(Öffnet in neuem Fenster)OpenAI hat vor wenigen Tagen sein neuestes Modell ChatGPT 5.5 herausgebracht. Gleichzeitig hat das Unternehmen auch einen neuen Prompting-Guide veröffentlicht - der sich deutlich von früheren Versionen unterscheidet.
Erkenntnis: Prompts werden kürzer und fokussierter. Du musst nicht den kompletten Prozess beschreiben. Es reicht, das Ergebnis so gut wie möglich zu definieren. Das KI-Tool wählt dann selbst den besten Weg, um dieses Ziel zu erreichen. Mehr dazu unten…
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Die neuen Prompt-Regeln in ChatGPT 5.5 - weniger Anweisungen, bessere Ergebnisse
Mit der neuen Version von ChatGPT (5.5) verschiebt sich gerade etwas Grundlegendes im Umgang mit KI.
Früher war gutes Prompting oft gleichbedeutend mit: möglichst viele, möglichst genaue Anweisungen geben. Schritt für Schritt, möglichst detailliert, damit die KI “auf Kurs bleibt”.
Heute ist das Gegenteil der Fall.
Die neuen Modelle sind deutlich besser darin geworden, selbstständig zu arbeiten. Du musst ihnen nicht mehr den Weg erklären - sondern das Ziel.
Oder anders gesagt: Früher hast du die KI durch den Prozess geführt. Heute soll die KI selbst entscheiden, wie sie am besten zum Ergebnis kommt.
Das zeigt auch der neue Prompt-Guide von OpenAI (Öffnet in neuem Fenster) sehr klar. Und selbst OpenAI-Chef Sam Altman hat kürzlich sinngemäß gesagt: Selbst Höflichkeitsfloskeln wie “Bitte” und “Danke” sind für das Modell mittlerweile nicht nötig. Sie kosten nur unnötige Rechenleistung.
Was stattdessen zählt: klare, präzise Aufgabenstellungen.
Vier Dinge sind dabei besonders wichtig:
1) Personality & Behavior: Lege fest, wie die KI arbeitet
ChatGPT 5.5 ist von Haus aus eher direkt, effizient und sachlich.
Das ist gut, aber für viele Anwendungsfälle nicht genug.
Deshalb empfiehlt der Guide: Definiere bewusst Persönlichkeit und Arbeitsweise.
Dabei geht es um zwei Dinge:
Personality: Wie klingt die KI? (Ton, Stil, Direktheit)
Behavior: Wie arbeitet sie? (stellt sie Rückfragen, trifft sie Annahmen, wie geht sie mit Unsicherheit um)
Beispiel:
Sei ein klarer, sachlicher Sparringspartner.
Widersprich, wenn Aussagen nicht belegt sind.
Stelle nur Rückfragen, wenn sie wirklich nötig sind.
Das sorgt für:
weniger “Ja-Sagen”
klarere Antworten
bessere Einordnung
Wichtig: kurz halten. Es geht um Richtung, nicht um Kontrolle.
2) Outcome-first Prompts: Beschreibe das Ergebnis, nicht den Weg
Das ist die zentrale Änderung.
Statt Schritt-für-Schritt-Anweisungen: Sag, was am Ende rauskommen soll.
Früher:
Lies den Text, analysiere ihn, vergleiche Argumente, prüfe Widersprüche…
Heute besser:
Schreibe eine kurze Analyse (3 Absätze), die die wichtigsten Schwächen dieses Textes klar herausarbeitet.
Warum das funktioniert:
die KI wählt selbst den besten Weg
weniger unnötige Einschränkungen
bessere Ergebnisse
Der Guide warnt ausdrücklich davor, alte Prompts zu übernehmen, die jeden Schritt vorgeben. Das kann die Qualität sogar verschlechtern.
3) Stopping Conditions: Sag der KI, wann sie fertig ist
Ein Punkt, den viele komplett ignorieren: KI braucht klare Signale, wann sie aufhören soll.
Sonst passiert:
zu lange Antworten
unnötige Details
“Overthinking”
Beispiele:
Höre auf, sobald die Kernfrage beantwortet ist.
Nutze die minimale Menge an Belegen, die für eine korrekte Antwort nötig ist - dann stoppe.
Prüfe nach jedem Schritt: Kann ich die Frage jetzt sinnvoll beantworten? Wenn ja, antworte.
Das macht Antworten:
kürzer
klarer
relevanter
4) Suggested Prompt Structure: Der neue Standard für komplexe Aufgaben
Der Guide schlägt eine klare Struktur vor, die wie ein gutes Briefing funktioniert:
Role
Was ist die Aufgabe der KI?
Du analysierst Texte für ein Redaktionsteam.
Personality
Wie soll sie arbeiten?
Direkt, kritisch, ohne unnötige Höflichkeit.
Goal
Was soll entstehen?
Eine verständliche Analyse der wichtigsten Schwächen.
Success Criteria
Wann ist die Aufgabe erfüllt?
Die zentralen Schwächen sind klar benannt und begründet.
Constraints
Was darf nicht passieren?
Keine erfundenen Fakten, keine unnötigen Wiederholungen.
Output
Wie soll das Ergebnis aussehen?
Maximal 3 Absätze, klare Sprache.
Stop Rules
Wann ist Schluss?
Beende die Antwort, sobald alle Kernpunkte genannt sind.
Das wirkt simpel – ist aber extrem effektiv.
Beispiel: Recherche zusammenfassen und einordnen
Klassischer (überladener) Prompt
Recherchiere das Thema KI im Journalismus, finde relevante Quellen, fasse die wichtigsten Punkte zusammen, analysiere die Entwicklungen, strukturiere die Ergebnisse logisch, schreibe verständlich und berücksichtige verschiedene Perspektiven.
Problem:
viele vage Anweisungen
kein klares Ziel
keine klare Definition, wann “fertig” ist
Neue klare Prompt-Struktur
Role
Du unterstützt ein Redaktionsteam bei der schnellen Einordnung von Themen.
# Personality
Direkt, klar und sachlich. Triff sinnvolle Annahmen, wenn Kontext fehlt. Markiere Unsicherheiten offen. Keine unnötigen Erklärungen.
# Goal
Erstelle eine kompakte Übersicht der wichtigsten aktuellen Entwicklungen von KI im Journalismus.
# Success Criteria
Die 5 wichtigsten Entwicklungen sind ausgewählt
Jede Entwicklung ist verständlich erklärt
Die Relevanz für die Redaktion ist klar erkennbar
# Constraints
Keine erfundenen Informationen
Nur plausibel belegbare Entwicklungen nennen
Keine allgemeinen oder vagen Aussagen
# Output
Maximal 5 Stichpunkte
Jeder Punkt: Entwicklung + kurze Einordnung (1–2 Sätze)
Klare, verständliche Sprache
# Stop Rules
Stoppe, sobald die 5 wichtigsten Punkte vollständig dargestellt sind
Ergänze keine zusätzlichen Beispiele oder Erklärungen
Was sich wirklich geändert hat
Die wichtigste Erkenntnis aus dem Guide: Weniger Kontrolle = bessere Ergebnisse
Oder konkreter:
weniger Prozess-Anweisungen
mehr Fokus auf Ziel und Ergebnis
klare Rahmenbedingungen statt Mikromanagement
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