(Öffnet in neuem Fenster)11/06/2026
Liebe Leute,
heute geht’s mal wieder um ein anderes Thema, als mein kommendes Buch. Heute geht es um das Großprojekt, das wir – eine Gruppe von Menschen, von denen einige das Kollapscamp mitorganisiert haben, andere aus völlig anderen Zusammenhängen – im September dieses Jahres organisieren, das Mutual Aid HEAT vom 20. - 27.9. in der Alten Hölle in Brandenburg.
Ich schreibe diesen Text aus zwei Gründen: erstens der Anlass, dass wir jetzt eine Seite zum solidarischen Crowdfunding/Spendensammeln online haben, wir Euch darauf hinweisen, und erklären wollen, was mit dem Geld passieren wird, und warum wir Euch überhaupt um Geld bitten.
Zweitens wollten wir diesen Anlass nutzen, um mit Euch ins Gespräch über unser Event zu kommen: wir möchten mit Euch über Eure potenzielle Teilnahme sprechen, was Euch an unseren Event interessiert, was Ihr daran blöd findet, und was Euch eventuell davon abhält, teilzunehmen. Wir wissen, dies ist ein „trial-and-error-Event“, wir wissen selbst gar nicht, was dabei rauskommen wird, und wollen es in Zukunft immer weiter verfeinern, denn wir sind uns sicher: Formate, in denen wir lernen, gemeinsam solidarisch in Katastrophen zu handeln, wird es in Zukunft mehr brauchen, nicht weniger.
Das HEAT
Zuerst nochmal ein kurzer Abriss, was wir eigentlich planen, weil... zur Zeit so viel passiert, und nicht einmal wir in der Orga immer den perfekten Überblick haben 😁
Also, unser einwöchiges Event im Herbst will etwas versuchen, das wir länger nicht mehr gemacht haben – nämlich ein paar Tage miteinander verbringen, um eine Sache zu lernen, sich in einem Thema so auszubilden, dass wir, wenn etwas passiert, was diese Skills benötigt, ein bisschen handlungsfähig sind, um uns und Anderen helfen zu können. Wir werden in vier Trainingssträngen lernen, wie wir uns in Notfällen verhalten können: wie versorge ich Menschen mit Essen, wenn die Supermärkte leer bleiben? Wie kommuniziere ich, wenn Strom und Internet und Telefon ausgefallen sind? Wie schütze ich mich und meine Community, wenn wir angegriffen werden? Und zuletzt, wie kümmere ich mich medizinisch und psychologisch um die, die was abbekommen?
Nach diesen viertägigen Trainings wollen wir aber nicht einfach nach hause fahren, sondern das gemeinsam gelernte auch anwenden – stellt Euch das ein bisschen wie ein Aktionscamp vor, mit 4tägigen Aktionstrainings, und dann einer gemeinsamen Aktion, die ja auch immer zusammenschweisst, wie diejenigen wissen, die schonmal bei einer großen Aktion dabei waren, vielleicht Ende Gelände, vielleicht widersetzen. Als „Kollapsbewegung“ haben wir erstmal kein klassisches „Aktionsziel“, es geht uns ja um Vorbereitung auf Events, von denen wir sicher sind, dass sie eintreten werden, aber am Wochenende des Events werden wir in komplexen „Szenarien“ solche Events simulieren und zusammen durchspielen.
All dies findet im Rahmen eines „Camps“ statt: d.h., wir sind in einem Kollektiv in Brandenburg, der Alten Hölle, es wird gezeltet werden, Essen wird von ner tollen KüfA gekocht, you know the drill.
Eins noch, bevor ich jetzt zum Crowdfunding komme: zu Beginn dieser Woche fiel in Reutlingen für 40.000 Menschen der Strom aus, nicht so lang, wie Anfang des Jahres in Berlin, aber trotzdem – das muss nervig sein. Stellt Euch vor, ihr wärt in so einer Situation, hättet aber unser Kommunikationstraining besucht. Ihr wärt handlungsfähig gewesen, hättet Euch und anderen helfen können. Oder schaut – deutlich heikler – nach Nordirland, wo gerade rassistische Mobs durch die Straßen marodieren, wo nicht weiß-gelesene Menschen Angst haben müssen, auf die Straße zu gehen. Ich sage nicht, dass 4 Tage Training gegen eine Schaar hundert junger Nazischläger hilft, aber zu lernen, wie man sich in so einer Situation verhält, was die richtigen Fragen sind, wie ich lerne, umsichtig mich und meine Leute zu schützen... das würde mich schonmal besser fühlen machen. Es wird immer dunkler: Vorbereitung jeden Tag wichtiger. Deshalb das HEAT.
Crowdfunding
Ihr merkt schon: das ist ein anspruchsvolles Event – eine ganze Woche im September, jenseits der Schulferien, da verlieren wir schonmal die meisten Menschen, die schulpflichtige Kinder haben. Überhaupt, sich eine Woche für ein Politevent freizunehmen ist für manche unmöglich, für viele schwierig, und für alle anspruchsvoll. Dazu kommt, dass wir Teilnehmer*innen bitten, die ganze Woche da zu sein, vom 20. bis zum 27.9., sich für nur einen Trainingsstrang anzumelden (wir wollen in die Tiefe gehen, nicht so sehr in die Breite), und, dass wir Teilnehmer*innenbeiträge erheben müssen.
Oder auch, weniger im Werbesprech, es wird Tickets geben, die auch was Kosten, und die Preise haben es auf den ersten und auch den dritten Blick in sich: wir bitten Teilnehmer*innen, sofern sie können, 3-400€ zu zahlen, denn nur mit dem Preis können wir die Kosten des Events decken. Was wir aber dazu sagen: wir tun Alles, was wir können, um dafür zu sorgen, dass auch die teilnehmen können, die teilnehmen wollen, für die der Preis aber zu viel ist.
And this is where you come in: manche von Euch finden vielleicht unser HEAT interessant, haben aber keine Zeit, eine ganze Woche im September freizunehmen, vielleicht habt Ihr andere Probleme mit dem Event, findet es aber grundsätzlich unterstützenswert, vielleicht habt Ihr selbst keinen Bock, findet es aber gut, wenn andere daran teilnehmen. Wir wollen sicherstellen, dass niemand aus ökonomischen Gründen ausgeschlossen wird. Wenn Ihr könnt: bitte helft uns dabei, hier ist unsere Spendenseit:
https://mutualaidheat.de/spenden (Öffnet in neuem Fenster)Das Geld, das Ihr über diese Seite spendet, wird dafür verwendet werden, solidarische Ticketpreise zu finanzieren, so, dass wir ab jetzt den Teilnehmer*innen versprechen können, dass wir nicht nur „alles tun werden“, sondern, dass die Ressourcen da sind, um ihre Teilnahme möglich zu machen
Geld für neue Bewegung
Nach dieser Bitte drängen sich zwei Fragen geradezu auf:
Erstens, „warum braucht Ihr in dieser neuen Kollapsbewegung eigentlich ständig Geld von uns?“ Die Kollapsbewegung, such as it is, ist eine neue soziale Bewegung, sie hat nicht das organistorische Vorfeld und Hinterland, das eine etablierte soziale Bewegung wie die Antikohlebewegung hatte, die wiederum auf Strukturen aufbaute, die seit Mitte der 1970er von der Antiatombewegung und den Grünen gebaut wurden. Das bedeutete, dass jede große Aktion oder jedes Camp mit institutionellem Funding rechnen konnte, auch die Menschen, die dort Workshops gaben, waren oft „Hauptamtliche“, so wie ich zum Beispiel von der Rosa Luxemburg Stiftung bezahlt wurde, und in diesem Rahmen dann auch gratis Workshops bei Klimacamps etc durchführen konnte.
Die Kollapsbewegung hat es bisher nicht geschafft, wirklichen Zugriff auf diese Strukturen zu bekommen, tatsächlich ist unsere Erfahrung mit diesen Strukturen bisher ziemlich gemischt – d.h., wir können uns bei unseren Großprojekten nicht auf institutionelle Finanzierung verlassen, wollen aber auch mit Profis zusammenarbeiten, die uns auf höchstem Niveau unterrichten können. Wir wollen nicht in das alte linke und linksradikale Problem der permanenten Selbstausbeutung verfallen, und wollen daher den Menschen Geld zahlen, die uns helfen, dieses Event durchzuführen, und dies mit viel Einsatz und Skills machen. Wir glauben, dass es richtig ist, das zu tun, finden aber auch, dass es wichtig wäre, diese Fragen mal breiter zu besprechen, auch in der Antifa-, der Klima- und anderen Bewegungen: wie finanzieren wir uns, wenn die staatlichen, die öffentlichen, die politischen und die privaten Stiftungsgelder wegbleiben? Wir wollen von Anfang an... „nachhaltige“ (krass, wie das Wort gelitten hat) Finanzierungsstrukturen aufbauen, und for the time being heißt das, dass wir uns gegenseitig finanziell unterstützen müssen.
Daher unser Crowdfunding: https://mutualaidheat.de/spenden (Öffnet in neuem Fenster)
Weg vom Wochenendaktivismus
Zweitens, warum kostet das so viel Geld, viel mehr als andere aktivistische Events? Weil das ganze ein fundamental anderes Projekt ist, als das, was wir mittlerweile gerne als Wochenendaktivismus bezeichnen, den zumindest manche aus unserem Orgateam seit geraumer Zeit organisieren: wir werden eine ganze Woche zusammen sein, sieben Tage, wir werden praktische Trainings durchführen, wo der „Trainer-Teilnehmerin“-Schlüssel wichtiger ist, als in Frontalworkhops oder klassischen Wissensvermittlungsformaten. Die Trainer*innen, die diese Trainings mit und für uns durchführen arbeiten teilweise schon seit Ende letzten Jahres am Design des Trainings, und werden beim Event viel Arbeit und Verantwortung haben. Wir glauben, dass solidarische Arbeit auch solidarisch bezahlt werden sollte. Außerdem ist der Preis eben der Dauer des Events geschuldet: sieben Tage KüfA kosten mehr als drei Tage KüfA.
Wir glauben, dass es wichtig ist, mehr Zeit miteinander zu verbringen, mehr zu lernen, als nur einer Fahne hinterherzurennen. Und wir wissen, dass es wichtig ist, miteinander stabile soziale Beziehungen zu entwickeln, denn wie es im Solipreppen immer heißt: Beziehungen vor Vorräten. Das braucht Zeit, das braucht Intensität, und das braucht einen guten Rahmen. All das wollen wir im September gemeinsam schaffen.
Teilnehmer*innen und Rollenspieler*innen
Zwei letzte kurze Punkte noch: wir bitten nicht nur um Euer Geld, wir laden Euch auch weiterhin ein, teilzunehmen, oder Euch als Rollenspieler*innen anzumelden. Wer teilnehmen will, sollte hier clicken und das Anmeldeformular ausfüllen, wir melden uns dann mit dem Termin eines Onboarding-Calls. Das selbe gilt für Rollenspieler*innen, die mit uns zusammen die Szenarien durchspielen werden, die wir gerade designen. Ein Hinweis: auch für Rollenspieler*innen gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung.
https://mutualaidheat.de/#anmeldung (Öffnet in neuem Fenster)So, das ist jetzt wie üblich länger geworden, als erwartet, also werde ich das mit dem „wir wollen mit Euch über unser Event ins Gespräch kommen, auch und VOR ALLEM, wenn Ihr vor allem Kritiken habt auf nächste Woche, sonst überlastet das diesen Post. Ich hoffe auf jeden Fall, Euch nochmal Lust auf das HEAT gemacht zu haben.
Mit solidarischen Grüßen,
Tadzio fürs HEAT Team