Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Einen guten Teil meiner Schulferien habe ich früher im ehemaligen Jugoslawien verbracht – bis der Krieg ausbrach. Bei späteren Besuchen waren manche Orte meiner Kindheit plötzlich unerreichbar: Minen im Boden.
Nun hat sich das geändert. Kroatien hat sich am 1. März offiziell für landminenfrei erklärt. Die Sprengfallen stammten noch aus dem Jugoslawien-Krieg, ihre Räumung dauerte Jahrzehnte.

Sonst geht es heute um die soziale Absicherung von Frauen, neue Epstein-Files sowie die Entlassung von Kristi Noem und Recherchen zum Luftangriff auf eine Schule im Iran.

Schlechtes Zeugnis für soziale Absicherung von Frauen
Kurz vor dem Internationalen Frauentag übt der Österreichische Frauenring scharfe Kritik an der sozialen Absicherung von Frauen. Besonders Frauen mit mehreren strukturellen Benachteiligungen seien schlecht geschützt, sagte Vorsitzende Klaudia Frieben. Sie fordert eine deutliche Aufstockung des Frauenbudgets.
Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) verweist dagegen auf geplante Reformen und eine neue Kampagne gegen strukturelle Benachteiligung. Kritik kommt von der Opposition: Grünen-Chefin Leonore Gewessler spricht von „Rückschritten“ in der Frauenpolitik.
Besonders im Alter zeigt sich die Ungleichheit. Laut Volkshilfe Österreich ist jede fünfte Frau über 65 arm oder armutsgefährdet. Frauenpensionen liegen im Schnitt rund 40 Prozent unter jenen von Männern.
Zusätzlichen Druck erzeugt die Budgetpolitik. Die Regierung plant bis 2029 Einsparungen bei Förderungen. Für Frauenpolitik stehen derzeit rund 34 Millionen Euro zur Verfügung. Bleibt das Budget nominell gleich, bedeutet das wegen der Inflation faktisch eine Kürzung, warnt der Frauenring.
Gleichzeitig melden Hilfsorganisationen steigenden Bedarf: Die von den Autonomen Österreichischen Frauenhäusern getragene Frauenhelpline verzeichnete in zwei Jahren rund 20 Prozent mehr Anrufe.

Neue Epstein-Files mit Vorwürfen gegen Trump
Das US-Justizministerium hat weitere FBI-Dokumente zum Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. Darin wird auch der Name von US-Präsident Donald Trump erneut erwähnt. Die in Washington freigegebenen Akten enthalten das Vernehmungsprotokoll einer Zeugin. Sie gibt an, zwischen ihrem 13. und 15. Lebensjahr von Epstein und Trump missbraucht worden zu sein. Laut Protokoll habe Epstein sie „nach New York oder New Jersey“ gebracht und Trump vorgestellt. Als dieser versucht habe, sie zu Sex zu zwingen, habe sie ihn gebissen. Zudem berichtete die Zeugin von jahrelangen Drohanrufen gegen sie und ihr Umfeld.
Das Justizministerium erklärte, die Dokumente seien irrtümlich als Doppelstücke gekennzeichnet gewesen und deshalb erst jetzt veröffentlicht worden.
Trump hatte sich im vergangenen Jahr lange gegen eine Freigabe der Epstein-Akten gewehrt. Der Kongress setzte die Veröffentlichung schließlich auch mit Stimmen der Republikanern durch. Fotos und Unterlagen deuten auf eine frühere Nähe zwischen Trump und Epstein hin, ein Fehlverhalten des Präsidenten wurde bislang jedoch nicht nachgewiesen. Trump erklärte, den Kontakt bereits vor Epsteins Verurteilung 2008 abgebrochen zu haben.
Gestern hat Trump seine erste Ministerin entlassen. Heimatschutzministerin Kristi Noem galt lange als besonders loyale Unterstützerin und als Symbolfigur seiner harten Abschiebepolitik. Die frühere Gouverneurin von South Dakota sorgte immer wieder für Schlagzeilen – etwa mit einem Besuch in einem Hochsicherheitsgefängnis in El Salvador, wo sie vor inhaftierten Migranten posierte, um Abschreckung zu demonstrieren. Auch ihre Memoiren wurden zum Politikum, nachdem sie darin beschrieb, wie sie ihren eigenen Hund erschoss, weil dieser nicht machte, was er sollte.
Zuletzt geriet Noem jedoch in eine regelrechte politische Krise – auch innerhalb der eigenen Partei. Kritisiert wurden aggressive Razzien der Einwanderungsbehörde ICE, mehrere Todesfälle bei Einsätzen sowie eine millionenschwere Werbekampagne ihres Ministeriums, die auch manchen Republikanern eher wie Selbstvermarktung vorkam. Trump zog nun die Reißleine und nominierte den republikanischen Senator Markwayne Mullin aus Oklahoma als Nachfolger.
Politisch ist das mehr als nur ein Personalwechsel. Das Heimatschutzministerium ist eines der zentralen Ressorts für Trumps Agenda – dort laufen Grenzschutz, Abschiebungen und große Teile der inneren Sicherheit zusammen. Mit Mullin rückt nun ein enger Verbündeter des Präsidenten nach, der als pragmatischer Verhandler gilt, aber gleichzeitig ein entschlossener Unterstützer der harten Migrationspolitik ist. Wer tiefer einsteigen will, sei an dieser Stelle an das RND (Abre numa nova janela) und an das ZDF (Abre numa nova janela) verwiesen. (Johanna Hänsel)

Recherchen zum Luftangriff auf eine Schule im Iran
Recherchen der New York Times (Abre numa nova janela) legen nahe, dass die Bombardierung einer Grundschule in der südiranischen Stadt Minab vermutlich während eines gezielten US-Angriffs auf einen benachbarten Marinestützpunkt der Revolutionsgarden erfolgte. Satellitenbilder, verifizierte Videos und Social-Media-Aufnahmen zeigen demnach mehrere präzise Treffer auf dem Militärgelände – und gleichzeitig schwere Schäden an der nur wenige hundert Meter entfernten Schule. Laut iranischen Angaben wurden dabei fast 200 Menschen getötet, viele davon Kinder. Washington hat bisher weder bestätigt noch dementiert, dass eine US-Bombe die Schule traf; das Pentagon spricht von laufenden Untersuchungen.
Militärisch intensivieren die USA ihre Angriffe weiter und setzen dabei inzwischen auch bunkerbrechende Bomben ein. Gleichzeitig weitet sich der Konflikt regional aus. Israel greift Stellungen der proiranischen Hisbollah in den Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut an, nachdem die Armee zuvor große Teile der Bevölkerung zur Evakuierung aufgefordert hatte. Und die Nato erhöhte vorsorglich die Einsatzbereitschaft ihrer Raketenabwehrsysteme, nachdem eine aus dem Iran abgefeuerte Rakete in Richtung Türkei registriert und abgefangen worden war. Formal könnte ein Angriff auf ein Bündnismitglied den Bündnisfall auslösen – bislang will Ankara den Konflikt jedoch nicht weiter internationalisieren. Mehr Infos gibt es bei Zeit Online (Abre numa nova janela) und hier (Abre numa nova janela).
Viele Militäranalysten (Abre numa nova janela) sehen den Krieg inzwischen als Wettlauf der Ressourcen: Während die USA und Israel versuchen, Irans Raketenarsenal möglichst schnell zu zerstören, setzt Teheran darauf, lange genug durchzuhalten – und seine Drohnen- und Raketenproduktion aufrechtzuerhalten. Abfangraketen für die Abwehr lassen sich nur deutlich langsamer produzieren als Angriffswaffen. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj haben die USA deshalb sogar Kiew um Unterstützung beim Schutz gegen iranische Drohnen im Nahen Osten gebeten – ukrainische Spezialisten gelten seit dem Krieg gegen Russland als besonders erfahren im Umgang mit den Systemen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth weist die Sorge entschieden zurück, Washington könne selbst in einen Munitionsengpass geraten. Die USA könnten die Militärkampagne so lange fortsetzen, wie es nötig sei, sagte er bei einer Pressekonferenz gestern.
Einen guten Überblick über die aktuelle Lage in Nahost gibt das RND (Abre numa nova janela) in Karten, Grafiken und Daten. Und eine regelmäßig aktualisierte Übersicht über Strom- und Spritpreise gibt es beim Energiemonitor (Abre numa nova janela). (Johanna Hänsel)

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

„Nächste Zielperson: Frau Anna Thalhammer“
Der untergetauchte Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek soll laut neuen Enthüllungen gezielt Taschendiebe auf eine österreichische Journalistin angesetzt haben. Ziel der Aktion: die damalige Presse-Journalistin Anna Thalhammer.
Die mutmaßliche Operation wurde nun im Wiener Prozess gegen den früheren Verfassungsschützer Egisto Ott thematisiert. Vor Gericht wurden Chatnachrichten verlesen, in denen Marsalek offenbar detaillierte Anweisungen für eine Diebstahlaktion gibt. Darin fällt ein Satz, der im Gerichtssaal für Aufmerksamkeit sorgte: „Nächste Zielperson: Frau Anna Thalhammer.“
https://www.profil.at/investigativ/chats-ott-prozess-naechste-zielperson-frau-anna-thalhammer-jan-marsalek/403137465 (Abre numa nova janela)
Analyse: Es wird ein fantastisches Jahr für die AfD
Sie könnte drei ihrer Ziele einen großen Schritt näher kommen.
https://krautreporter.de/politik-und-macht/6276-es-wird-ein-fantastisches-jahr-fur-die-afd#lesen (Abre numa nova janela)
Frauen werden seltener erfolgreich wiederbelebt
Frauen werden im Notfall offenbar seltener und schlechter wiederbelebt als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung an der Medizinischen Universität Innsbruck. Studierende analysierten Unterschiede bei Reanimationen – und bestätigten damit internationale Studien, nach denen Frauen bei Wiederbelebungsversuchen im Schnitt schlechtere Chancen haben als Männer.
https://tirol.orf.at/stories/3344532/ (Abre numa nova janela)Sidenote zum Abschluss: Heute Abend fällt in der Arena von Verona der Startschuss für die XIV. Paralympischen Winterspiele. Doch über dem Auftakt liegt bereits vor Beginn ein Schatten: Streit um die Teilnahme von Sportlern aus Russland und Belarus sowie Kritik am Ablauf der Zeremonie sorgen für Verstimmung. Auch das österreichische Team bleibt der offiziellen Eröffnungsfeier fern – ein stiller Boykott zum Start der Spiele.
Überlegt, ob das schlau ist:
Markus