Ein gutes halbes Jahr gibt es nun den WORTSPIELFELD Newsletter, in dem ich bildungspolitische Aufklärungsarbeit leiste und meine Leserschaft entweder gut abhole oder tief in Wunden drücke. Bereits vor diesem Newsletter habe ich feministische Aufklärungsarbeit geleistet — öffentlich auf Bühnen oder social media, privat oder auf Nebenschauplätzen. Bei meinen engagierten Ausflügen in den Feminismus, steche ich, in Bezug auf den Bildungsstand der Zuhörenden und Lesenden, oft gänzlich unwissend in See und fische entsprechend unterschiedliches Feedback. In den letzten Monaten zum Beispiel sagten mir einige Leser:innen, wie dankbar sie über meine Texte seien und wie sehr sie sich immer über diese Post im Mailfach freuen. Eine sagte, ich sei meiner Zeit voraus, andere kommen darüber mit mir in regen Austausch und inspirieren mich zum Weiterdenken und füllen meine Wissenslücken (meistens Schüler:innen, die mindestens 10 Jahre jünger sind) und wieder andere sagen mir ins Gesicht, ich sei eine Männerhasserin. Alles kann ich nachempfinden, auch in jedes vermeintlich kritische Rohr habe ich auch selbst einmal geblasen, da fällt es überhaupt nicht schwer emphatisch zu sein. Mich zur Männerhasserin zu machen, ist deshalb vermeintlich kritisch, da es ein Abwehrmechanismus ist, eine kognitive Wahrnehmungsverzerrung, ein BIAS, eine reflexartige Strategie des Gehirns, die dabei behilflich sein soll, von den eigenen Themen, die ich mit meinen Anstößen anrege oder hinterfrage, abzulenken, indem dadurch der Diskurs verschoben wird und ein strukturelles Problem, welches ich anhand von durchaus persönlichen Beispielen zu veranschaulichen versuche, zu einem individuellen Problem gemacht wird. Dieser Schutzmechanismus mag helfen, sich nicht mit sich selbst und der eigenen Lebenssituation auseinanderzusetzen, es hilft aber in keiner Weise dabei, sich ein Bild von mir persönlich zu machen, ein Psychogram über mich zu erstellen oder mich zu beeinflussen. Ich habe meine Biografie gut studiert und kann milde mit meinen zurückliegenden Fehlern umgehen, zum Beispiel damit, für Gleichberechtigung kämpfende Frauen als unangenehm mannsweibisch (= Wort an dem man beispielhaft das ganze Patriarchat erklären könnte) einzuordnen. Schade finde ich es aber trotzdem, dass es seit ich feministische Aufklärungsarbeit betreibe, regelmäßig Leser:innen und Hörer:innen gibt, die meinen Feminismus mit Männerhass übersetzen. Es ist wirklich ein Trauerspiel, denn es verhindert Allianzen. Weibliche Connecke, die wir Frauen dringend bräuchten.
Was ich in dem Zuge des mir vorgeworfenen Männerhasses an zweiter Stelle gefragt werde, ist, ob ich nicht einen Partner/Mann hätte. Ob ich da mit meinem Männerhass nicht in Widerspruch käme. Ich weiß oft nicht, wo ich da anfangen soll, habe mich für heute aber entschieden, einfach mal ein bisschen transparenter zu sein, was mein Privatleben angeht. Vielleicht stillt das ein wenig den Hunger:
Ich bin manchmal verheiratet, mit einem Mann oder zweien, je nachdem, ob sie gerade offen damit umgehen wollen oder können. Dann bin ich auf pflanzliche Art noch mit einem weiteren Mann verheiratet. Das geht in Deutschland nur deshalb, weil ich aufgrund meiner feministischen Expertise und den wunderschönen Augen einen Sonderstatus genieße, ich telefoniere auch ab und zu mit Rainer Maria Rilke, dem Generalbundesanwalt, er ist der höchste Staatsanwalt in Deutschland, aber verdeckt, das wissen nur wenige, mit ihm hatte ich auch mal was, weil ich seinen zweiten Vornamen so schön fand, so hieß meine Oma. Außerdem habe ich noch eine Ehefrau und eine Affäre mit einer weiteren Frau und einer Transperson, die die heimliche Zweitpartnerin von Friedrich Merz ist. Ich habe ungefähr 9 Kinder, zwei davon mit einem wunderschönen bunten Vogel, der sprechen kann; alle anderen sehe ich nicht so oft, weil ich eine Karriere-Bitch bin und mir ihre Namen nicht merken kann. Es ist vielleicht auch zu anstrengend ihre Ohren zu putzen, denn die sind bei allen Kindern jeweils zwei Meter groß, sie hören dadurch sehr gut, deshalb kommen die jeweiligen Väter auch gut alleine mit der Erziehung klar. Diese meine Kommune lebt in einem Zimmer, ich besuche sie für fünf Minuten am Tag; sie dürfen da zu ihrem Schutz nicht raus, das heißt, wenn Friedrich zu seiner Transperson-Affäre will, muss er sie in meinem Kommunen-Zimmer besuchen. Manchmal erlaube ich es, meistens nicht, eigentlich nie. Es ist alles zu ihrem Besten.
An dritter Stelle werde ich gefragt, wo denn mein Männerhass herkommt; was denn so schlimmes in meiner Biografie geschehen ist, dass ich so denke. Es ist lustig — nicht — ich versuche immer anhand meiner persönlichen Sexismus-Erfahrungen und der aufklärenden meetoo-Bewegung zu erklären, wann und wie bei mir der Groschen fiel, aber am Ende lande ich irgendwie immer in der Situation der Täter-Opfer-Umkehr, was nur bestätigt, wie patriarchale Unterdrückung funktioniert. Zu diesem Thema will ich ein anderes Mal genauer ausführen; auch dazu, dass Feminismus nicht bedeutet Männer zu hassen oder zu entmenschlichen, wie mir auch schon vorgeworfen wurde, komme ich in einem anderen Newsletter nochmal romananmutend wortreich zurück — versprochen. Zurück zur Frage, wo das herkommt, mein Feminismus, der überhaupt nicht neu ist und schon gar keine Erfindung von mir: Bildung war der Schlüssel. Ich habe mich massiv und knietief in Bücher, Podcasts, Dokumentationen und Vorträge hineinbegeben und von wissenschaftlichem, journalistischem und rechtskundigem Wissen genährt. Was ich denke, schreibe und sage, habe ich mir nicht ausgedacht; ich reproduziere jahrzehnte-altes Wissen und Erkenntnisse aus der Forschung, kombiniere und ergänze mit eigenen Erfahrungen und meiner charakteristischen Note; oft bediene ich mich dabei von Inhalten reichweitenstarker Influencerinnen aus diesem Internet; es gibt sehr sehr sehr viele davon; der Markt ist groß. Man kann sich daran abarbeiten. Man kann aber auch anfangen, meine in die Texte eingefügten Links nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern ihnen auch zu folgen und mein Angebot als das zu begreifen, was es ist: als ein Bildungsangebot, mit Unterhaltungsnote. Statt sich also für mich persönlich zu interessieren (ich fühle mich geschmeichelt, aber es gibt wirklich spannenderes), lade ich dazu ein, meinen Inspirationsquellen zu folgen, oder mindestens meine Texte mit einer reflektierten Brille zu lesen, einer Brille, die nach INNEN reflektiert. Alles andere ist Ablenkung.
