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WIE GESCHMIERT

SACHBUCH-KRITIK (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

„Was denken Sie, welche Lobby hat hierzulande den größten Einfluss“, wurde ich vor einiger Zeit in einem Vorstellungsgespräch einer Interessenvertretung gefragt. „Autos“, war meine Antwort, wobei ich ergänzte, dass auch Öl und die fossile Wirtschaft wohl sehr effizient seien, wenn es darum ginge (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). An die Bauern dachte ich in der Situation nicht und merkte an, dass meine Einschätzung hinsichtlich der fossilen Wirtschaft ein wenig voreingenommen gewesen sein mag, denn ich las zu der Zeit das im Mai 2025 erschienene Buch der beiden Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres.

Die Milliarden-Lobby – Wer uns von Öl und Gas abhängig macht ist das vierte Buch, das die beiden zusammen veröffentlicht haben und das dritte, das im Piper Verlag erschienen ist. Es liest sich über weite Strecken wie ein Wirtschaftskrimi, der uns alle betrifft und die Wenigsten kalt lassen dürfte.

In drei Teilen widmen sich die Journalistinnen von SPIEGEL und CORRECTIV der Abhängigkeits-Frage: Im Teil „Die Bremser“ geht es um wirtschaftliche Interessen, vertreten zumeist durch Großunternehmen und Lobbyverbände. Von der Heizungsindustrie, die vor nicht allzu langer Zeit noch das Habeck'sche Gebäudeenergiegesetz torpedierte (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und mit Katherina Reiche nun eine für sie womöglich starke Wirtschaftsministerin haben, über die Agrar- und selbstverständlich die Energie- und petrochemische Industrie beleuchten sie die Aktivitäten der Verbände in den letzten Jahren.

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Im Teil „Die Gedankenmanipulierer“ gehen die Autorinnen den ideologischen Einflüsterern auf den Grund. Von vermeintlich wissenschaftlichen Instituten, die enge Verbindungen in das Klimawandelleugner-Milieu um US-Präsident Trump und seine finanzstarke Clique haben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), geht es bis zu Forscher*innen, die wenig wissenschaftliche Ansätze in ihren Studien verfolgen oder diese von finanzstarken und interessengeleiteten Kräften finanzieren lassen. Teil drei behandelt „Die Scheinlösung“, nämlich Wasserstoff, der zwar in der Theorie als sinnvolles Substitut für fossile Brennstoffe gilt, als solches auch in der Öffentlichkeit angepriesen wird, die Erwartungen aber kaum wird erfüllen können.

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Mit großer Präzision und überaus anschaulich zeichnen die beiden Journalistinnen in ihrem Buch nach, wie wir weiter von Öl und Gas abhängig bleiben. Die Pandemie und vor allem Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) hätten mehr als genug Gelegenheit geboten, unseren Fokus vollends auf Erneuerbare Energien zu lenken, zumindest dort, wo sie technisch und ökonomisch sinnvoll sind. Durch die Abhängigkeit von Öl und Gas – ausnahmslos jedes Verbrennungsmotors, der auf unseren Straßen fährt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), die dort nur fahren, weil wir Benzin aus dubiosen Regimen importieren – geben wir einen Teil unserer Entscheidungsfreiheit ab und das stellen die beiden Autorinnen sehr gut heraus.

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Viele Punkte aus diesem Buch kennen wir allerdings bereits. In ihrem 2020 erschienenen Buch Die Klimaschmutzlobby sind wesentliche Anteile der Informationen zusammengetragen – gerade im Teil „Die Gedankenmanipulierer“ fällt das auf. Für Leser*innen jenes Buchs ist Die Milliarden-Lobby an dieser Stelle weniger erkenntnisreich, einfach weil die Erkenntnis bereits vorliegt.

Der große Mehrwert des mit Blick auf die aktuelle Lage dringlichen Buches von Susanne Götze und Annika Joeres besteht vor allem darin, dass sie überaus detailliert nachzeichnen, wie die Öl- und Gaslobby in den letzten Jahren den Umschwung zu erneuerbaren Energien verhindert hat. Das kürzlich reformierte „Heizungsgesetz“ ist ein uns allen bekanntes, aber gerade deshalb sehr eingängiges Beispiel. Tagesaktuell reden wir bei einem Ölpreis von teils mehr als 100 US-Dollar je Barrel erneut über „Tankrabatt“, neuerdings über die Freigabe der Ölreserven und Co. Gleichwohl ebenso über eine Übergewinnsteuer, also eine Sondersteuer für die Öl- und Gaskonzerne auf überdurchschnittlich hohe Gewinne.

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In besagtem Vorstellungsgespräch kam schließlich auch die Frage, wenn ich mir eine/n Wunschkunden/-industrie aussuchen dürfte, welche das wäre. Meine Antwort war „ein israelischer Drohnenhersteller“, denn wenn es eine Technologie gibt, in der wir Nachholbedarf haben und Israel (mit der Ukraine) heute führend ist, dann ist es diese. Außerdem steht Israel ohnehin am öffentlichen Pranger. Die Aufgabe fände ich daher überaus spannend.

Ich schob nach, dass auch der Bereich Wärmepumpe herausfordernd sein dürfte, denn wenn es eine Branche gibt, der die öffentlichen Mittel perspektivisch gekürzt werden dürften, dann diese. Diesem Sparzwang entgegenzuhalten wäre vermutlich auch eine große Herausforderung. Die Reaktion meiner Gesprächspartnerin lautete: „Na, die haben zuletzt schon genug Geld abgegriffen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).“ Mag sein, aber wenn die Technologie eben sinnvoll und zielführend ist, dann sollte sie weiter gefördert werden. Vermutlich gibt es aber kaum ein besseres Beispiel dafür, wie das fossile Denken unser Handeln heute noch immer beeinflusst (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), wie die beinahe verächtliche Antwort meiner Gesprächspartnerin.

HMS

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Susanne Götze und Annika Joeres: Die Milliarden-Lobby – Wer uns von Öl und Gas abhängig macht (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre); Mai 2025; 288 Seiten; Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag; ISBN: 978-3-492-07331-8; 22,00 €

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Sujet Sachbuch

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