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Im Dauerstress zur Superheldin


Frauen sind gestresst. Die Erklärung dafür lautete lange Zeit: Sie seien zu emotional, zu empfindlich, zu wenig belastbar. Doch jetzt, da die Forschung ihren Blick endlich auf die Stressoren selbst richtet, wird eines klar: Ob Care-Arbeit, Mental Load, Sexismus, Nachrichten über Feminizide und Deepfakes oder Diskriminierung am Arbeitsplatz – all das zusammen kann langfristig zu chronischer Stressbelastung führen.

Betrachtet man, welche Ungleichheiten Frauen von der Gesellschaft aufgebürdet werden, könnte man das Narrativ auch umdrehen und fragen: Sind Frauen vielleicht sogar deutlich resilienter als Männer?

Ein stressiger Text.

 


Steigen wir also gleich einmal ein: Sind Frauen gestresster als Männer?

Nun ja, zumindest scheinen Frauen deutlich häufiger auf der Suche nach Ruhepolen für ihren Alltag zu sein. Sie meditieren.
Sie machen Yoga. Sie lesen Bücher über Resilienz, abonnieren Achtsamkeits-Apps und schwören auf Morgen- oder Abendroutinen, die Entspannung versprechen.

Die Selbstoptimierungsindustrie lebt seit Jahren hervorragend davon, Frauen zu erklären, wie sie besser mit Stress umgehen können.

Dabei kommt die Frage nicht von ungefähr. In Studien berichten Frauen tatsächlich häufiger von Stress, Erschöpfung und psychischer Belastung als Männer.

Seit den 1980er Jahren zeigen die Ergebnisse von Gesundheitsuntersuchungen immer wieder dasselbe Bild:
Frauen geben häufiger an, sich gestresst zu fühlen, unter Erschöpfung zu leiden oder depressive Symptome zu erleben.

Auch Angststörungen und Autoimmunerkrankungen, deren Entstehung oder Verlauf durch chronischen Stress beeinflusst werden können, treten bei Frauen deutlich häufiger auf.
Hinzu kommen Krankenkassendaten aus Deutschland, die
seit Jahren höhere Werte bei psychischen Belastungen und stressassoziierten Erkrankungen bei Frauen zeigen.

Und was macht unsere patriarchal geprägte Gesellschaft aus diesen Zahlen?

Frauen seien eben empfindlicher. Emotionaler. Weniger belastbar.
So als würde die höhere Belastung auf ein subjektives persönliches Defizit hinweisen.

Also gut, wir wissen es besser. Und mittlerweile hat auch das Narrativ einen Perspektivwechsel vollführt:

Statt einfach nur zu messen, wie gestresst Menschen sind, forscht man heutzutage eben auch nach Stressoren, also jenen denen Frauen und Männer ausgesetzt sind.
Die sind nämlich unterschiedlich in einem System wie dem unseren, indem traditionelle Geschlechterrollen internalisiert sind und gelebt werden.

(*Stressoren sind äußere oder innere Reize bzw. Belastungen, die Stress auslösen können. Sie fordern den Körper oder die Psyche heraus und bringen das Gleichgewicht (die „innere Balance“) durcheinander.)


Von Care-Arbeit bis Mankeeping

Betrachtet man also die Lebensrealität von Frauen, wird schnell deutlich, dass sich dort zahlreiche zusätzliche Stressoren zu der Welt der Männer finden.

Frauen übernehmen nach wie vor einen größeren Teil der unbezahlten Care-Arbeit, kümmern sich häufiger um Kinder, pflegebedürftige Angehörige und die Organisation des Familienalltags.

Hinzu kommt die sogenannte Mental Load – jene unsichtbare Planungs- und Erinnerungsarbeit, die dafür sorgt, dass Geburtstage nicht vergessen, Arzttermine vereinbart und Klassenfahrten rechtzeitig bezahlt werden.

Ein derzeit oft benutzted Wort aus der Psychologie und Soziologie, dem sich auch die feministische Theorie bereits angenommen hat: Mankeeping.

Das Wort, das man mit „soziale Fürsorgearbeit für Männer“ oder auch mit „emotionale Instandhaltungsarbeit“ übersetzen kann, beschreibt eben genau jene emotionale und soziale Arbeit,
die oft von Frauen übernommen wird, um das soziale Leben und das emotionale Wohlbefinden von Männern aufrechtzuerhalten.

Der Begriff wurde von der US-amerikanischen Psychologin und der Stanford-Psychologin Angelica Puzio Ferrara geprägt.

Beispiele für Mankeeping sind etwa, dass die Partnerin ihn daran erinnert, Freunde zu kontaktieren oder die Mutter zum Geburtstag anzurufen. Sie hostet Treffen mit der Familie, sie
hört sich immer seine Sorgen an und unterstützt ihn mit Ideen dazu. Die Frau ist die wichtigste emotionale Bezugsperson für
den Mann. So wie die Mutter für den Sohn zuvor.  

Ein Grund dafür ist, dass viele Männer weniger enge Freundschaften und emotionale Unterstützungsnetzwerke
haben als Frauen. Dadurch wird ein großer Teil ihrer emotionalen Bedürfnisse bei der Partnerin platziert.

Berücksichtigt man nun all diese Belastungen – von Care-Arbeit über Mental Load bis hin zu Mankeeping –, die hier nur aufgezählt werden und auf die man noch viel detaillierter eingehen könnte – wird jetzt schon deutlich warum Frauen häufiger von Stress, Erschöpfung oder psychischen Belastungen berichten.

Denn wer zuhause dauerhaft mehr Verantwortung trägt, mehr organisiert, mehr emotional auffängt und gleichzeitig die eigenen Bedürfnisse häufiger zurückstellt, sammelt nicht nur To Do-Listen an. Sondern auch Stressoren.

Und dabei endet die Belastung ja noch lange nicht an der Haustür.


Stressoren on top: Sexismus und gewaltige News


Im Zusammenhang mit Stress ist ein weiterer Lebensbereich von Frauen von Interesse, in dem ich selbst viele Erfahrungen sammeln konnte: der Arbeitsplatz.

Und wenn ich hier Stressoren aufzähle, dann meine ich keine Deadlines, schwierige Kund:innen, Speakerslots vor hunderten von Menschen, Überstunden oder Team und Budget-Verantwortung.

Ich spreche von der immerwährenden und immer wieder auftretenden Diskriminierung von Frauen im Berufsleben.
Egal in welcher Branche, egal in welchem Alter, egal ob in Süddeutschland oder Berlin.

Eine Handvoll persönlicher Beispiele (nur die Spitze des Eisberges, ich könnte noch Jahre dazu weiterschreiben) habe ich bereits in den Texten „Die Gewalt der kleinen Sätze“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), „Schwesternwunde“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder in der „Ode an John“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) beschrieben. Diese Erlebnisse mit Kollegen und Vorgesetzten, die ich selbst erfahren habe, waren für mich keine Randnotizen des Arbeitsalltags. Sie waren alle eigenständige psychische Stressoren, die mich lange Zeit beschäftigt, mein Verhalten verändert, mich nachts wachgehalten und mich auch schon zur eigenen Kündigung gebracht haben.


Und bevor hier wieder ein Mann mit dem Hinweis auftaucht, auch Männer würden ihre Erfahrungen mit Alphamännern machen, die Ellenbogenmentalität zu spüren bekommen oder blöde Sprüche von anderen Männern gereicht bekommen: Natürlich tun sie das.

Auch Männer erleben schwierige Kollegen, übergriffige Vorgesetzte oder unangenehme Situationen am Arbeitsplatz.
Der entscheidende Unterschied liegt aber woanders.


Er heißt Sexismus. Und Diskriminierung wegen des Geschlechts. Das Bedürfnis nach einem sexistischen Spruch mehrfach duschen oder sich am nächsten Tag einen weiten Pulli anziehen zu wollen.

Was Männer von anderen Männern nicht (oder kaum) erfahren, ist Sexismus.

Sie werden in Meetings nicht regelmäßig mit ihrem Geschlecht konfrontiert. Müssen nicht darüber nachdenken, ob ein Kommentar gerade unangebracht oder bereits übergriffig war.
Sie verlassen ein Gespräch in der Regel nicht mit der Frage,
ob ihre fachliche Kompetenz infrage gestellt wurde oder ob sie gerade auf ihr Aussehen reduziert wurden.

Wenn Frauen diese Erlebnisse beschreiben, zeigt sich oft noch ein weiteres Muster: Frauen prüfen nach einem Vorfall, ob sie bei einem Spruch vielleicht selbst zu empfindlich waren.
Ob sie etwas missverstanden haben. Ob andere das wohl genauso wahrgenommen hätten. Oder ob sie die Einzigen sind, die sich daran stören.

Genau diese zusätzlichen Ebenen von Ekel bis Selbstzweifel gehören für viele Frauen zu dem Erlebnis dazu.

Und allein der Reflex von Männern, die Erfahrungen von Frauen unmittelbar mit den eigenen vergleichen zu wollen, verrät oft schon, wie unterschiedlich die Ausgangsbedingungen sind. Denn nicht jede Erfahrung ist dieselbe Erfahrung. Und nicht jeder Stressor entsteht unter denselben Machtverhältnissen.

Und darin liegt auch bereits der erste Grundstein für männliches sich Angegriffen fühlen. Und woher das kommt beleuchte ich im Beitrag „Die Stille der „guten“ Männer.“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Nicht die Deadline hält wach

Zurück zu den Frauen.

Frauen erleben im Job sexuelle Belästigung, geschlechtsbezogene Abwertung und Diskriminierung. Sie müssen sich im Berufsleben häufig stärker beweisen, erhalten für gleiche Leistungen nicht immer dieselbe Anerkennung – oder dieselbe Beförderung oder dasselbe Gehalt – und stehen regelmäßig vor dem Spagat zwischen Zurückhaltung und Durchsetzung.

Sie vollführen permanent einen Balanceakt, indem sie gleichzeitig kompetent, durchsetzungsfähig, sympathisch und möglichst konfliktfrei wirken wollen.
Bloß nicht unbequem werden. Bloß nicht zu viel Raum einnehmen. Bloß nicht widersprechen.

Und dann kommt die Gedankenspirale hinzu. Die dreht sich, weiter und weiter. Auf dem Heimweg. Zuhause beim Kochen. Beim Gassigehen mit dem Hund. Beim Einschlafen. Beim Aufwachen. Wie ein Ohrwurm.

Sexuelle Belästigung, auch in verbaler Form, am Arbeitsplatz hat erhebliche psychische Folgen. Und diese Folgen lassen sich nicht mit individueller Empfindlichkeit erklären. Sie zeigen sich in Bevölkerungsstudien, Langzeituntersuchungen und systematischen Reviews immer wieder aufs Neue.

Unter Arbeits- und Gesundheitsforscher:innen besteht weitgehend Konsens darüber, dass sexistische Arbeitsumgebungen mit höherem Stress, mehr Angstzuständen und häufigen auftretenden depressiven Symptomen verbunden sind.

Und nun zu der Frage, die einem an dieser Stelle fast
automatisch entgegen springt:
Welches Arbeitsumfeld ist eigentlich nicht sexistisch?

Bitte einmal Hand heben: Welche Frau hier hat noch nie Sexismus oder geschlechtsbezogene Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt?

Falls es Frauen gibt, die solche Erfahrungen bislang weder gemacht noch beobachtet haben: Ich freue mich für euch! Wirklich.
Von Herzen.

Und ich wünsche euch, dass das so bleibt.


Die Anatomie der Dauerbelastung


Im Großen und Ganzen sind in unserer Gesellschaft Verantwortung, Macht und Belastungen ungleich aufgeteilt.
Und das wirkt sich direkt auf die Gesundheit von Frauen aus.

Wenn man nun noch die immer größer werdende Anzahl von Stressoren für Frauen, also die Nachrichten über sexuelle Gewalt an Frauen, Femizide, Deepfakes, Vergewaltigungen unter Einsatz von Betäubungsmitteln, die Epstein Akten, die Prozesse, die Frauen führen und die sie nicht gewinnen, dazu nimmt,
dann haben wir eine schöne Basis für Dauerstress.

Der Fachbegriff, der in der Forschung benutzt wird:
chronic stress exposure

Nicht der einzelne Vorfall. Nicht die eine sexistische Bemerkung im Meeting. Nicht das eine Mal für den Mann mitdenken. Nicht die Liste zur Vorbereitung der Kinderparty. Nicht die News über ein Netzwerk an Männern, das Frauen betäubt. Nicht die eine Beförderung, die an einen weniger qualifizierten Kollegen geht.

Gemeint ist die Summe der täglichen Stressoren.

Stress entsteht selten durch einen einzelnen Tropfen. Stress entsteht durch das Fass.

(*Und dieses Fass sollten wir zusammen aufmachen. Ich starte einmal mit diesem Text)

Unter Chronic Stress Exposure (das Ausgesetzt sein ständiger oder sich wiederholender Stressbelastung) versteht man eine dauerhafte körperliche und mentale Belastung, bei der die Erholungsphasen vom Stress fehlen.

Der Körper bleibt in ständiger Alarmbereitschaft, was zu dauerhaft erhöhten Werten der Stresshormone Cortisol und Adrenalin führt.

Dass genau diese Belastungen – die vielen kleinen Dinge, die sich über Jahre aufsummieren – reale gesundheitliche Folgen haben, zeigen inzwischen zahlreiche Untersuchungen.

Eine 2024 veröffentlichte Studie untersuchte beispielsweise die Wahrnehmung von Geschlechterdiskriminierung bei erwerbstätigen Frauen. Das Ergebnis eindeutig: Je stärker Frauen geschlechtsbezogene Benachteiligung am Arbeitsplatz erlebten, desto häufiger berichteten sie über depressive Symptome.


Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine US-amerikanische Langzeitstudie aus dem Jahr 2024. Über einen Zeitraum von neun Jahren begleiteten die Forschenden Beschäftigte und stellten fest, dass Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz langfristig zu einer höheren psychischen Belastung führen. Nicht als kurzfristige Reaktion auf einzelne Ereignisse, sondern als dauerhafte gesundheitliche Belastung.

Besonders aussagekräftig sind systematische Reviews, also Forschungsarbeiten, die zahlreiche Einzelstudien zusammenführen. Ein solcher Review aus dem Jahr 2024 untersuchte die Folgen geschlechtsbezogener Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz. Die Forscher:innen kamen zu dem Ergebnis, dass diese Erfahrungen zu psychischen Belastungen, geringerem Wohlbefinden und negativen beruflichen Folgen führen.

Die Gesundheit der Ungleichheit

Auch sexuelle Belästigung wird heutzutage als eigenständiger psychischer Stressor betrachtet.

Studien zu Frauen in männerdominierten Berufen zeigen Zusammenhänge mit Angstzuständen, Depressionen, Burnout, emotionaler Erschöpfung und Trauma-Symptomen.
Viele Betroffene berichten von einem Zustand permanenter Wachsamkeit.

Die Aufmerksamkeit richtet sich dann nicht mehr auf die eigentliche Arbeit, sondern auf die Frage, wann die nächste Grenzüberschreitung erfolgt.

Ich selbst kenne dieses Gefühl sehr gut. Und ich kenne viele betroffene Frauen, die Ähnliches berichten.

In der Traumaforschung spricht man von Hypervigilanz
einem Zustand ständiger Wachsamkeit.

Wer Hypervigilanz erlebt, wartet nicht auf den nächsten Vorfall.
Der Körper tut es, automatisch. Man scannt Räume. Gespräche. Situationen. Menschen.

Eine aktuelle Analyse kommt zudem zu dem Ergebnis, dass wahrgenommene Diskriminierung am Arbeitsplatz nicht nur
die psychische, sondern auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen kann.

Die Folgen reichen von erhöhter Stressbelastung über
depressive Symptome bis hin zu einem insgesamt schlechteren Wohlbefinden. *Alle Studien und Quellen finden sich am
Ende dieses Textes.

All diese Erkenntnisse führen letztlich zu einer Einsicht, die man auch politisch bezeichnen kann:

Frauen sind stärker von Stress belastet, weil sie zusätzlichen Belastungen ausgesetzt sind, die mit gesellschaftlichen Geschlechterrollen zusammenhängen.

Geschlechterungleichheit ist damit nicht nur ein Gleichstellungsproblem. Sie ist auch ein Public-Health-Thema.

Denn Frauen werden dadurch krank. Sie verlieren Energie.
Und wer dauerhaft mehr Stressoren ausgesetzt ist, zahlt
dafür einen Preis.

Nicht nur emotional. Nicht nur beruflich. Sondern oft auch körperlich.


Die Erschöpfung der Superheldinnen


All diese Studien führen letztlich zu einer Erkenntnis:
Frauen haben mehr Stress, weil sie zusätzlichen Belastungen ausgesetzt sind, die mit gesellschaftlichen Geschlechterrollen zusammenhängen. Und Geschlechterungleichheit ist damit
nicht nur ein politisches Thema, sondern auch ein
Public-Health-Problem.

Nimmt man nun all diese Daten zusammen, dann könnte man daraus auch ein konträres Narrativ dazu spinnen, dass Frauen nicht belastbar seien. Also umgekehrt fragen:

Wie belastbar muss ein Mensch eigentlich sein, um all diese genannten Stressoren im Alltag überhaupt dauerhaft auszuhalten.

Wie belastbar eine Frau sein muss, die neben Erwerbsarbeit auch den größeren Teil der Care-Arbeit übernimmt. Die Mental Load trägt. Die emotionale Versorgungsarbeit für andere leistet.
Die sexuelle Belästigung, geschlechtsbezogene Abwertung
oder Diskriminierung erlebt. Die gelernt hat, trotz all dessen professionell, freundlich und möglichst konfliktfrei zu funktionieren.

Vielleicht ist die eigentliche Geschichte also nicht, dass Frauen weniger belastbar sind. Sondern dass sie viel belastbarer sind als Männer, weil sie immer noch durchhalten.

Würden Männer das überhaupt schaffen? Sind Männer dazu gemacht? Wissen die das vielleicht?

Ich stelle nur Fragen.

Meiner Ansicht nach sind Frauen Superheldinnen. Emotional und körperlich.

Ich fände es höchst spannend, wenn es einmal die Möglichkeit gäbe zum direkten Vergleich. Also wenn man die Rollen vertauschen würde, nur mal so für die nächsten zwanzig Jahre.
Für Studienzwecke.

Und dann im Jahr 2046 die Daten der Krankenkassen ausliest.
Ob Männer dann auch öfter zum Yoga gehen oder das System zusammenbricht – Was meinst Ihr?

Ich freue mich auf euer Feedback dazu – hier oder auf Instagram oder via Mail, die es jetzt auch gibt: hello@storyheldin.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

 

Am 20. Juni erscheint zu dem Thema Frauenstress im Newsletter ein spannendes Interview, das ich mit einer Wiener diplomierten Resilienz- und Mentaltrainerin und Expertin für Stressbewältigung bei Frauen geführt habe. Sie hat viel Wissen, das sie mit uns teilt plus tolle anwendbare Tipps für den Alltag gegen Stress. Wirklich gut!

Foto von Kateryna Hliznitsova

Quellen und Studien aus dem Text:

*Die hier genannten Studien bilden nur einen Ausschnitt der aktuellen Forschung ab. Wer sich tiefer einlesen möchte, findet in den verlinkten Arbeiten zahlreiche weitere Quellen und Literaturhinweise.

Angelica Puzio Ferrara: Mankeeping (2024)

Die Stanford-Psychologin Angelica Puzio Ferrara prägte den Begriff Mankeeping. Gemeint ist die emotionale und soziale Beziehungsarbeit, die Frauen häufig leisten, um die sozialen Netzwerke und das emotionale Wohlbefinden von Männern aufrechtzuerhalten. Die Theorie geht davon aus, dass Frauen dadurch zusätzliche, oft unsichtbare Arbeit übernehmen, die Zeit, Energie und mentale Ressourcen kostet.

Link: Stanford University – Theorizing Mankeeping (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Mental Load und kognitive Care-Arbeit

Eine aktuelle Studie zur sogenannten Cognitive Household Labor untersuchte die unsichtbare Organisations- und Planungsarbeit im Familienalltag. Die Forschenden fanden, dass Frauen deutlich mehr dieser kognitiven Arbeit übernehmen und dass diese Belastung mit höherem Stress, Burnout-Risiko, depressiven Symptomen und einer schlechteren psychischen Gesundheit verbunden ist.

Link: https://psycnet.apa.org (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Unbezahlte Care-Arbeit und psychische Gesundheit

Eine schwedische Untersuchung mit mehreren tausend Erwerbstätigen zeigt, dass unbezahlte Care-Arbeit ein wichtiger, aber häufig unterschätzter Einflussfaktor auf die psychische Gesundheit ist. Da Frauen im Durchschnitt mehr dieser Arbeit übernehmen, tragen sie auch häufiger die damit verbundenen Belastungen.

Link: https://www.sciencedirect.com (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Die Double Burden: Beruf und Sorgearbeit

Eine Längsschnittstudie aus dem Jahr 2025 untersuchte die Doppelbelastung aus Erwerbsarbeit und Familienarbeit. Das Ergebnis: Konflikte zwischen beruflichen und familiären Anforderungen gehen langfristig mit geringerem Wohlbefinden, mehr Stress und schlechterem Schlaf einher. Frauen sind davon besonders betroffen.

Link: https://link.springer.com (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Women in the Workplace

Der jährlich erscheinende Bericht Women in the Workplace von McKinsey & Company und LeanIn.Org (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zeigt weiterhin geringere Aufstiegschancen, weniger Förderung und höhere Burnout-Raten bei Frauen. Besonders Frauen in Führungspositionen berichten von Erschöpfung sowie dem Gefühl, stärker beobachtet und bewertet zu werden als männliche Kollegen.

Link: https://womenintheworkplace.com (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Care-Arbeit und Geschlechterungleichheit

Eine Analyse der OECD zeigt, dass die ungleiche Verteilung unbezahlter Care-Arbeit ein zentraler Treiber vieler Geschlechterunterschiede auf dem Arbeitsmarkt ist. Die Organisation verweist dabei ausdrücklich auf gesellschaftliche Normen und institutionelle Rahmenbedingungen als Ursachen dieser Ungleichverteilung.

Link: https://www.oecd.org/gender (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Geschlechterdiskriminierung am Arbeitsplatz und depressive Symptome

Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigte, dass Frauen umso häufiger depressive Symptome berichteten, je stärker sie geschlechtsbezogene Diskriminierung am Arbeitsplatz wahrnahmen.

Link: https://doi.org/10.1016/j.socscimed.2023.116527 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Langzeitstudie zu Diskriminierung & psychischer Belastung

Eine US-amerikanische Langzeitstudie begleitete Beschäftigte über neun Jahre. Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz gingen langfristig mit einer höheren psychischen Belastung einher.

Link: https://stacks.cdc.gov (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Geschlechtsbezogene Gewalt & Belästigung am Arbeitsplatz

Ein systematischer Review aus dem Jahr 2024 wertete zahlreiche prospektive Studien aus und kam zu dem Ergebnis, dass geschlechtsbezogene Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz mit psychischen Belastungen, geringerem Wohlbefinden und negativen beruflichen Folgen verbunden sind.

Link: https://link.springer.com/article/10.1186/s12889-024-19304-0 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Sexuelle Belästigung als psychischer Stressor

Neuere Untersuchungen zu Frauen in männerdominierten Berufen zeigen Zusammenhänge zwischen sexueller Belästigung und Angstzuständen, Depressionen, Burnout, emotionaler Erschöpfung, Hypervigilanz und Traumafolgen.

Link: https://www.sciencedirect.com (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Diskriminierung und Gesundheit

Eine internationale Metaanalyse zeigt, dass wahrgenommene Diskriminierung am Arbeitsplatz nicht nur die psychische, sondern auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen kann. Die Folgen reichen von erhöhter Stressbelastung über depressive Symptome bis hin zu einem insgesamt schlechteren Wohlbefinden.

Link: https://www.researchgate.net/publication/325656431 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

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