Wieder zurück in Leipzig stell ich mir die Frage: und jetzt, was mach ich als nächstes? Türen schleifen, Buch 1 selbst verlegen (hass), schwedisch lernen, auf Halbmarathon vorbereiten, die Puppensammlung im Ausmaß einer Garage meiner vor 15 Jahren verstorbenen Mutter irgendwie und irgendwo verkaufen (doppelhass); Brotjob hinschmeißen oder einfach endlich ein vernünftiges Kissen anschaffen; Trennung oder Wohnung aufgeben und mit Familie in einen Campervan ziehen; mit Katzen an der Leine Spaziergänge machen oder das dreijährige Deckenprojekt fertig häkeln? Ein paar Fragen mehr oder einhundert gibt es noch, aber die paar genannten reichen wahrscheinlich schon aus, um den Eindruck zu vermitteln, ich wäre irgendwie ein bisschen schwach, neurotisch vielleicht, wankelmütig oder leicht zu durchschauen. Denn wie ich gelernt habe, ist Bewertung als Selbststabilisierungaffekt eine nicht auszurottende Religion unserer patriarchalen Kultur. Geben Menschen, korrigiere, geben Frauen aus einer Abstandsposition (Internet, Film/Fernsehen, Öffentlichkeit) etwas über ihr Innenleben preis, zeigen sie sich emotional, zeigen sie sich, ganz allgemein, neigen Beobachter:innen gern dazu, erstens weniger Distanz einzunehmen (siehe parasoziale Beziehungen) und zweitens diese verringerte Distanz mit Selbsterhöhung zu versehen, sobald irgendetwas Unangenehmes passiert, wie Kritik, Fehler, Krisen, Missverständnisse, Meinungsverschiedenheiten usw.. Als pachteten Frauen des öffentlichen Lebens die Deutungshoheit oder machten sich zur Unfehlbarkeit höchstpersönlich. Dabei versuchen sie nur zum Beispiel bessere Fragen zu stellen; Fragen, die ihrem Alter, ihrer Lebensphase, ihren Tätigkeiten und Kompetenzen gerecht werden. Ihrem Geschlecht werden sie ohnehin gerecht. Wie das? Darum geht es jetzt.
