Echte Inklusion bedeutet: Mit uns, nicht über uns
Warum werde ich nicht gefragt?
Diese Frage kommt leise, oft hinterher. Wenn Entscheidungen schon gefallen sind. Wenn Gespräche ohne mich stattfinden. Wenn es heißt: „Wir wollten dich nicht belasten“ – und ich spüre: Ich war nicht gemeint. Nicht vorgesehen.
Rücksichtnahme? Vielleicht.
Aber wo verläuft die Grenze zwischen Fürsorge und Bevormundung?
Zwischen Schonung und Ausschluss?
Ich bleibe zurück mit einem leisen Ziehen im Bauch. Habe ich etwas falsch gemacht? War ich zu laut? Zu direkt? Zu viel? Oder einfach nur störend?
Diese Fragen sind Gift. Sie entstehen nicht aus Freiheit, sondern aus dem alten Reflex, sich selbst in Frage zu stellen, wenn andere uns nicht einbeziehen.
Und ja, die Enttäuschung sitzt tief.
Ent-Täuschung. Ein großes Wort. Ein ehrliches. Denn sie nimmt die Täuschung, dass alles gut ist, solange wir still sind und uns fügen.
Aber sie fühlt sich trotzdem erst mal nicht gut an. Sie brennt. Sie macht einsam. Und sie weckt ein starkes Bedürfnis: gesehen zu werden. Gehört. Geachtet.
Auch mit Behinderung. Auch wenn etwas mehr Rücksicht nötig ist. Aber nicht weniger Mitsprache.
Denn wer nicht gefragt wird, wird nicht ermächtigt. Und wer nicht gefragt wird, fragt sich irgendwann selbst nicht mehr: Was will ich eigentlich? Was denke ich? Was brauche ich gerade?
Ich schreibe das nicht aus Trotz, sondern aus Klärung. Weil ich glaube, dass echte Inklusion mehr ist als Barrierefreiheit. Sie bedeutet: Räume schaffen, in denen Menschen nicht nur anwesend sind, sondern auch mit einbezogen und berücksichtigt werden.
Dazu gehört Mut. Und Klarheit. Auch die, zu sagen: „Ich will gefragt werden. Ich habe eine Stimme. Und sie zählt.“
Denn: Selbstbestimmung schließt ‘dazugehören’ und vor allem ‘dazugehören wiollen’ mit ein.
Da geht noch was. Und zwar mit uns. Nicht über uns.