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Ego oder Ally?

Im Moment des Entstehens dieser Zeilen, steht ein Mittfünfziger auf dem Gehweg vor meiner Arbeitswohnung, rotzt auf die Straße und steigt in sein Auto mit dem Kennzeichenanfang MZ — Mainz — und ich frage mich, ob er wohl jemals in seinem Leben einem anderen Mann die Leviten gelesen hat, weil der sich sexistisch verhalten oder geäußert hat. Würde meiner Antwort auf diese Frage eine für den Mann harte Konsequenz folgen, würde ich zu mir selbst sagen, Christin, was stellst du dir für Fragen, das kannst du nicht glaubhaft einschätzen, du kennst ihn doch gar nicht. Da aber auf widerständiges und kritisches Verhalten von Frauen so gut wie nie eine Konsequenz für übergriffige Männer folgt, kann ich reinen Gewissens behaupten — nein, dieser Typ hat noch niemals auch nur darüber nachgedacht, sein Wort gegen Sexismus zu erheben und seine Privilegien zu nutzen, um die Welt für FLINTA* ein wenig besser zu machen. Das sagt mir meine Lebenserfahrung. Denn wenn diese — für patriarchale Männer — Königsdisziplin, in der Männer andere Männer wegen ihres sexistischen Verhaltens kritisieren und konfrontieren, schon für Passiv-Einsichtige (siehe letzter Newsletter (Öffnet in neuem Fenster)) schwerlich zu bewältigen ist, dann ist es für Männer, die auch noch Raum durch auf die Straße aulen einnehmen müssen, gänzlich unmöglich.

Grafik: Christin Herrmann

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