, Thüringen, oder in Berlin sein, freue ich mich, Sie zu sehen!
Herzliche Grüße aus Wien,
Ihr Hasnain Kazim
P. S.: Ich freue mich, wenn Sie die “Erbaulichen Unterredungen” abonnieren oder als “Mitglied” unterstützen!