Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
in Österreich Staatsbürger*in zu werden, ist ein Spießrutenlauf. Die Liste an Anforderungen ist lange, sie reicht von einer durchgehenden Aufenthaltsdauer von sechs bis zehn Jahren über den Nachweis von Deutschkenntnissen und ein beständiges und nicht zu geringes Einkommen bis hin zur Absolvierung des Staatsbürgerschaftstestes. Der Weg wird auf dieser alt anmutenden behördlichen Webseite (Abre numa nova janela) skizziert und es wird recht schnell deutlich, warum viele der hier lebenden und arbeitenden Menschen keine österreichischen Staatsbürger*innen sind.
Umso eine bessere Nachricht, dass die Einbürgerungen in Österreich im ersten Quartal 2026 um 21,2 Prozent gestiegen sind. Beinahe die Hälfte der 6641 Einbürgerungen betrafen Frauen, rund ein Drittel der neu Eingebürgerten waren unter 18 Jahre alt. Eine Staatsbürgerschaft ist in Österreich die Voraussetzung, um an den Wahlen teilnehmen zu können und sein demokratisches Stimmrecht wahrzunehmen. Die Regierung plante (Abre numa nova janela) für dieses Jahr auch eine Reform des Staatsbürgerschaftsrechts.


Nach Wöginger-Rücktritt neuer ÖVP-Klubobmann gewählt
Der ÖVP-Klubobmann August Wöginger wurde gestern am Landesgericht in Linz wegen Anstiftung zum Amtsmissbrauch zu einer unbedingten Geldstrafe und einer bedingten Haftstrafe im Ausmaß von sieben Monaten verurteilt. Auch zwei mitangeklagte Finanzbeamte wurden verurteilt. Wöginger habe demnach dafür gesorgt, dass ein befreundeter ÖVP-Bürgermeister den Chefposten des Finanzamts Braunau bekomme, obwohl es andere, besser qualifizierte Bewerber*innen gab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Wöginger hatte gestern direkt angekündigt, Nichtigkeitsbeschwerde einlegen zu wollen. Das bedeutet, etwaige formelle Fehler im Verfahren sollen durch eine zweite Instanz überprüft werden. Er gab auch seinen Rücktritt als Klubobmann bekannt, denn „das Verfahren sei sehr belastend und die Funktion des Klubobmanns brauche seine ganze Aufmerksamkeit“. Seinen Posten als ÖVP-Sozialsprecher und damit auch sein Nationalratsmandat behält Wöginger. Er hofft, in der zweiten Instanz freigesprochen zu werden, und beharrt auf seiner Unschuld. Das Profil (Abre numa nova janela) liefert einen Überblick.
Heute Vormittag wurde dann der bisherige ÖVP-Sicherheitssprecher Ernst Gödl von der Fraktion zum neuen Klubobmann gewählt. Der steirische Jurist und Landwirt sitzt seit 2017 für die ÖVP im Nationalrat und ist der Öffentlichkeit eher unbekannt. Gödl wurde beim gemeinsamen Eintreffen mit Wöginger im Parlamentsklub mit Applaus begrüßt, die Salzburger Nachrichten (Abre numa nova janela) liefern ein Protokoll der Stunden, die zu Gödls Nominierung geführt haben. Die Funktion des Klubobmanns ist im politischen Betrieb eine bedeutende. Die Klubobleute der Regierungsfraktionen nehmen etwa an den Ministerräten teil und koordinieren die Regierungsarbeit mit der Parlamentsfraktion.

Auto fährt in Leipzig in Menschenmenge
Bei einer mutmaßlichen Amokfahrt sind gestern in der Leipziger Innenstadt zwei Menschen getötet worden. Zahlreiche weitere Personen wurden verletzt, drei davon schwer. Bei den Toten handelt es sich um eine 63 Jahre alte Frau und einen 77 Jahre alten Mann. Am Nachmittag war ein Mann mit großer Geschwindigkeit über den Marktplatz und die Grimmaische Straße gefahren, wie Augenzeugen laut ntv (Abre numa nova janela) berichteten. Die Polizei nahm den Mann kurz darauf widerstandslos fest, er befindet sich nun in Gewahrsam. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen zweifachen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes eröffnet, er wird heute dem Haftrichter vorgeführt.
Inzwischen ist auch die Identität des Mannes bekannt, es handelt sich demnach um einen 33-jährigen Deutschen. Er soll polizeibekannt aber nicht einschlägig vorbestraft gewesen sein, erst am Sonntag soll er zudem aus einer stationären psychiatrischen Einrichtung entlassen worden sein. Die Polizei geht von einem Einzeltäter und einer Amokfahrt aus. In der Leipziger Innenstadt haben viele Geschäfte geschlossen, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Leipziger Volkszeitung (Abre numa nova janela) hat einen Liveblog eingerichtet.

Auch Gemeinden in Ungarn von Asbest-Skandal betroffen
Der Burgenländer Asbestskandal zieht immer weitere Kreise. Nachdem Anfang des Jahres vier Steinbrüche wegen zu hoher Asbestbelastung behördlich geschlossen wurden, wird die umfangreiche Ausbreitung des Skandals immer deutlicher. Greenpeace hatte bei eigenen Messungen massiv erhöhte Asbest-Werte an mehreren Orten im Burgenland festgestellt. Diese dürfte in Zusammenhang mit der Verwendung von Schotter und Straßenbelag aus den Steinbrüchen stehen. Den Behörden sei das schon seit Jahren bekannt gewesen, kritisiert Greenpeace.
Nun haben die ungarischen Behörden auch in mehreren ungarischen Gemeinden eine erhöhte Asbestbelastung festgestellt. In Szombathely etwa wurde aufgrund extrem hoher Asbestkonzentrationen in einer Wohnsiedlung ein Gesundheitsnotstand ausgerufen, berichtet die Krone (Abre numa nova janela). Viele Straßenabschnitte wurden gesperrt, Tempolimits von 10 km/h eingeführt und der Straßenbelag wird vielerorts permanent gewässert, um die Ausbreitung des stark gesundheitsgefährdenden Asbeststaubs zu verhindern. Bewohner*innen werden angehalten, Masken zu tragen. 2018 wurden große Mengen von Schotter aus den österreichischen Steinbrüchen nach Szombathely gebracht, heißt es in einem aktuellen Bericht des Mediums Index.hu (Abre numa nova janela).
Asbest ist eine feine Naturfaser, die, wenn sie eingeatmet wird, zu schweren Lungenschäden und Krebs führen kann.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Community-Medien brauchen deine Unterstützung: Zimt Magazin
Diese Woche gibt es anstatt der österreichischen Recherchen jeden Tag einen wichtigen Aufruf: Aktuell brauchen nämlich viele der kleinen unabhängigen Medien, die wir hier laufend vor den Vorhang holen, dringend Unterstützung. Wir als tag eins kennen diese Situation nur zu gut, gerade kleine Medien sind oft fast komplett auf die Unterstützung durch Mitglieder und Abonnent*innen angewiesen. Deshalb wollen wir unsere Reichweite nutzen und den Kolleg*innen bei ihren Kampagnen etwas unter die Arme greifen.
Das ZIMT Magazin hat es sich zum Ziel gemacht, die Berichterstattung über die mentale Gesundheit zu verändern. Denn allzu oft werden dabei Stigmata bedient oder die Perspektive von Betroffenen ausgelassen. Bei ZIMT ist das anders. Aber die Kürzungen der Förderungen im Sozialbereich treffen auch ZIMT. Bis 9. Juni braucht die kleine Redaktion 1.000 neue Abos, damit sie ihr Print-Magazin weiterhin drucken können.
https://zimtmagazin.at/abo/ (Abre numa nova janela)
Die deutsche Regierung will das Hautkrebsscreening aussetzen? Gut so!
Deutschland ist das einzige Land mit einem flächendeckenden Hautkrebsscreening. Das soll sich ändern. Ich halte das für sinnvoll – aus fünf Gründen.
https://krautreporter.de/psyche-und-gesundheit/6361-die-regierung-will-das-hautkrebsscreening-aussetzen-gut-so (Abre numa nova janela)
Adornos Gruppenexperiment kommt an die Öffentlichkeit
Der bekannte deutsche Soziologe Theodor W. Adorno hat in den Nachkriegsjahren in Deutschland eine umfassende Sozialstudie in der deutschen Bevölkerung durchgeführt. Mit dem sogenannten Gruppenexperiment sollen die nichtöffentlichen Meinungen, die in kleineren sozialen Gruppen geäußert werden, greifbar gemacht werden. Dafür sprachen 1.635 Versuchspersonen in Gruppendiskussionen über ihre Einstellungen zu Themen wie Nationalsozialismus, Demokratie und Minderheiten. Adorno hat die Ergebnisse nie in vollem Umfang öffentlich gemacht, sie seien wohl zu brisant gewesen, heißt es in unserem heutigen Fundstück. Jetzt ändert sich das, der „Faschismus in den Köpfen“ kommt an die Öffentlichkeit.
https://www.zeit.de/2026/19/theodor-w-adorno-gruppenexperiment-sozialforschung-nachkriegszeit-deutschland?freebie=7766529e (Abre numa nova janela)Findet, dass alle Menschen, die hier leben und arbeiten, wählen können sollten:
Emil

PS: Wenn dir dieser Newsletter gefällt und du uns unterstützen möchtest, kannst du das in nur zehn Sekunden tun. Empfiehl tag eins (Abre numa nova janela) deinen Freund*innen und Bekannten weiter, das hilft uns sehr. Danke!