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WM 2026: Lagebild – 12. Juni 2026

Für Bosnien ist es ein großer Erfolg, an der WM in Nordamerika teilzunehmen. Zuhause gefährden Kriegsfolgen und Separatismus die Stabilität im Land. Kann der Fußball helfen?

Dieses eine Bild blieb hängen: Tausende Fans feierten auf der Straße in Sarajevo, die auf das Ewige Feuer, ein Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs, hinführte. Eine Drohne zeigte von oben begeisterte Menschen mit Pyrotechnik oder der Lilien-Flagge in der Hand.

Oberhalb des Ewigen Feuers, auf einem kleinen Balkon, standen die Fußball-Nationalspieler, die ihr Glück kaum fassen konnten und die Feierlichkeiten mit ihren Smartphones aufnahmen.

Kurz zuvor hatte sich die bosnische Fußballnationalmannschaft der Männer für die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko qualifiziert – durch einen Sieg im Elfmeterschießen im Play-Off gegen Italien. Direkt danach ging es per Mannschaftsbus auf die etwa einstündige Reise vom Spielort Zenica in die Hauptstadt.

Überschwängliche Freude für die Menschen in Bosnien und Herzegowina, das gehört nicht gerade zum Alltag der drei Millionen Menschen im Land. 31 Jahre nach dem Dayton-Abkommen, das den Frieden zwischen Kroaten, Serben und Bosniaken sicherstellen soll, gilt Bosnien als ein failed state, die Wunden des Krieges in den 1990er Jahren sind immer noch überall präsent.

Mit drei Präsidenten (einem Bosniaken, einem Kroaten und einem Serben) als kollektivem Staatsoberhaupt, drei politischen Teilgebieten (Föderation, Republika Srpska und der kleinere Brčko-Distrikt), 13 Regierungen mit mehr als 170 Minister*innen ist die komplizierte Staatsform nur grob umrissen.

Eine Volkszählung im Jahr 2013 ergab, dass ungefähr die Hälfte der Bevölkerung muslimische Bosniaken sind.

In dieser ethnisch und religiös komplizierten Gemengelage keimen Nationalismus und Separatismus in Bosnien immer wieder auf und selbst der Fußball hat bis dato nicht alle Wunden geheilt. Auch drei Jahrzehnte nach Kriegsende sind viele Bosnier*innen desillusioniert, was ihr Land betrifft.

Im Herzen Sarajevos, wo eine Seitenstraße nahe des Ewigen Feuers in die Altstadt Baščaršija führt, feierten die Menschen aus Bosnien Ende März spontan und gemeinsam einen großen Erfolg. In einem Land, das bis heute von den Wirren des Krieges, Genozid und religiösen und politischen Konflikten geprägt ist, könnte die Nationalmannschaft ein Symbol für Einigkeit sein. Stimmt das?

Seit fast 20 Jahren ist Kapitän Edin Džeko Teil der Nationalmannschaft, mittlerweile ist er 40 Jahre alt und nach vielen internationalen Titeln gerade mit dem FC Schalke 04 in die Bundesliga aufgestiegen. Aufgewachsen ist Džeko in Sarajevo, die Belagerung der Stadt durch die Armee der bosnischen Serben zwischen 1992 und 1996 hatte er dort als Kind erlebt. Das Fußballspielen lernte er zwischen Hochhäusern mit zerstörten Fenstern und Wänden, mit Schusslöchern durch Kalashnikovs.

Neben ihm auf dem Balkon feierte Esmir Bajraktarević, der im Jahr 2005 in Wisconsin in den Vereinigen Staaten von Amerika geboren wurde. Seine Eltern, Elmir und Emina, kamen in Srebrenica zur Welt.

Anders als zahlreiche Familienmitglieder überlebten sie das genozidale Massaker, ausgeübt von Soldaten der Armee der Republika Srpska unter der Führung von Ratko Mladić. Sie töteten mehr als 8.000 muslimische Bosniaken. Familie Bajraktarević siedelten 2001 in die USA über. Sohn Esmir begann seine Karriere in den USA, spielte 2024 sogar einmal für die US-amerikanische Nationalmannschaft, entschied sich dann aber für die Heimat seiner Eltern.

Alleine die beiden Geschichten von Džeko und Bajraktarević zeigen, wie sehr der Krieg Bosniens Gesellschaft und damit auch den Fußball bis heute prägt. Die Hälfte der Spieler im Kader ist in der Diaspora geboren, in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Dänemark und Schweden. Nur wenige Spieler sind serbischer oder kroatischer Herkunft, andere im bosniakisch geprägten Teil Bosniens geboren.

Aufwachsen im Krieg, Emigration ins Ausland, Leben in der Diaspora, Umgang mit Menschen anderer Ethnien und Religionen – wohl zu jedem der bosnischen Nationalspieler lässt sich dazu etwas erzählen.

Vedad Ibišević, ehemaliger Nationalspieler und ein bekanntes Gesicht der Bundesliga, verbrachte nach der Flucht über die Schweiz einige Jahre in St. Louis, Missouri, bevor er nach Europa zurückkehrte. In St. Louis leben heute zwischen 50.000 und 60.000 Menschen mit bosnischen Wurzeln in der Diaspora – wahrscheinlich die größte bosnische Population außerhalb Bosniens. Am vergangenen Samstag spielte die Nationalelf Bosniens dort ein Testspiel gegen Panama. Es glich einem Heimspiel.

Trainer im Nationalteam ist Sergej Barbarez, ehemaliger Profi aus der Bundesliga, geboren 1971 in Mostar. Die Stadt ist bekannt durch die Alte Brücke, die den muslimisch geprägten mit dem katholisch geprägten Stadtteil verbindet. Der Posten als Nationaltrainer ist sein erster Trainerjob überhaupt.

Barbarez ist mitverantwortlich für den größten Erfolg seit 2014, als sich die Fußballer von Bosnien letztmals für eine WM qualifizieren konnten. Barbarez sagt, dass für ihn und seine Familie Religion und Herkunft nicht wichtig sind, jetzt führt er die Nationalmannschaft in die USA.

Als jemand, der für Bosnien zwar keine politische, dafür aber mindestens symbolische und nicht zuletzt sportliche Verantwortung innehat, ist das schon ein bemerkenswerter Satz.

Geringe Kaufkraft, eine langsame und in manchen Fällen korrupte Verwaltung sowie eine junge Generation, die ins Ausland emigriert – das sind nur einige Faktoren in der ohnehin schon schwierigen Realität des Landes, dessen Struktur und Staatsform von außen und innen angegriffen werden.

Von innen ist es vorrangig die groß-serbische Partei Savez nezavisnih socijaldemokrata (SNSD), die seit ihrer Gründung von Milorad Dodik geführt wird. Dodik war zwischen 2010 und 2018 und 2022 und 2025 Präsident der Republika Srpska. Seit langer Zeit verfolgen er und seine Gefolgsleute den Plan, Bosnien und Herzegowina zu zerstören und die Republika Srpska an Serbien zu binden.

Dodik zweifelte in der Vergangenheit den Völkermord in Srebrenica an, den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine schätzte er als „gerechtfertigt” ein. In seinen Bemühungen, die staatlichen Institutionen Bosniens zu schwächen, erhält Dodik seit jeher Unterstützung aus Serbien (mit Präsident Aleksandar Vučić) und von Russlands Präsident Wladimir Putin. Bis zu seiner Abwahl vor einigen Wochen war auch Viktor Orbán, der ehemalige ungarische Premierminister, Teil dieser Allianz.

Im Juli 2023 unterschrieb Dodik ein Gesetz, nach dem die Entscheidungen des bosnischen Verfassungsgerichtes in der Republika Srpska nicht gelten sollten. Damit sägte er heftig an der Integrität des Gesamtstaates.

Mit einem weiteren Gesetz griff er eine zentrale Funktion des Friedensabkommens von Dayton an: Der Posten des Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft soll die Umsetzung des Vertrags kontrollieren, er kann qua Amt Gesetze erlassen und Personal entlassen. Dieser Posten symbolisiert die Verantwortung der Staaten, die an der Friedensfindung beteiligt waren und ist zentral für die Sicherheit auf dem Westbalkan.

Seit 2021 hat der Deutsche Christian Schmidt (CSU) diesen Posten inne. Dodik hatte im Sommer 2023 verfügt, dass die Entscheidungen des Hohen Repräsentanten in seiner Entität ebenfalls keine Geltung mehr haben würden.

Das Bundesgericht Bosniens verurteilte ihn deswegen im Februar 2025 zu einem Jahr Gefängnis und untersagte ihm politische Aktivitäten für einen Zeitraum von sechs Jahren.

Der Posten des Hohen Repräsentanten ist nicht nur wegen Dodik ein Politikum. Nachdem Schmidt im Mai seinen Rücktritt angekündigt hatte, verhandelten die USA und die EU, die beiden Schutzmächte Bosniens, über dessen Nachfolge, die durch den Friedensimplementierungsrat gewählt wird. Die USA, vertreten durch den Botschafter, hatte sich für den italienischen Diplomaten Antonio Zanardi Landi ausgesprochen.

Die EU-Staaten Frankreich und Deutschland sowie Großbritannien standen hinter dem Franzosen René Troccaz. Der Riss des transatlantischen Verhältnisses durchzieht also auch Bosnien. Schmidt hatte seinen Rücktritt angekündigt, weil er schon vorher unter Druck stand: Die USA wollen Flüssiggas aus Aserbaidschan über Kroatien auf den Balkan bringen, dafür brauchen sie ein Stück Land, das zum bosnischen Staatsgebiet gehört.

Durch die Kooperation mit Kroatien will die Trump-Administration des russische Monopol im Verkauf von Gas brechen, das scheint das wirtschaftliche Hauptanliegen zu sein. Die außenpolitische Doktrin sieht vor, das eigene Engagement in Bosnien zu verringern. Bosnien galt jahrelang als Beispiel für nation building nach amerikanischer Prägung mit permanenter US-Präsenz. Jetzt, so scheint es, soll das Land sich selbst überlassen werden.

Das überrascht auch deswegen nicht, weil die Putin-Dodik-Linie, geprägt durch Ethnonationalismus, nahezu identisch ist mit Trumps Außenpolitik. Amerikanische Wirtschaftsinteressen sind wichtiger als ein stabiles Land, deutlich wird das durch einen Besuch (Abre numa nova janela) von Donald Trump jr. in Dodiks Hochburg Banja Luka Anfang April. Im Gespräch mit lokalen Geschäftsleuten legte Trump jr. dar, wie US-amerikanische Investitionen in der Republika Srpska für beide Seiten nützlich sein könnten.

Damit der Westbalkan (neben Bosnien auch Montenegro, Albanien, Kosovo, Nordmazedonien und Serbien) nicht auseinanderdriftet und die europäische Wertegemeinschaft darunter leidet, ist es für die EU ein Anliegen, den Beitrittsprozess der Länder zu unterstützen – und bestenfalls zu beschleunigen. Das betonten Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei einem Treffen (Abre numa nova janela) in Montenegro in der vergangenen Woche.

Als eines der 48 WM-Teilnehmerländer hat deswegen auch Bosnien einen schweren Rucksack mit nach Nordamerika genommen. Die USA ziehen sich zurück, autoritäre Kräfte rütteln an der Stabilität Bosniens und unter diesen Voraussetzungen startet die Nationalmannschaft in die Vorrundenspiele gegen Kanada (in Toronto), die Schweiz (Los Angeles) und Katar (in Seattle).

Vorhang auf für den spielenden Arm des Fußballverbands.

Nepotismus ist den Menschen auf dem Balkan nicht fremd, Korruption ebenfalls nicht, was insgesamt den Prozess der Staatsbildung gefährdet. Das Bedienen aus öffentlichen Kassen ist seit Jahren Realität, mittlerweile zucken Bosnier*innen nur noch mit den Schultern. Verwandtschafliche Beziehungen helfen, wenn man etwas erreichen will.

Das gilt offenbar auch für Vico Zeljković, den Präsidenten des Fußballverbands. Er ist ein Neffe von Milorad Dodik und durchlief die Stufen in einer Fußballfunktionärs-Karriere anfänglich bei einem Verein in Banja Luka, später dann als Präsident des Fußballverbands der Republika Srpska. Vor einigen Jahren noch fiel er in den sozialen Medien durch Posts auf, die die Integrität des bosnischen Gesamtstaates in Frage stellten und damit stellte er sich auf die politische Linie seines Onkels.

Die Schlussfolgerung aus einem solchen Post ist, dass Zeljković der Nationalmannschaft Bosniens nichts abgewinnen konnte, gerade weil die Bevölkerungsstruktur des Landes hergibt, dass die Nationalmannschaft mehrheitlich von Bosniak*innen unterstützt wird. Denn wenn Bosnien aus serbischer Sicht kein Staat sein kann, darf es auch keine Nationalmannschaft haben.

Die Generalversammlung des bosnisch-herzegowinischen Fußballverbands wählte Zeljković 2021 zum ersten Mal zum Präsidenten. Das ermöglichte ihm auch einen Posten als Vizepräsident im Komitee der Nationalverbände innerhalb der UEFA.

Zu seinem Amtsantritt befand sich der Fußball in Bosnien in miserablem Zustand, dieser hat sich bis heute nicht verbessert, das fußballerische Niveau ist überschaubar. Mit dem dritten Torhüter Mladen Jurkas (18 Jahre alt) spielt nur ein Akteur des WM-Kaders in der heimischen Liga, alle anderen verdienen ihr Geld woanders.

2025 wählte ihn die Generalversammlung Zeljković erneut, sein zweites Mandat endet 2029. Der bosnische Fernsehsender N1 berichtete in der Vergangenheit viel über die Vorgänge innerhalb des Verbands und legte dabei den Fokus auf Einzelpersonen, Infrastrukturprojekte und persönliche Verbindungen, die Fragen aufwerfen.

Da wäre zum einen Marko Miličić, seit langer Zeit an der Seite von Zeljković; bei Trainingseinheiten, Spielen und offiziellen Terminen. Der Verband führt in als Berater, über Miličić ist laut N1 aber wenig bis gar nichts bekannt. Eine große Karriere in der Fußballwelt hat er bisher nicht hinter sich.

Eine Quelle, so schildert es der Fernsehsender, habe bestätigt, dass Miličić und Zeljković Paten sind. Die Arbeitsbeziehung könnte daher wieder persönlicher Natur sein und verdeutlichen, dass private Beziehungen wichtiger sein könnte als fachliche Kompetenz.

2022, im zweiten Jahr von Zeljković’ Amtszeit, schon Monate nach der russischen Invasion der Ukraine erregte ein geplantes Testspiel gegen die russische Nationalmannschaft Aufsehen. Kurz vor Beginn der Fußball-WM im November, an der beide Verbände nicht teilnahmen, sollten die beiden Teams in St. Petersburg aufeinandertreffen.

Führende Spieler wie Miralem Pjanić und Edin Džeko kritisierten die Idee, aufgrund der massiven Kritik von außen verkündete Verbandspräsident Zeljković Ende Oktober die Absage des Spiels. Zeljković’ Onkel Milorad Dodik hätte an einem solchen Spiel Gefallen gefunden, als regelmäßiger Gast im Kreml hätte er sich wohl gerne neben Putin auf der Tribüne gesehen.

Im Herbst des Jahres 2022 beschäftigte die Modernisierung von zwölf Stadien der bosnischen Liga die Öffentlichkeit. Um das Niveau zu heben, hatte sich der Verband dafür entschieden, Hybridrasen bauen zu lassen.

Zeljković hatte dieses Vorhaben als sein Hauptprojekt bezeichnet, die UEFA etwas mehr als eine Million Euro beigesteuert, den Rest musste der bosnische Fußballverband selbst tragen. Unter den Folgen des Kriegs leidet die bosnische Wirtschaft bis heute, weshalb die Sanierung von Sportstätten über lange Jahre keine Priorität war – deswegen waren einige Spielfelder fast unbenutzbar geworden.

Fragen wirft die Ausschreibung aus, mit der das passende Unternehmen für diesen Auftrag gesucht wurde. Vergeben wurde er letztlich an eine Firma aus Tschechien, die bis dato keinerlei Erfahrung im Bau von Stadionrasen hatte – und dennoch betonte, die Bauarbeiten innerhalb von 30 Tagen fertigstellen zu können.

In der Branche gelten 30 Tage als utopisch, zudem bemängelten Mitbewerber in einem Beschwerdeschreiben, das N1 vorliegt, dass die für den Bau verwendete Technologie im internationalen Vergleich veraltet sei. Selbst ein Unternehmen, dass für die Weltmeisterschaft in Katar die Rasenflächen geschaffen hatte, habe den Zuschlag nicht bekommen, berichteten Medien.

Nach dem Beginn der Bauarbeiten konnten die Vereine monatelang nicht in ihren Stadien spielen, der Bauprozess zog sich in die Länge. Zeljković’ Großprojekt schuf also erstmal mehr Probleme, als dass es welche löste.

Im Herbst 2025 standen in der WM-Qualifikation für die Nationalmannschaft zwei enorm wichtige Spiele an. In Zenica, wo aufgrund der UEFA-Regularien alle Heimspiele ausgetragen werden, empfing die Mannschaft von Sergej Barbarez die Rumänen. Mit einem Sieg im zweiten Spiel gegen Österreich wäre die direkte WM-Qualifikation möglich gewesen.

Doch es wäre nicht der bosnische Fußball, wenn nicht im Vorfeld schon wieder Unruhe geherrscht hätte. Wie immer Ziel der Kritik: Verbandspräsident Zeljković. Die Fangruppe BH Fanaticos ist im Umfeld der Nationalmannschaft die bekannteste, lauteste und kritischste. Der Verband hatte den Ultras, anders als in den Jahren zuvor, den Zugang zu Karten für die beiden Spiele massiv erschwert.

Gleichzeitig tauchte eine neue Fangruppierung auf, die in Sarajevo zuvor ihre Gründung mit einem Fanmarsch gefeiert hatte. Die BH Hooligans überraschten mit professionellen Strukturen und Bannern, offenbar mit starker Rückendeckung des Verbands. Kurz vor einem riesigen Erfolg verdrängt mutmaßlich aus dem Nichts eine neue Ultragruppe die aktivsten Supporter der Mannschaft, um die Fanszene zu spalten. Zeljković bestritt den Vorwurf, darauf Einfluss genommen zu haben.

Den Weg der Nationalmannschaft hin zu einer WM womöglich durch die Gründung einer weiteren Gruppe zu beeinflussen, könnte sich dadurch erklären, dass Zeljković und Dodik gar kein Interesse daran haben, eine funktionierende bosnische Nationalmannschaft beim größten Fußballturnier der Welt zu sehen – weil das nämlich bedeuten würde, dass der Gesamtstaat doch funktioniert. Beweisen lässt es sich nicht, dass Zeljković hier Einfluss nehmen will. Die Indizien sprechen aber eine klare Sprache.

Nepotismus durch eine familiäre Beziehung zu Milorad Dodik und einem ominösen Berater. Das politische Lager eines Ethnonationalisten aus der Republika Sprska im Rücken. Ein geplantes und dann abgesagtes Testspiel gegen Russland. Fragwürdige Vergabeverfahren für Bauprojekte und Tickets.

Das ist offenbar die Realität im bosnischen Fußballverband.

Und dennoch feierten Zehntausende Fans im ganzen Land die Qualifikation zur WM. Selbst der Tod des bosnischen Sängers Halid Bešlić im vergangenen Oktober brachte in Bosnien nicht so viele Menschen zusammen wie dieser große fußballerische Erfolg. Bešlić, so die weitläufige Meinung auf dem Westbalkan, ist eine musikalische Legende, geliebt von allen, unabhängig von Religion und Herkunft.

Abseits von solchen einschneidenden hochemotionalen Ereignissen bleibt die politische und soziale Realität im Land schwierig. Auch der Nationalmannschaft wird es mit einem erfolgreichen Abschneiden bei der WM nicht gelingen, die tiefen Gräben zuzuschütten, die sich durch die bosnische Gesellschaft ziehen.

Sergej Barbarez wird mit seiner Mannschaft das Beste versuchen. Auf der anderen Seite wird Milorad Dodik mit seiner Entourage weiter gegen die bosnische Nationalmannschaft wettern, seine Statthalter in Verwaltung und Verbänden tun wahrscheinlich ihr Übriges dazu.

Während sich die USA mehr und mehr aus Bosnien zurückziehen und nur noch wirtschaftliche Interessen im Blick haben, sägen autokratische Ethnonationalisten mit russischer Unterstützung weiter an Bosniens Identität.

Der Rettungsanker für das Land könnte aus Brüssel kommen, wenn die EU es schafft, den Westbalkan und Bosnien zu stabilisieren.

Vieleicht können dann in Zukunft auch häufiger sportliche Erfolge am Ewigen Feuer gefeiert werden.

Zum Abschluss der WM-Song aus Bosnien. Geht halt auch einfach ziemlich hart.

https://www.youtube.com/watch?v=0a5BJxrarL0 (Abre numa nova janela)
Tópico WM 2026: Lagebild

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