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Gamification beim Üben
Ok, ich mach’s kurz: Ich war nie ein großer Zocker. Meine Karriere begann und endete mit FIFA 1998 - zugegeben ein Klassiker. Natürlich habe ich es hier und da immer wieder mal probiert, aber der Funke zwischen uns wollte nie so recht überspringen. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum mich der Gamification-Trend beim Üben bisher noch nie so recht gepackt hat.
Falls es dir ähnlich geht, lass uns zunächst einmal schauen, was wir unter dem Begriff verstehen. Beziehungsweise was gerade nicht: Denn Gamification meint nicht, dass du dein Üben in ein Videospiel verwandelst. Es geht darum, einzelne Spielprinzipien zu nutzen, die Videospiele so mitreißend machen:
klare Ziele
unmittelbares Feedback
sichtbarer Fortschritt
ein Gefühl von Belohnung
Wenn du also in einem Spiel in das nächste Level aufsteigst, wirst du nicht zufällig motiviert – das ist das Ergebnis eines präzise gestalteten Anreizsystems.
Was die Forschung sagt
Der Musikpädagoge Thomas Nguyen hat 2020 an einer norwegischen Hochschule untersucht, wie Gamification das Üben von 60 Studierenden beeinflusst. Die Experimentalgruppe nutzte die App Habitica – ein Retro-Rollenspiel-basiertes Aufgabenmanagement-Tool, in dem Übeeinheiten als Quests galten, abgeschlossene Songs Erfahrungspunkte einbrachten und die Gruppe gemeinsam gegen Monster kämpfte (ja, wirklich). Die Kontrollgruppe bekam dieselben Aufgaben und dasselbe Lernmaterial – nur ohne Spielelemente.
Das Ergebnis ist aufschlussreich: Die Gamification-Gruppe lernte signifikant mehr Songs auf der Ukulele als die Kontrollgruppe. Bei der reinen Übungszeit in Minuten gab es hingegen keinen messbaren Unterschied. Was durch Spielmechaniken stieg, war also weniger die Quantität des Übens als die Zielorientierung: Die Studierenden arbeiteten fokussierter auf konkrete Ergebnisse hin.
Was durch Spielmechaniken stieg, war also weniger die Quantität des Übens als die Zielorientierung: Die Studierenden arbeiteten fokussierter auf konkrete Ergebnisse hin.
Besonders interessant: Als die Teilnehmenden gefragt wurden, was sie am meisten motiviert hatte, nannten viele nicht die digitalen Belohnungen in der App – sondern einen kleinen goldenen Sticker, den sie sich für ihr Ukulele kaufen konnten. Die greifbare, reale Belohnung schlug die virtuelle.