
Bald ist es so weit: Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Weihnachten gibts nur einmal im Jahr. Doch was gibt es das ganze Jahr über? Ganz genau: Meine Steady-Artikel und Podcasts!
Damit das auch 2026 so bleibt, bin ich auf eure Unterstützung angewiesen!
Grundsätzlich ist mein Steady kostenlos und frei zugänglich. Allerdings ist das Schreiben der Essays und Artikel viel Arbeit, ebenso das Recherchieren, das Aufnehmen, das Produzieren und das Bewerben der Podcasts. Möglich ist dies alles nur, weil einige von euch unabhängigen Journalismus unterstützen. Weil viele von euch meinen Content mögen. Weil einige von euch Steady-Mitglieder (Abre numa nova janela) sind!
Was machst du überhaupt? Ich schreibe gesellschaftliche Essays, politische Kommentare und führe jeden Monat längere Podcastgespräche zu Themen, die viele von uns bewegen. Das Ganze verorte ich irgendwo zwischen politischer Bildungsarbeit, faktenbasiertem Meinungsjournalismus und künstlerischer Unterhaltung. Und manchmal, eigentlich sogar regelmäßig, beleidige ich Leute wie Donald Trump, Elon Musk oder Markus Söder 🙃
Warum brauchst du meine Kohle? Hast du keinen Job? Schreiben und Podcasts sind mein Job. Und ja, ich habe auch eine halbe Stelle an einer Uni, wie einige von euch wissen. Aber die andere Hälfte meiner beruflichen und meiner wirtschaftlichen Existenz ist Autor, Kommentator, Podcaster. Meine halbe Arbeitswoche fließt da rein und es macht meist auch irre viel Spaß! Gut bezahlt ist es allerdings nicht. Auftritte, Workshops und Reden (für die ihr mich übrigens jederzeit gerne anschreiben dürft) sind weitaus besser bezahlt. Anders gesagt: Ohne eure Unterstützung kann ich das Steady-Projekt nicht – oder jedenfalls nicht regelmäßig – weiterführen, weil ich anderweitig Kohle verdienen muss.
Was willst du nun von mir? Nicht viel. Aber schau doch bitte mal bei meinen Steady-Angeboten (Abre numa nova janela) vorbei. Als Crowdfunding-Autor hängt meine Arbeit davon ab, dass hier und da ein paar Euro im Hut landen, metaphorisch gesprochen. Zur Weihnachtszeit habt ihr jetzt die Chance auf eine limitierte, vergünstigte Mitgliedschaft als Weihnachtsangebot! Als Steady-Mitglied hast du auch Vorteile; zum Beispiel hörst du alle meine Podcasts exklusiv zuerst; ebenso gibts Bücher von mir, die ich signiert verschicke!
Apropos Bücher: Unter allen, die ab jetzt bis Jahresende 2025 per Steady-Jahresabo neu hinzukommen oder ihre Steady-Mitgliedschaften ab jetzt bis Jahresende 2025 verlängern, verlose ich signierte Bücher (auch zu den Paketen, die sonst „nur” Artikel enthalten) – signierte Bücher von mir und einige signierte Bücher von hochkarätigen Kollegen und Kolleginnen. Das ist das Gute am Schriftstellerleben; man lernt ziemlich coole Leute kennen, die ebenfalls schreiben.
Also. Wer sein Steady-Jahrespaket verlängert oder neu hinzukommt, hat eine Chance auf:
Marko Dinić - Buch der Gesichter (Abre numa nova janela) (Roman) (signiert) (Longlist für den Deutschen Buchpreis 2025)
Judith Werner - Besser grübeln (Abre numa nova janela) (signiert)
Jan Skudlarek - Wenn jeder an sich denkt, ist nicht an alle gedacht (Abre numa nova janela) (signiert) (alternativ ein anderes Buch von mir) (2x)
UPDATE Januar 2026 - Verlosung beendet.
Wie üblich gilt mein tiefer Dank all jenen, die schon bei Steady dabei sind und mir einen kleinen Stundenlohn zahlen. Ihr machts möglich! 💗
Danke für eure Aufmerksamkeit & euch eine schöne Vorweihnachtszeit!
PS: Schon in den Podcast mit mir und Bijan reingehört? Der ist jetzt überall frei verfügbar 🔊
https://steady.page/de/janskudlarek/posts/7f66891d-d578-45ea-9b36-6c23883ac9d0 (Abre numa nova janela)PPS: Falls du dich fragst, wie du mit Verschwörungstheorien umgehen sollst, sei es am Weihnachtstisch oder auch sonst: Der Experte Michael Butter und ich haben uns länger darüber unterhalten ⬇️
https://steady.page/de/janskudlarek/posts/55864342-cd8f-4083-96e6-2b163ed9c9f0 (Abre numa nova janela)Damit das keine reine Werbemail ist, hier noch ein Interview, das ich neulich gegeben habe ⬇️
Brücken bauen in der WG: Gedanken zum Beziehungsstatus von Wir und Ich
Wenn der Begriff Freiheit ins Feld geführt wird, um individuelle Interessen gegen das Gemeinwohl auszuspielen, läuft etwas fundamental schief, findet der Autor und Philosoph Jan Skudlarek. Er plädiert für ein Wir, das persönliche Autonomie und gesellschaftliche Verantwortung zusammendenkt.
● Von Gero Günther, 10.11.2025 (Lesezeit: 5 Minuten)
In Ihrem Buch „Wenn jeder an sich denkt, ist nicht an alle gedacht“ beschreiben Sie die Gefahren, die aus einem – wie Sie es nennen – „autonomistischen Denken“ erwachsen. Was meinen Sie damit?
Wir leben in Zeiten, in denen man uns ständig erzählt, dass wir unseres eigenen Glückes Schmied sind und dass es nur um einen selbst geht. Auch unser Kanzler Friedrich Merz bedient sich bekanntlich sehr gern dieses neoliberalen Narrativs. Das Motto lautet: Ich, ich, ich. Wer so argumentiert, blendet die sozialen Gegebenheiten, die Wir-Haftigkeit des Menschen aus. Die Eingebundenheit in Strukturen und die damit einhergehende Verantwortung werden zu oft außer Acht gelassen. So wird rücksichtsloser Egoismus salonfähig gemacht. Langfristig bedeutet das auch: Entsolidarisierung.
„Die nationalistische Argumentation schmeichelt dem kleinbürgerlichen Egoismus.“
Wiegt die Verantwortung der globalen Perspektive zu schwer?
Mitunter ja. Während die nationalistische Argumentation dem kleinbürgerlichen Egoismus schmeichelt, sprechen linke und grüne Parteien von einer Verantwortung für den Planeten und das Wohlergehen zukünftiger Generationen. Die Konservativen machen es sich hingegen leicht und betreiben eine massive Rückabwicklung, sie suchen die Flucht nach hinten. Die Grenzen werden dichtgemacht, die Brücken hochgezogen. Deutschland kümmert sich erstmal nur um sich selbst. Das ist Renationalisierung, Vergangenheitspolitik. Wenn Merz davon spricht, dass Migrant*innen ein Problem im Stadtbild darstellten, bedient das Vorurteile, reaktionäre Angstgefühle und rassistische Sehnsüchte. Es geht um die vermeintlich „gute alte Zeit“, um eine Retrotopie.
Im Umkehrschluss verstehen viele Menschen Verantwortung für das Allgemeinwohl als unzumutbare Einschränkung ihrer Freiheit.
Ja. Ein Zeichen dafür ist, dass Freiheit oft zu individualistisch verstanden wird und man ohne Rücksicht auf Verluste auf seine vermeintlichen Rechte beharrt. Und nicht nur das: Menschen, die sich um das Klima sorgen, werden als Moralisten diskreditiert. Man wirft „Gutmenschen“ vor, über andere bestimmen und ihre Freiheit einschränken zu wollen. Das ist natürlich Heuchelei, vor allem wenn manche Konservative gleichzeitig Absurditäten durchsetzen wollen, wie das Verbot der Bezeichnung von Veggieprodukte als „Steak“ und „Wurst“. Moral und Ethik sollten aber nicht als etwas Nerviges gesehen werden. Es geht in der Ethik doch darum herauszufinden, wonach wir unser soziales Leben ausrichten wollen. Was das gute Leben ausmacht, was wünschenswert und nachahmenswert ist – für alle. Moral ist kein Schimpfwort, sondern die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens.
„Moral ist kein Schimpfwort, sondern die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens.“
Ethik und Moral schreiben sich ja eigentlich auch der Konservativismus und Liberalismus auf die Fahnen.
Eigentlich. Doch der Rückzug auf die eigenen egoistischen Interessen wird von Leuten wie Markus Söder als Freiheit verkauft. Ich nenne das „Freiheitspopulismus“. Eine Methode, die die Verantwortung für die Gemeinschaft leugnet. Ist doch latte, ob man einen Langstreckenflug bucht oder mit dem Zug fährt. Wir haben ja eh keinen Einfluss auf die globale Entwicklung, behaupten die Freiheitspopulisten. Was stimmt: Dass man eine Teil-Verantwortung für das Wohlergehen anderer, für den Umgang mit den begrenzten Ressourcen und die Erwärmung des Planeten hat, ist ein durchaus stressiger Gedanke. Wer jedoch Rücksichtnahme auf zukünftige Generationen als persönliche Einschränkung empfindet, reagiert nicht selten mit Trotz. Die Psychologie spricht da von Reaktanz. So werden der Konsum von Fleisch und Wurst und das Heizen mit Gas schnell zum Freiheitskampf. Das ist total absurd. Aber vermutlich haben wir die Bockigkeit der Menschen unterschätzt. Und die Mobilisierungskräfte der fossilen Industrien,…
… die die Transformationsmüdigkeit aktiv schüren.
Ganz genau! Dahinter stehen handfeste politische und wirtschaftliche Interessen, unter anderem von Öl- und Gasfirmen, Stadtwerken und Autobauern und allen, die finanziell vom Ist-Zustand profitieren. Dass über Heizungen mit so viel Zorn gesprochen wird, ist kein Zufall. Die Bildzeitung hat eine Kampagne gegen das „Heizungsgesetz“ gefahren. Wir sollten diesen gezielten Agitationen aus dem unternehmerisch-medialen Komplex eine progressive Politik entgegensetzen, die nicht nur wirksam, sondern auch sexy ist. Die Bürger*innen müssen spüren, dass die Transformation etwas Positives ist und eine höhere Lebensqualität bietet. Nehmen wir ein Beispiel wie Paris, wo die Luft durch die grüne Politik der Bürgermeisterin Anne Hidalgo in kurzer Zeit besser und die Stadt viel grüner geworden ist. Davon profitieren alle. Allerdings muss das auch ankommen in der Gedanken- und Gefühlswelt der Leute.
„Die spalterische Rhetorik – Links gegen Rechts oder Stadt gegen Land – ist verlockend, aber unproduktiv.“
Was können wir noch tun, um dieser Transformationsmüdigkeit entgegenzuwirken?
Wir sollten Brücken bauen. Auch sprachliche Brücken – und etwa mit Konservativen über die Bewahrung der Schöpfung sprechen. Wir schützen ja nicht abstrakt irgendein Klima, sondern unsere wirkliche Welt. Die spalterische Rhetorik – Links gegen Rechts oder Stadt gegen Land – ist verlockend, aber unproduktiv. Kulturkampf polarisiert nur und lenkt ab von den wichtigen Themen und Problemen. Insbesondere in den sozialen Netzwerken müssen wir aufpassen, uns nicht sinnlos aneinander abzuarbeiten und uns im Freund-Feind-Schema zu verlieren. In dieser entkörperten Kommunikation vergreift man sich besonders leicht im Ton. Und klar, auch ich bin nicht immer nachsichtig im Netz. Man muss sich auch nicht alles gefallen lassen. Doch wo die Polarisierung zunimmt, ist langfristig das Gemeinwohl in Gefahr.
Ihr Buch trägt den Untertitel „Streitschrift für ein neues Wir“. Wie soll dieses neue Wir aussehen?
Ich bemühe in dem Zusammenhang gerne die Metapher der Wohngemeinschaft. Es gibt die Erde als gemeinsames planetarisches Haus, aber das soziale Miteinander erleben wir meist im Kleinen, in unserem Kiez. Wie geht’s meinem Nachbarn? Wie steht’s um meine Straße? Wie ist die Luftqualität? Gibt es einen Park? Oder nur Parkplätze? Im Lokalen müssen wir Lösungen über die Parteigrenzen und Weltanschauungen hinweg finden. Mit einem größtmöglichen Pragmatismus. In diesem Zusammenhang ist es gut, dass wir derzeit von ehemaligen CSU-Parteichefs wie Horst Seehofer vermehrt Kritik an der Söder’schen Linie hören, die im Wesentlichen aus substanzlosem Grünen-Bashing besteht. Es ist gut, dass es auch bei den Konservativen viele Menschen gibt, die die Brücken zu den Grünen auf keinen Fall abbrechen wollen. Was mit einer Demokratie ohne überparteilichen Dialog passiert, sehen wir momentan in den U.S.A. Man sollte unter Demokraten halbwegs respektvoll miteinander umgehen – trotz aller Differenzen.
Das Interview ist zuerst erschienen auf dem grünblog (Abre numa nova janela):
https://gruenblog.com/bruecken-bauen-in-der-wg/ (Abre numa nova janela)