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Santa Sangre (1989)

Als Kind lebte Fenix in einer Zirkusfamilie und musste mit ansehen, wie sein Vater Orgo seiner Mutter Concha beide Arme abtrennte und danach sich selbst das Leben nahm, nachdem Concha Orgo den Penis mit Schwefelsäure abgeätzt hatte. Dass Fenix als Erwachsener in der Psychiatrie landet, ist nicht verwunderlich. Doch als seine Mutter von den Toten aufersteht, gelingt es dem jungen Mann aus der Anstalt zu fliehen. Von da an wird Fenix von Albträumen und Halluzinationen geplagt, und er muss für seine wahnsinnige Mutter Morde begehen, die sie mit inzestuöser Zuneigung belohnt.

Santa Sangre ist der surreale Fiebertraum des chilenischen Filmregisseurs und Schriftstellers Alejandro Jodorowsky. Das Musical-Horrordrama aus dem Jahr 1989 ist geprägt von symbolhaften Sequenzen, obskuren Massen- und Splatterszenen und der ständigen Untermalung einer Blaskapelle, einer Drehorgel oder anderer nervender Musik. Die theaterhafte Inszenierung mit Pappgebäuden und das überbordende Spiel bringen zwar eine ganz besondere Ästhetik mit sich, inhaltlich konnte mich das Ganze allerdings nicht überzeugen. Santa Sangre steckt voller esoterischer und psychoanalytischer Symbole. Wir sehen einen brutalen und merkwürdigen Reigen von Initiationsritualen, Mutterkomplexen und Sexualsymbolen. All das scheint aber nur einer Sache zu dienen: einem selbst für die Entstehungszeit des Films extrem reaktionären Geschlechterbild. Männer werden hier durch Qual und Misshandlung vom Vater gestaltet. Frauen treten fast ausschließlich in den drei klassisch-esoterischen Formen von Weiblichkeit auf, der Mutter bzw. Priesterin, der Hure und der Jungfrau.

Ich versuche Filme nicht mehr allein unter einem Gesichtspunkt zu betrachten und einige Theorien, wie die des “Male Gaze”, halte ich nicht mehr für ausreichend, einen Film in seiner Gänze zu beschreiben. Aber hier muss man mit einen feministischen Blick auf das Werk schauen, zu aggressiv antifeministisch ist Jodorowskys siebente Regiearbeit. Möchte man etwas über das Frauenbild des Regisseurs erfahren, muss man sich nur den Dokumentarfilm Jodorowsky's Dune (2013) anschauen, in dem er sich mehr als deutlich äußert.

Ich liebe transgressive Filme, aber in Santa Sangre, den man natürlich irgendwie als transgressives Werk bezeichnen kann, fehlt mir komplett die emanzipatorische Kraft der Überschreitung, was bei einem solch reaktionären Film natürlich nicht verwundert. Hier werden marginalisierte Menschen als Kulisse missbraucht und den Zuschauenden allein aus Schockgründen vorgeführt. Die Zirkustruppe mit den Clowns und Sonderlingen, die an Tod Brownings Freaks (1932) erinnert, aber ganz anders als dort dargestellt wird, die Menschen mit Down-Syndrom oder auch die transsexuelle Wrestlerin kommen mir alle nur wie eine exotische Staffage vor, an der sich Fenix, gespielt von Axel Jodorowsky, dem Sohn des Regisseurs, abarbeiten kann.

Der monumentale und obskure Film wird gerne als Meisterwerk bezeichnet, aber dafür ist er nach meinem Geschmack viel zu dümmlich in seiner Message. Darüber hinaus ist Messerwerfen als Metapher für Sex und das Messer für den Phallus kein besonders originelles und ein mehr die Geisteswelt der Drehbuchschreiber entlarvendes Symbol.

https://www.imdb.com/de/title/tt0098253/ (Abre numa nova janela)
Tópico Film