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Wollen Sie noch die Luxus-Spülung?

Warum sage ich nie rechtzeitig Nein? Und warum ist Nachfragen zwischen Föhnfrisur und Fixpreis manchmal schwieriger als Bezahlen?

Seit über einem Jahr war ich nicht mehr beim Friseur. Das liegt unter anderem daran, dass ich jedes Mal schlechte Laune bekomme, wenn ich die Endabrechnung sehe. Ich zahle 200 Euro oder mehr dafür, dass ich aussehe wie vorher – plus seltsam aufgebauschter Föhnfrisur. Und immer wieder bin ich überrascht über den Preis. Also habe ich mich gefragt: Wieviel davon habe ich mir selbst zuzuschreiben? Warum frage ich nie vorher konkret, was es kostet?

Ein neuer Versuch

Inzwischen haben viele Salons online Preisübersichten und weil ich so gern ein bisschen frische Farbe im Haar wollte, realisiert habe, dass ich das selbst nicht so hinbekomme (es hat schon einen Grund, warum Menschen das professionell lernen) und einen Friseur direkt neben meiner Haustür entdeckt habe, entschied ich, es noch einmal zu probieren und mich besser vorzubereiten.

Auf der Webseite konnte man ein Paket aus Strähnchen und Schnitt buchen mit Fixpreis. Klasse. Als ich meiner Freundin bei unserem Ausflug nach Bad Saarow davon erzählte, sagte sie: „Warum gibst du denn Geld für einen Haarschnitt aus? Das kann ich doch machen.“ Sie ist Maskenbildnerin bei der Staatsoper und hat eine Friseurausbildung. Da ich meine etwas welligen Haare gern trocken schneiden lasse, bislang aber keine Friseurin davon überzeugen konnte und auch immer finde, dass die zu viel abschneiden, war ich happy, dieses Unterfangen in die vertrauensvollen Hände meiner Freundin zu geben.

Die schickste Frisur hat man doch, wenn die ganzen Folien im Haar sind. Da fühle ich mich immer sehr verbunden mit dem Universum.

Der verpasste Moment

Im Friseursalon angekommen, hatte ich mir also vorgenommen: Ich lasse den Schnitt weg. Das funktionierte auch wunderbar. Ich hatte zwar ein Paket gebucht, aber die Friseurmeisterin war super nett und ich sah mich schon ausnahmsweise mal nur 130 Euro bezahlen. Da fragte sie plötzlich, ob ich noch eine Luxusspülung haben wolle. Und wieder wagte ich etwas, das ich sonst nie tat. Ich fragte nach: „Was kostet die denn?“ Sie sagte: „42 Euro.“ Puh. „Und wieviel ist es dann insgesamt?“, fragte ich. Sie ging zum Computer, schaute nach und sagte: „Etwa 200 Euro.“ Das wäre der Moment gewesen, nein zu sagen oder auch, zu fragen, wie wir denn mit nur Farbe und Spülung auf diesen Betrag kommen.

Ich weiß nicht, ob es meine Angst war, dass meine Haare mit den blonden Strähnchen zu angegriffen sein würden oder das schlechte Gewissen, weil ich so spontan den Schnitt abgewählt hatte. Vielleicht war meine Widerstandskraft auch einfach aufgebraucht, denn ich hörte mich zustimmen. Auch ließ ich mir mal wieder die Haare über eine Rundbürste föhnen, weil ich sehen wollte, wie die Farbe im trockenen Haar aussah. Am Ende zahlte ich wieder meine 200 Euro – dieses Mal für Farbe und komische Föhnfrisur.

Nächstes Mal traue ich mich

Nagut, zumindest hatte ich vorher gefragt und war nicht vom Preis überrascht. Und ich habe eine Rechnung bekommen, in der die einzelnen Posten ausgewiesen sind. Das ist auch ein Fortschritt. Ich weiß jetzt, dass die Strähnchen 90 Euro kosten, das Föhnen und Stylen 44 Euro. Das lasse ich in Zukunft auf jeden Fall weg. Ich verstehe nicht, warum ich nicht einfach gefragt habe, ob sie meine Haare mit einem Diffusor föhnen kann. Ich habe es mehrmals gedacht, aber es fühlte sich so an, als wenn man bei einer Massage oder Physiotherapie der ausgebildeten Person die Griffe korrigiert oder im Restaurant in die Küche geht und sein Essen selbst kocht. Kurios. Beim nächsten Mal traue ich mich.

Tópico everyday stories.

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